King of Scars - Thron aus Gold und Asche

Erschienen: August 2019

Couch-Wertung:

80°
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Andrea Betschart
Es ist (fast) alles Gold, was glänzt

Buch-Rezension von Andrea Betschart Okt 2019

Der Name Leigh Bardugo ist mir durchaus ein Begriff. Hingegen waren Ausdrücke wie Grishaverse, Kräftemehrer oder Juda Parem absolutes Neuland für mich. Mit dem 1. Band ihrer neuen Duologie "Thron aus Gold und Asche" konnte ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Endlich ein Buch von Frau Bardugo lesen und zugleich die Wissenslücken betreffend Grisha-Universum schliessen.

Ein Problem kommt selten allein

Nikolai Lantsov. Zar. Charmant, intelligent, attraktiv, jung... So schön sich diese Auflistung auch liest, sie lösen die vielen Probleme nicht, mit denen sich der junge Herrscher konfrontiert sieht. Der Bürgerkrieg ist zwar seit rund drei Jahren vorbei und der Dunkle besiegt. Doch an Ravkas Grenzen gibt es Unruhen und Nikolai braucht dringend Verbündete, wenn er einen neuerlichen Krieg abwenden will. Auch Nachts findet der Zar keine Ruhe. Ein Dämon hat sich seiner bemächtigt und will die vollständige Kontrolle über Nikolai. Ein Kampf, den er unbedingt gewinnen muss, den das Monster giert nach Blut und Zerstörung.

Zum Glück gibt es Zoya Nazyalensky, Kommandeurin, mächtige Grisha und engste Vertraute des Zaren. Auch wenn die junge Frau mit ihren eigenen Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen hat, hilft sie, wo sie nur kann. Und Hilfe tut wahrlich Not. Neben dem Ungeheuer, das den Zaren Nacht für Nacht in ein unberechenbares Monster verwandelt, gilt es noch, eine passende Braut für Nikolai zu finden. Zusätzlich gibt es mehrere Personen, welche den Thron von Ravka für sich beanspruchen und den Zaren als Bastard bezeichnen. Ach ja, als Krönung kursieren Gerüchte, dass sich religiöse Anhängerschaften gebildet haben, welche für die Rückkehr des Dunklen beten. Also genau für denjenigen, welcher Zoya alles genommen hat, was ihr je etwas bedeutete.

Anderer Schauplatz, andere Schwierigkeiten

Nicht nur in Ravka gilt es allerlei Hindernisse zu überwinden. In Fjerda, einem Land nördlich von Ravka, ist Nina Zanik auf Mission. Ihr Auftrag lautet, so viele Grisha wie möglich aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen. Doch es läuft längst nicht alles wie geplant. Nina und ihre Freunde finden sich nach einer missglückten Rettung in einem Kloster ein, wo sie einem ungeheuerlichen Skandal auf die Schliche kommt. Nina wäre nicht Nina, würde sie dieses Wissen einfach so auf sich beruhen lassen. Obwohl sie anderweitige Befehle hat, ist sie wild entschlossen, dieses düstere Geheimnis auffliegen zu lassen, koste es, was es wolle...

Knisternder Lesefluss mit gelegentlichen Störungen

Die Geschichte wird fast ausschliesslich aus der Sicht von Nikolai, Zoya und Nina erzählt. Verlaufen die Handlungsstränge des Zaren und der Heerführerin Nazyalensky gemeinsam, ist der von Nina Zanik isoliert. Nikolai und Zoya befinden sich in Ravka, Nina erledigt eine Mission in Fjerda. Nicht nur die räumliche Trennung streut Sand ins Getriebe des Leseflusses, Nina vermag mich auch als Charakter nicht ganz zu überzeugen. Sie wirkt unnahbar und denkt oft nur an ihre eigenen Interessen. Zudem dauert es, bis ihre Geschichte Fahrt aufnimmt. All dies führt dazu, dass ihre Passagen für mich nicht zu den Stärken von "King of Scars" zählen.

Die Geschehnisse rund um Nikolai und Zoya dafür umso mehr. Zwar bestimmen oft Politik, Krieg und strategische Vorgehensweisen ihren Tagesablauf. Leigh Bardugo gelingt es aber spielend, bei diesen ernsten Themen immer wieder witzige und bissige Dialoge einzubauen. Dem sarkastischen und neckisch-fiesen Geplänkel zwischen dem Zaren und Zoya folgt man nur zu gerne. Man weiss nie genau, wieviel Ernsthaftigkeit hinter dem Gesagten steckt und wann sich die knisternde Spannung zwischen den beiden in einem grossen Knall entlädt.

Fazit:

Leigh Bardugo hat mich gepackt. Auch wenn es hier und da noch Verbesserungspotenzial gibt, überzeugt King of Scars. Mit Nikolai und Zoya erhält der Leser zwei interessante und intelligente Figuren, die ihre Dialoge mit Galgenhumor und Wortwitz bestreiten. Die zwei Handlungsstränge der Geschichte dürften noch besser miteinander verbunden werden. Dank dem gesteigerten Tempo gegen Schluss kann man dies jedoch verzeihen. Bardugo schafft es ausserdem, neue Leser wie mich für ihr fantasievoll gestaltetes Grishaverse zu begeistern und "alten Hasen" neues Futter zu bieten. Dies alles in einem optisch äusserst ansprechenden Cover... einfach goldig!

Wem dass alles noch nicht reicht: Netflix ist aktuell dabei, den Stoff der Grishaverse-Trilogie als Serie aufzubereiten. Einen Starttermin gibt es noch nicht, dafür wurde bereits der Cast bekannt gegeben.

King of Scars - Thron aus Gold und Asche

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