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Michael Drewniok
Zweiter Biss in den Apfel der Erkenntnis

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2019

Auf der Erde gibt es keine Nationen mehr; man konnte sich auf eine gemeinsame Regierung einigen. Forschung und Technik haben den sogar überlichtschnellen Raumflug ermöglicht. Längst siedeln Menschen auf fernen Planeten. Einer von ihnen ist Ceti II, genannt Eden. Elf Lichtjahre von der Erde entfernt, gilt er als Glücksfall der Kolonisation. Das Klima ist mild, die Böden sind fruchtbar, gefährliche Tiere oder Krankheiten gibt es nicht. Tatsächlich fühlen sich die Siedler unterfordert und würden am liebsten auf einen ‚raueren‘ Planeten umziehen, was ihnen die Erdregierung jedoch nicht gestattet.

Als der Kontakt abreißt, glaubt man auf der Erde deshalb an eine Meuterei der Siedler. Die „Denker“ lassen eine so simple Erklärung nicht gelten. Sie sind der Regierung nicht unterworfen, sondern stellen aufgrund ihrer Geisteskräfte eine Elitegruppe genialer Querdenker dar, die ihren Status der Erkenntnis verdanken, dass Politiker und Wissenschaftler allein keine Garanten für Frieden und Fortschritt sein können - eine Ansicht, die keineswegs alle Erdmenschen teilen, weil sie sich den „Denkern“ unterlegen fühlen und ihnen die Immunität neiden.

Vor allem Bezirksstaatsanwalt Gunderson will die „Denker“ unter seine Knute zwingen. Der Eden-Zwischenfall verschafft ihm eine Handhabe, denn die „Denker“ schicken keinen „Senior“, sondern nur den „Junior“ Calvin Gray ins All. Für ihn ist dies der erste Solo-Auftrag - und seine Bewährungsprobe als „Denker“. Gunderson lauert auf jeden Fehler, um ihn zu seinen Gunsten auszuschlachten.

Auf Edens Oberfläche sind keine Spuren der Kolonie mehr zu entdecken. Nur die Siedler sind noch da - nackt und geistig ‚gedimmt‘ leben sie wie Adam und Eva im Paradies. Kurz nach seiner Landung teilt Gray ihr Schicksal: Eine fremde Macht lässt Raumschiff, Werkzeuge und Kleidung verschwinden und verhindert die Landung weiterer Schiffe. Gray ist auf sich allein gestellt. Um zu begreifen, wer hinter diesen Ereignissen steckt, muss er irdische Denkschemata überwinden - ein Prozess, an dessen Endpunkt ein Bild des Universums steht, das sämtliche Gewissheiten auf den Kopf stellen wird …

Keine perfekte, sondern ein mögliche Zukunft

Mark Clifton (1906-1963) ist den heutigen Lesern von Science Fiction kein Begriff. Sein Leben war kurz, sein Werk blieb schmal, zumal er nur nebenberuflich schrieb. Die SF-Kritik hat ihn allerdings nicht vergessen: Clifton gehört zu den Autoren, die dem Genre Profil und Tiefe verliehen, indem sie sich vom Korsett der allzu typischen Konflikt-SF - Mensch gegen Mutanten oder Außerirdische - befreiten. Er war Psychologe, was seine wenigen Romane und Erzählungen vielleicht ein wenig zu deutlich prägte: Manchmal wirkt Clifton wie ein Dozent, der eine Vorlesung hält.

Dem stehen interessante, gut ausgeführte und funktionstüchtig miteinander verwobene Ideen entgegen. Obwohl vordergründig ein Rätsel im Weltall zu lösen ist, geht es Clifton eigentlich um die Frage, wie der Mensch Probleme angeht bzw. alternativ angehen könnte. Dass alte Denk- und Handlungsmuster nicht immer greifen, war ihm aus dem beruflichen Alltag bekannt. „Der Berg aus Quarz“ ist ein Planspiel, das er in die Zukunft projizierte.

Die ‚Weltregierung‘ als Überwinder national(istisch)en Eigennutzes war schon 1960 - in diesem Jahr erschien das hier vorgestellte Buch unter dem (übrigens deutlich weniger suggestiven = die Pointe nicht vorwegnehmenden) Titel „Eight Keys to Eden“ - ein Topos der Science Fiction. Der Verfasser war da skeptisch; er ging davon aus, dass der Mensch zukünftig Mensch bleiben, d. h. sicher nicht als Kollektiv an einem Strang ziehen würde. Leider überspitzt Clifton dies in der Figur des politisierenden Staatsanwalts Gunderson, der zur Karikatur gerinnt.

Wunschtraum für Nerds, Albtraum für ‚Realisten‘

Als Gegner muss Clifton diesen eher behaupten. Zumindest heute kann Gunderson keine Furcht mehr einflößen. Zwar sind seine Methoden - Unterstellungen, Propaganda, Fälschung und Lüge - in der Trump-Ära so aktuell wie nie, doch es klingt dennoch lächerlich, wenn Gunderson darauf setzt, die „Denker“ mit Nacktbildern vom Planeten Eden in Verruf zu bringen. Weil Gunderson ein Zerrbild ist, taugt er jedenfalls nicht als Repräsentant jener Gruppen, die sich gegen die „Denker“ in Stellung bringen.

Diese nehmen eine Stellung ein, die jeden Nerd ins Schwärmen bringt. Abgekoppelt vom Zwang, wirtschaftlich profitables Wissen zu ‚produzieren‘, können und sollen sie ihre Tage damit verbringen, über Probleme nachzudenken. Man kann den „D“ nicht vorschreiben, wie und wann sie zu denken haben; sie sind befugt, sich überall einzuschalten, und sie stellen die letzte Instanz dar, wenn elementare Entscheidungen zu treffen sind - kein Wunder, dass die alten ‚Eliten‘ sie unbedingt ausschalten oder wenigstens an die Kandare legen wollen!

Clifton beschreibt das D-Prinzip ausführlich bzw. lässt es in die Handlung einfließen. Einmal listet er die „sieben Schlüsselsätze der D-Wissenschaft“ zusammen und betont ausdrücklich das Primat der Wissenschaft sowie die Pflicht, selbst bzw. gerade grundsätzliche ‚Tatsachen‘ in Frage zu stellen oder besser: zu hinterfragen, um ihnen womöglich neue Aspekte abzugewinnen. Schon dies muss die Kritik derer erregen, die sich ausgeschlossen fühlen und auf konservative Methoden setzen, aber Clifton provoziert zusätzlich, indem er die „Denker“ nicht als freundlich-überlegende Übermenschen beschreibt, sondern sie durchaus boshaft gegen die Gundersons ihrer Welt sticheln lässt.

Paradies 2.0 - dieses Mal ohne Schlange

Das Konzept des freien Denkens wird für das Geschehen verantwortlich, sobald Gray auf Eden gestrandet ist. Er ist auf sein Hirn angewiesen, weil buchstäblich nackt und außerstande, dies durch Kopf- und Handarbeit auszugleichen: Die unsichtbare Macht von Eden erstickt entsprechende Versuche im Keim. Ihre ‚Gäste‘ SOLLEN denken, denn nur auf diese Weise lässt sich ein Kontakt herstellen, der beiden Seiten dienlich ist.

Clifton beschreibt den langen, mühsamen Weg zur Erkenntnis. Er ergänzt dies durch Rückblenden in die Vergangenheit, denn es gab schon einmal einen ‚klassischen‘, aber gescheiterten Versuch der Kontaktaufnahme. Clifton entwirft überzeugend eine intelligente Lebensform, die aufgrund ihrer absolut ‚außerirdischen‘ Biologie schwer als solche zu erkennen ist. Der Autor arbeitet die daraus resultierenden Verständnisschwierigkeiten spannend heraus, ohne dafür auf Kampfgetümmel oder ähnliche ‚Action‘ zurückgreifen zu müssen.

Am Ende steht kein ‚Sieg‘, sondern eine Erkenntnis, was dem Verfasser viel wichtiger ist. Er vergisst darüber keineswegs, dass die Gundersons dieser Welt sich nicht in heiße Luft auflösen werden, sondern spekuliert nüchtern über die Frage, wie viele Menschen sich überhaupt die Mühe machen werden, den anstrengenden Weg auf eine neue Daseinsebene anzutreten = die sieben Schlüsselsätze der D-Wissenschaft um jenen achten zu ergänzen, der die Ereignisse auf Eden kommentiert; damit wäre auch der Originaltitel erklärt.

Fazit:

Der Erstkontakt mit einer außerirdischen Intelligenz ist schwierig, verläuft aber friedlich; spannend wird es durch grundlegende Verständnisschwierigkeiten. Parallel dazu läuft eine Handlung ab, mit der Autor Clifton die Notwendigkeit einer geistigen Evolution begründet. Sein Roman kann nicht in allen Aspekten überzeugen, ist aber interessant als frühes Beispiel einer ‚psychologisch‘ unterfütterten SF.

Der Berg aus Quarz

Der Berg aus Quarz

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