Die schwarze Schar (Könige der Finsternis 2)

Erschienen: April 2020

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Andrea Betschart
Wie der Vater, so (nicht ganz) die Tochter

Buch-Rezension von Andrea Betschart Feb 2021

Rund ein Jahr hat es gedauert, bis man sich mit Nicholas Eames erneut in die harsche Welt der kampfeslustigen Söldnertruppen stürzen konnte. Während in seinem Debut-Roman "Könige der Finsternis" die Söldner rund um "Die Saga" im Zentrum standen, begleiteten wir im neuen Abenteuer die Truppe "Die Fabel". Deren Anführerin ist niemand geringeres als die "blutige Rose", Tochter des legendären "Goldenen Gabe". Da ich von der Vorgängergeschichte total begeistert war hoffe ich sehr, dass Rose ganz nach ihrem Vater kommt...

"Fabelhafte" Aussichten

Tam Hashford verbringt ihre Tage damit, in der Dorfkneipe Bier zu servieren und den Geschichten angetrunkener Gäste zu lauschen. Das ist nicht gerade aufregend und so verwundert es nicht, dass sich das junge Mädchen nach Abenteuern und der grossen weiten Welt sehnt. Auch wenn Tam nicht wirklich daran glaubt, der dörflichen Einöde und ihrem überfürsorglichen Vater zu entrinnen, träumen wird ja wohl noch erlaubt sein... Als eines schönen Tages die legendäre "blutige Rose" und ihre Söldnertruppe "Die Fabel" bei Tam einkehren, scheinen ihre Gebete jedoch erhört worden zu sein.

Wie es der Zufall will, ist in den Reihen von Rose eine Stelle frei, und zwar diejenige der Bardin. Tam zögert nicht lange und packt die Gelegenheit beim Schopf. Nach viel Geschrei und zerbrochenem Mobiliar willigt auch ihr Vater ein, und lässt sie schweren Herzens ziehen. Seine Tochter wählt als Bardin ja nur die Position in Söldnertruppen, welche meistens als erste ins Gras beisst und darum eine hohe Fluktuationsrate aufweist. In Söldnerjargon übersetzt: Fabelhafte Aussichten!

Wenn Theorie und Praxis nicht dasselbe sind

Auf dem Weg zu ihrer Mission legt "Die Fabel" mehrere Zwischenstopps ein, um in Arenen gegen Monster und Bestien zu kämpfen. Die errungenen Siege bringen nicht nur Ruhm und Ansehen, sondern auch das nötige Kleingeld. Doch so heroisch, wie sich Tam die Kämpfe gegen die Ungeheuer vorgestellt hat, sind sie in Wahrheit nicht. Vielmehr handelt es sich um gequälte und misshandelte Kreaturen, welche unter Drogen gesetzt werden, damit beim Abschlachten durch die Söldner der Unterhaltungswert für das Publikum möglichst hoch ist.

Die geschundenen Ungeheuer rotten sich jedoch zusammen, um in einer epischen Schlacht die Menschen zu besiegen und ihre Freiheit zurück zu erlangen. Zu Tams Verwunderung denkt ihre Anführerin aber nicht im Geringsten daran, die Menschen in diesem Kampf zu unterstützen. "Bloody Rose" verfolgt andere Pläne... So erhält Tams Bewunderung für Rose erste Riss und sie muss ernüchtert feststellen, dass bei den Erzählungen über die Heldentaten der Söldnertruppen oft viel dichterische Freiheit mitschwingt.

Vielfältige Charaktere, denen "das gewisse Etwas" fehlt

Eames stellt auch in diesem Roman eine bunt zusammengewürfelte Söldnertruppe auf die Beine. Waren es im Vorgänger ausschliesslich Männer, sind in der "Fabel" auch Frauen, Gestaltwandler und Satyre anzutreffen. Trotz der grösseren Vielfalt haben mich die Figuren nicht so gepackt. Zu oft wurden Probleme und Beziehungen der Charaktere nur oberflächlich angegangen und nicht weiter vertieft. Dies erschwerte es mir enorm, eine wirkliche Beziehung aufzubauen. Auch der wiederkehrende "Vaterkomplex", der gefühlt jedes Mitglied der Truppe hat, wird bis auf eine Ausnahme nie wirklich zufriedenstellend weiterverfolgt.

Die Sprache des Autors ist gewohnt locker und leicht, derbe Sprüche und Sarkasmus miteingeschlossen. Dennoch haben mich die Dialoge nicht so zum Lachen gebracht, wie das bei "Könige der Finsternis" noch der Fall war. Die alternden Herren hatten so einen herrlich bissigen Ton untereinander, welcher mir bei "der Fabel" gefehlt hat. Selbstverständlich wird auch bei Rose & Co. mit schwarzem Humor und Selbstironie ausgeteilt, doch die Natürlichkeit, mit der Eames das bei "der Saga" noch zu Papier brachte, ist hier nicht gegeben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte erst ab der Hälfte langsam Fahrt aufnimmt. Bis dahin begleitet man Tam, Rose und den Rest der Truppe von einer Arena zur nächsten, ohne dass viel Nennenswertes passiert. Diese Längen sind dem Spannungsbogen nicht sehr förderlich. Zudem verzichtet der Autor auf den Herzwyld, die waldige Heimat unzähliger Monster, welche in Band 1 ein unglaublich toller Schauplatz war und beim Lesen und entdecken sehr viel Freude machte. Ein Wiedersehen mit dem Herzwyld, oder ein neu geschaffener Ort dieser Art hätte der Lektüre unglaublich gutgetan.

Fazit:

"Die schwarze Schar" ist eine solide Fortsetzung, kann mit ihrem Vorgänger "Könige der Finsternis" aber nicht mithalten. Obwohl es auch dieses Mal wieder um eine bunte Truppe und ihre selbstmörderische Mission geht, ist der Lesespass weniger ausgeprägt als beim Erstling von Eames. Es fehlt die Leichtigkeit, der Schalk und die Ironie im Zusammenspiel der einzelnen Figuren.

Ende 2021 soll mit "Outlaw Empire" der dritte Band der Reihe erscheinen, der 14 Jahre nach "Die schwarze Schar" spielt, und im Idealfall wieder so toll wird wie "Könige der Finsternis". Ich glaube daran, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...

Die schwarze Schar (Könige der Finsternis 2)

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