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Michael Drewniok
Besuch von Gestern in der Welt von Morgen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2019

In dieser Zukunft besitzt die Erde nicht nur eine geeinte Zentralregierung, sondern ist Mitglied im „Planetenbund“. Mit den Partnern Mars und Venus zieht man (meist) an einem Strang. Auf den Monden der äußeren Planeten werden Bodenschätze gefördert. Dort fliegen die Wachschiffe der Polizei-Flotte verstärkt Patrouille, denn Piraten treiben ihr Unwesen und kapern gern schwer beladene Frachter.

Bob Griffith stammt vom Mars und brennt vor Leidenschaft für die Weltraumfahrt. Gerade 17 Jahre ist er jung und gerade von der Erde heimgekehrt, wo er die „Weltraum-Akademie“ besucht hat. Der stolze Vater, ein berühmter Raumpilot, erwartet ihn mit einer besonderen Belohnung: Bob darf ihn begleiten, wenn die Flotte nun startet, um einen fremden Planeten zu erkunden!

„Planet X“ wurde lange für einen der Himmelskörper gehalten, die noch jenseits des Plutos die Sonne umkreisen. Dann setzte sich „X“ in Bewegung und steuerte die Erde an: Der Planet ist auch ein gigantisches Raumfahrzeug, dessen technisch weit fortgeschrittenen Bewohner ohne Anmeldung ins Sonnensystem vordringen!

Die Flotte wird von den Fremden aufgehalten und vertrieben, ohne „Planet X“  erreicht zu haben. Man zieht sich auf einen der Neptun-Monde zurück, um sich für einen Weltraum-Krieg zu rüsten. Bob und zwei gleichaltrige Freunde wollen unbedingt mitmischen. Stattdessen geraten sie in die Gefangenschaft der Fremden, die sich als ungemein menschenähnliche Bewohner eines fernen Sonnensystems herausstellen, dessen Vernichtung durch eine Supernova sie einst entkamen. Verzweifelt versuchen die „Jungens“, den drohenden Vernichtungskrieg zwischen den Menschen und den Bewohnern des Planeten Thule zu verhindern …

SF-Grandezza mit Naiv-Verstärker

„Der rätselhafte Planet X“ steht ganz in der Tradition jener Science-Fiction-Romane, die nach dem Zweiten Weltkrieg speziell „für die Jugend“ geschrieben wurden. Diese atmen einen Zeitgeist, der zumindest offiziell den scheinbar grenzenlosen Fortschritt der Naturwissenschaften und eine betont konservative Weltsicht mühelos unter einen Hut brachte.

In diesem Sinn hat der Mensch zwar (noch) nicht das Weltall, aber das heimische Sonnensystem erforscht bzw. erobert und besiedelt. Zu diesem Zeitpunkt wurden Forschung und Fortschritt militärisch definiert. Das entsprach der Realität eines Kalten Krieges mit der Sowjetunion und China, der in Korea just „heiß“ geworden war, als Autor Wright sein Garn spann. Der „Planetenbund“ wirkt nicht grundlos wie eine Mischung aus US-Air-Force und -Navy. In den epochentypischen Raketenraumschiffen, die außen gewaltige Schwanzflossen trugen und innen einem U-Boot glichen, durchstreift eine „Weltpolizei“ das Sonnensystem, jagt Piraten und übernimmt Forschungsflüge, denn am angepeilten Ziel könnte nicht Wissen warten, sondern ein heimtückischer Feind lauern.

Die Figuren sind betont flach gezeichnet. Sie stellen Projektionsflächen bzw. Vorbilder dar, an denen sich die jugendlichen Leser im Guten wie im Bösen orientieren sollten. Aus heutiger Sicht fällt es schwer zu glauben, dass es einst Leser gab, die sich das Ergebnis - plumpe Indoktrination - gefallen ließen. Man sollte entsprechende Kritik in der Rückschau nicht übertreiben: Einerseits war hier der Wunsch der Vater des Gedankens, und andererseits erkannte auch die zeitgenössische Jugend, wenn und wie man sie manipulieren wollte.

Feuertaufe mit Spaß-Effekt

Natürlich wussten jene, die gern eine Jugend aus Bob-Griffith-Klonen herangezüchtet hätten - für den weiblichen Nachwuchs gab es eigene, die Kapitel „Küche“ und „Kinder“ hervorhebende ‚Schulungs-Literatur‘ -, dass sie den Zeigefinger nicht gar zu hoch heben durften. Um die bittere Pille zu versüßen, wurden die Hab-Acht-Lektionen in ein spannendes Geschehen eingebettet. Die gewünschte Schlussfolgerung lautete: Wer fleißig lernt und spurt, wird mit Abenteuern belohnt! (Dass die Realität in Korea oder später in Vietnam deutlich anders aussah, steht auf einem anderen Blatt ...)

Dem Ungeist des ‚freien‘ Denkens verschafft Simons Phelps warnend Gestalt: Die „Weltraum-Akademie“, in der sich die jugendliche Elite des „Planetenbundes“ schleifen lässt, musste er wegen „Disziplinproblemen“ verlassen; was ihm genau vorgeworfen wurde, bleibt ungenannt, es gibt nur unheilvolle Andeutungen. Um Öl ins Feuer zu gießen, wird Simon zum Sohn eines verschlagenen Konzernherrn, der mit Geld regelt, was sich ein echter Mann mit Köpfchen und Schweiß in Teamarbeit ehrlich erarbeitet.

Folgerichtig ist Simon Phelps der Schwachpunkt unter den drei „Jungens“ - so die zeittypische deutsche Übersetzung für noch nicht mündige Jugendliche - und muss mehrfach für Fehlentscheidungen mit dramatischen Folgen herhalten. (Dass Juan, der Dritte im Bunde, im Hintergrund bleibt, ist mit einem finalen Knalleffekt zu begründen, den freilich jeder nicht gar zu trantütige Leser schon früh erkennt.) Erwartungsgemäß hat er auf der letzten Seite seine Lektion gelernt, schert ins Bürstenhaarschnitt-Geschwader des Flotten-Nachwuchses ein und lässt sich nicht mehr vom Vater protegieren.

Das All als Abenteuerspielplatz

An dieser Stelle könnte man ausgiebig über die Penetranz sinnieren, mit der ein lesendes Publikum malträtiert wurde. Doch „Der rätselhafte Planet X“ bietet vor allem in den ersten beiden Dritteln eine Lektüre, die durch unwiderstehliche Nostalgie geadelt wird. Autor Wright - hinter diesem Pseudonym steckt übrigens der SF-Profi Lester del Rey (1915-1993) - legte den Zukunftsvisionen seiner Zeit keinerlei Zügel an. „Die Wissenschaft“ dient dabei dem Spektakel als Feigenblatt. Dem Roman geht zwar ein Vorwort voraus, in dem knapp und kundig die zeitgenössischen Spekulationen über die Existenz eines zehnten Planeten zusammengefasst werden. (Niemand konnte damals ahnen, dass man stattdessen Planet Nr. 9 - Pluto - 2006 zum „Kleinplaneten“ ‚degradieren‘ würde.) Dann geht es los - in einem Höllentempo, das bis ins Finale nicht nachlässt.

Dabei ist diese Zukunft ausschließlich analog. ‚Geflogen‘ werden die Raumschiffe auf Sicht, die eingebaute Hightech erreicht höchstens Abakus-Niveau, und wenn sich die mit ihren Stationen förmlich verwachsenen, immer wachsamen Weltraum-Skipper doch einmal in ihre Kabinen zurückziehen, schnitzen sie dort Holzfigürchen oder spielen Mundharmonika, so wie man sich schon unter den Decks historischer Segelschiffe die Freizeit vertrieben hat.

Wenn die Handlung den „Planet X“ alias „Thule“ erreicht, flacht die Spannungskurve ab. Naive Jugendliche mit den Herzen auf dem rechten Fleck wollen verhindern, was die ‚Erwachsenen‘ heraufbeschwören. Was in der Realität erst recht scheitern würde, weil die „Jungens“ bohnenstrohdumme Anti-Weltuntergangsstrategen sind, geht hier natürlich gut aus, obwohl Wright die Auflösung quasi aus dem Hut zieht; offenbar war die mit dem Verlag vereinbarte (und honorierte) Seitenzahl erreicht, und diese Erkenntnis wog beim Verfasser doch schwerer als jedes pädagogische Sendungsbewusstsein …

Fazit:

Holzhammer-Pädagogik mischt sich aufdringlich in eine abenteuerlich-rasante Trivial-Handlung, die viele Jahrzehnte später vor allem durch ihre nostalgiegetränkten „Past-Future“-Elemente fesselt. Als Beispiel für gar nicht ‚harmlose‘ = ideologiefreie Populärkultur ist dieser Roman ein interessanter Zeitzeuge.

Der rätselhafte Planet X

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