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Michael Drewniok
Hunger nach Wissen, Macht - und Menschenfleisch

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

Vor zehn Jahren mutierte der bis dato harmlose Sporenpilz Cordyceps. Er nistet sich seither in Menschenhirnen ein, die daraufhin ihren Verstand einbüßen. Übrig bleiben die „Hungrigen“, die wie Zombies kaum umzubringen sind, sich von Frischfleisch ernähren und mit jedem Biss die Infektion weiterverbreiten. Da die „Hungrigen“ ihre Mitmenschen als Hauptnahrungsquelle betrachten, hat Cordyceps die Erdbevölkerung weitgehend ausgelöscht; nur regional halten sich Widerstandsnester.

In England haben sich Überlebende im Militärstützpunkt Beacon verbarrikadiert. Während man von Hunger, Krankheiten und den „Hungrigen“ geplagt wird, tobt ein Machtkampf zwischen zivilen und militärischen Kräften, den Brigadier Geraldine Fry unbedingt für sich entscheiden will. Ungeachtet dessen begibt sich die „Rosalind Franklin“, eine Kombination aus Panzer und fahrbarem Labor, auf eine mehrmonatige Forschungsexpedition. Unter dem Kommando von Dr. Alan Fournier und Colonel Isaac Carlisle suchen fünf Wissenschaftler nach Möglichkeiten, dem Pilz Einhalt zu gebieten. Fünf Soldaten sorgen für ihre Sicherheit, denn die Forscher benötigen möglichst ‚frische‘ Proben, weshalb sie sich immer wieder unter die „Hungrigen“ wagen müssen.

Der innere Zusammenhalt lässt zu wünschen übrig. Dr. Fournier ist ängstlich und führungsschwach, Colonel Carlisle traumatisiert durch Gräueltaten, die er beging, obwohl er sie in Frage stellte. Stellvertreter Lieutenant McQueen zweifelt an seinem Befehlshaber und neigt zu riskanten Einzelaktionen. Dr. Khan hat ihre Schwangerschaft verschwiegen. Der erst 15-jährige Stephen Greaves ist ein (traumatisiertes) Genie (oder ein Autist?); zwar geistreich, aber stark kontakteingeschränkt, weshalb ihn die Soldaten als Risiko betrachten.

Ohnehin kommt es immer wieder zu Fehlentscheidungen und Streitigkeiten, während „Rosie“ durch das verheerte Land rollt. Die Suche nach einem Mittel gegen Cordyceps bleibt erfolglos. In Beacon bricht der Machtkampf offen aus und der Kontakt zu „Rosie“ ab. Die Lage spitzt sich zu, als man auf ‚wilde‘ Kinder stößt, die sich nicht grundlos gegen die „Hungrigen“ behaupten. Aus Forschung wird Flucht, nachdem der Erstkontakt gründlich scheitert. Die Expedition schlägt sich gen Beacon durch, doch dort freut man sich keineswegs über die Rückkehr …

Die Erkenntnis des definitiven Scheiterns

2014 schrieb Autor M. R. Carey - hinter dem Pseudonym steckt der britische Autor Mike Carey - erstmals über eine Welt, die nicht von klassischen Zombies, sondern von pilzfremdgesteuerten „Hungrigen“ verheert wurde. Das Ergebnis war freilich deckungsgleich: Die menschliche Zivilisation brach unter der Übermacht der allgegenwärtigen „Hungrigen“ zusammen bzw. schrumpfte auf kleine Reservate zusammen, in denen sich wenige Überlebende halten konnten.

Nicht die daraus resultierende Horror-Kulisse sorgte für den Erfolg dieses Buches, das den Titel „The Girl with All the Gifts“ (dt. „Die Berufene“) trug. Obwohl Carey den einschlägigen Apokalypse-Klischees weder entkam noch entkommen wollte, schilderte er sehr eindringlich ein Land zwanzig Jahre nach dem (scheinbaren) Ende der Menschheit. Die eigentliche Kraft lag in einer interessanten sowie überzeugend umgesetzten Idee, die dem Stoff neues Leben einhauchte, obwohl es um wandelnde Untote ging: Im Mittelpunkt der Ereignisse stand Melanie, ein etwa zehnjähriges Mädchen, das sich nach und nach als „Hungrige“ entpuppt, die ihren Verstand behalten und mit dem Cordyceps-Pilz eine Symbiose eingegangen ist, ohne dabei ihre Gefährlichkeit zu verlieren: Auch Melanie attackiert Menschen, wenn sie die Selbstkontrolle verliert. Das konsequente Finale zeigte Melanie und ihre jugendlichen Gefährt/inn/en als Erben der Menschheit.

„Die Hungrigen“ spielt zehn Jahre früher. Der ‚alte‘ Mensch kämpft gegen seine unerbittlichen Gegner. Die Entdeckung der „wilden Kinder“ à la Melanie steht noch bevor: Autor Carey beschreibt, wie es dazu kam. Damit wird dieser Roman zum ‚Prequel“, dem allerdings als Epilog eine Fortsetzung folgt.

Müssen wir das wissen?

Prequels sind riskant. Sie erzählen Vorgeschichten, während in der Regel eher die Fortsetzungen interessieren. Eigentlich sprechen die ‚Fakten‘ für sich. In „Die Berufene“ begannen ‚alte‘ Menschen und intelligente „Hungrige“ notgedrungen miteinander zu kooperieren. Die daraus resultierenden Folgen sorgten für spannende Unterhaltung, was hervorragende Figurenzeichnungen unterstützten. Nicht grundlos wurde „The Girl with All the Gifts“ bereits 2016 verfilmt (Regie: Colm McCarthy), wobei Carey selbst das Drehbuch verfasste. Es entstand ein eindringlicher Film, der durch die schauspielerische Leistung der jungen Darstellerin Sennia Nanua zusätzlich im Gedächtnis blieb. (Nichtsdestotrotz reagierten die Kritiker deutlich begeisterter als das zahlende Publikum.)

Mit dem Pfund des literarischen und filmischen Doppel-Erfolgs kann - und muss - Carey wuchern, wenn er nun „Die Hungrigen“ einem ungemein erwartungsvollen Publikum vorstellt. Diese Mission ist nur teilweise gelungen. Zu intensiv sind die Parallelen zur Vorgeschichte. Carey ist zwar bemüht, erzählerisch neue Wege einzuschlagen, gerät dabei aber auf jene allzu ausgetretenen Pfade, die er zuvor so erfolgreich umgangen bzw. variiert hatte. „Die Hungrigen“ ist über weite Strecken ein gut geschriebenes, dabei wenig innovatives Horrorgarn, das auch ins „Walking-Dead“-Mikroversum passen würde - das - wie wir wissen - an Attraktion stark verloren hat.

Die „wilden Kinder“ stehen nur bedingt im Zentrum der Ereignisse. Was wir über sie erfahren, kann keine Begeisterung wecken. Carey scheint mehr daran interessiert zu sein, „Rosie“ in einen Kessel zu verwandeln, in dessen gepanzertem Inneren die Emotionen hochkochen, bis sie die Wände zum Bersten bringen.

Das traurige Dutzend

Das Fernsehen brachte es an den Tag: Geht eine Zombie-Mär in Serie, verschwinden die Untoten nach und nach aus der Handlung. Ihr Verhaltensspektrum ist begrenzt, weshalb sich das Drehbuch auf die Lebenden konzentriert (die zudem kostengünstiger zu kostümieren und schminken sind). Statt sich auf die Krise zu konzentrieren, wird nach Herzenslust intrigiert, gestritten, geliebt und gelitten: Streicht man Zombies, „Hungrige“ oder andere übernatürliche Unholde, geht es zu wie in einer Soap Opera.

Auch „Rosie“ ist primär ein emotionales Pulverfass. Carey gibt sich viel Mühe, die Insassen mit möglichst komplizierten Vorgeschichten auszustatten. Zu den ungelösten Konflikten kommen neue Streitigkeiten, und in der Addition wird daraus die eigentliche Quelle ständiger Lebensgefahr. Das muss auch so sein, denn sonst müssten sich unsere Reisenden nur vertragen, planvoll agieren und „Rosie“ als Deckung nutzen: Weder „Hungrige“ noch „wilde Kinder“ (oder „Schrottwühler“) könnten ihnen dann ans Leder.

Glücklicherweise verwechselt Carey Emotionalität nicht mit Gefühlsduselei. Die Konflikte wirken plausibel, oft werden sie zu Auslösern katastrophaler Kettenreaktionen. Dies lenkt von der Tatsache ab, dass Carey viele Profile dem Erstlingsroman entnimmt. So findet die buchstäblich über Leichen gehende Dr. Caldwell ihr Gegenstück in der ähnlich rücksichtslosen Brigadier Fry. Wieder steht ein/e Jugendliche/r mit emotionaler Einschränkung im Mittelpunkt (Melanie - Stephen), erneut wird sie/er durch eine Mentorin (Helen Justineau - Samrina Khan) ‚betreut‘; die Ähnlichkeiten sind damit keineswegs erschöpft. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir anderes als im Vorgängerroman wissen, wie diese Geschichte ausgehen wird. Zwar hängt Carey einen Epilog an, in dem wir u. a. Melanie wiedertreffen, doch dieser wirkt wie ein Haken, mit dem uns der Autor zu einer ‚echten‘ Fortsetzung ziehen will, die er womöglich noch schreiben wird.

Fazit:

Die Vorgeschichte einer (auch erfolgreich verfilmten) „Near-Future“-Apokalypse leidet darunter, dass sich Entscheidendes nicht ereignen kann, da wir die Fortsetzung kennen. Als geradliniges, mit gut gezeichneten Figuren besetztes Abenteuergarn, in dem der Autor durch sein (in die Übersetzung gewahrtes) Ausdruckstalent Akzente setzen kann, ist „Die Hungrigen“ trotzdem eine überdurchschnittliche Mischung aus Science Fiction und Horror.

Die Hungrigen

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