Rule of Wolves - Thron aus Nacht und Silber

Erschienen: April 2021

Couch-Wertung:

88°
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Andrea Betschart
Tolle Fortsetzung und glänzender Abschluss in einem!

Buch-Rezension von Andrea Betschart Sep 2021

Vor knapp zwei Jahren erschien mit "King of Scars - Thron aus Gold und Asche" die neuste Reihe von Leigh Bardugo. Mittlerweile liegt die Fortsetzung vor (die gleichzeitig auch der Abschluss ist), und ihre "Legenden der Grisha"-Trilogie hat den Sprung zur Netflix-Serie gemeistert. Auch ich bin nicht ganz untätig geblieben. War ich bei der Lektüre von "King of Scars" noch ein Greenhorn, bewege ich mich heute sicher im "Grishaverse", und kann mühelos den Unterschied von Ätheralki und Materialki erklären.

Konflikte im Innen und Aussen

Als Zar hat man es nicht leicht: Schwierige Verhandlungen auf politischem Parkett, ein drohender Bürgerkrieg und Zweifel an seiner Legitimität sind nur einige der Herkules-Aufgaben, die Nikolai Lantsov zu lösen hat. Und zwar schnell! Denn seine Feinde vermehren sich so rasant, wie seine Anhänger schwinden. Ein Krieg scheint unausweichlich.

Zoya Nazyalensky, engste Vertraute des Zaren, versucht Nikolai nach Kräften zu unterstützen. Doch auch sie kann keine Bündnispartner aus dem Ärmel schütteln. Nicht zu vergessen die Kämpfe, die Zoya in ihrem Inneren führt. Die mächtige Stürmerin spürt, dass sie tief in sich eine Kraftquelle besitzt, die alles verändern könnte... Nur weiss sie nicht, ob sie den Mut hat, sich dieser zu bedienen.

In Fjerda brodelt es ebenfalls und die Kriegsvorbereitung sind in vollem Gange. Mittendrin befindet sich Nina Zenik, welche von Nikolai als Spionin entsandt wurde. Sie gelangt an höchst brisante Informationen, welche Ravka von unschätzbarem Nutzen sein könnten. Als sich Nina aber unverhofft die Chance bietet, ihre persönliche Vendetta zu vollenden, muss sie sich entscheiden: Ravka oder Rache.

Spannung, Sarkasmus und Super-Nina

Wie schon beim Vorgänger bekommen wir die Geschichte hauptsächlich aus der Perspektive von Nikolai, Zoya und Nina erzählt. Mit der Soldatin Mayu Kir-Kaat und einer Figur, die "Der Mönch" genannt wird, bietet uns Bardugo noch zwei neue Erzählstimmen an.

Am meisten überrascht haben mich bei der Lektüre aber nicht die frischen Sichtweisen, sondern die Passagen mit Nina Zenik. Was war das Spannung pur! Habe ich bei Band 1 noch rumgemäkelt, dass ihr Charakter mich nicht so überzeugt, war ich nun völlig begeistert von der Spionin in den Diensten Ravkas! Wie sie sich inkognito am Hof der Königsfamilie von Fjerda einschleust, gemeinsam mit ihren Todfeinden Tisch und Bett teilt und jede Sekunde damit rechnen muss, dass ihre Tarnung auffliegt, das ist ganz grosses Kino! Ein Wunder, dass ich noch Fingernägel habe...

Nikolai und Zoya punkten ebenfalls. Trotz aller Gefahren und Bedrohungen, behalten sie ihren spöttischen Umgangston bei. Vor allem Nikolai hat mich mit seinen sarkastischen Aussagen oft zum Schmunzeln gebracht. Bardugo hat mit ihm einen Charakter geschaffen, der sein Charisma über die Seiten hinaus versprüht und trotz allem Witz auch mal ernste Töne anschlagen kann.

Von Zoya lernen wir ebenfalls eine neue Seite kennen. Die stets starke und unverwüstliche Befehlshaberin der zweiten Armee zeigt plötzlich Gefühle und Unsicherheiten. Dies steht ihr ausgesprochen gut und macht sie in meinen Augen viel sympathischer und nahbarer.

Stimmiges Ganzes mit packender Sprache

Die Sprache ist so packend, dass man selbst die ganzen politischen Verhandlungen und Gespräche gut übersteht. Da relativ viel diskutiert, debattiert und taktiert wird, zeigt sich hier Bardugos Talent, auch eher träge Themen spannend zu präsentieren. Um bei der Sprache zu bleiben: Die finale Schlacht kommt so bildgewaltig und fesselnd daher, dass man während der Lektüre kaum nachkommt mit blättern, weil man so sehr mit Daumen drücken beschäftigt ist. Am liebsten hätte ich mich selbst in den Kampf gestürzt!

Es wird aber nicht nur auf Action und Schlachtgetöse gesetzt. Im Vergleich zu Band 1 gibt es vermehrt leise Töne, wodurch mehr Platz für die Gefühle und emotionale Entwicklung der einzelnen Figuren entsteht. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es die Charaktere noch interessanter macht.

Gekonnt werden auch die einzelnen Handlungsstränge zu einem stimmigen Gesamtbild vereint. Die Figuren und ihre Geschichten verbinden sich zum Schluss wunderbar und lassen zudem hoffen, dass Frau Bardugo noch nicht alle Pfeile aus ihrem Köcher verschossen hat.

Fazit:

"Rule of Wolves" ist eine mehr als gelungene Fortsetzung! Bardugo hält die Spannung während des gesamten Buches hoch, und setzt mit der fulminanten Schlacht am Ende sogar noch eins drauf! Intrigen, plötzliche Wendungen, Wiedersehen mit alten Bekannten, scharfzüngige Dialoge zwischen gekonnt gezeichneten Figuren - auf all das und noch viel mehr darf man sich als Leser freuen! Ein würdiger Abschluss für eine tolle Fantasy-Reihe! Und vielleicht der Startschuss für eine neue?

Rule of Wolves - Thron aus Nacht und Silber

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