Cthulhus Ruf

Erschienen: Oktober 2020

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Marcel Scharrenbroich
Das Grauen nimmt Gestalt an…

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2020

Kosmisches Erwachen

Nach dem plötzlichen und trotz des hohen Alters mysteriösen Tod von George Gamell Angell, einem angesehenen Professor für semitische Sprachen, verwaltet dessen Großneffe Francis Wayland Thurston seinen Nachlass. Als einziger Verwandter untersucht er die Habseligkeiten seines Großonkels und stößt dabei auf ein seltsames Basrelief. Das tönerne Rechteck ist verziert mit Hieroglyphen, die scheinbar eine Schrift unbekannten Ursprungs darstellen. Darüber ist eine Figur zu erkennen. Abstoßend und bizarr. Einzuschätzen als Hybrid aus Drachen, Oktopus und dem, was entfernt an einen Menschen erinnert. Monströs und bedrohlich. Zusammen mit diesem Relief findet Thurston diverse Notizen und Manuskripte, verfasst in der Handschrift des Verstorbenen. Darin ist von einem „CTHULHU-KULT“ die Rede.

Im ersten Absatz des Manuskripts beschreibt Professor Angell, wie einst im Jahre 1925 ein junger Künstler namens Henry Anthony Wilcox um dessen Fachwissen bat. Wilcox suchte ihn auf, um ihm jenes Basrelief zu zeigen, welches Thurston eben noch angewidert und zugleich fasziniert in Händen hielt. Als Experte für alte Inschriften, der mit seinen fachkundigen Expertisen auch gerne mal Museen beriet, sollte Angell deuten, was dort zu sehen war. Wilcox konnte sich keinen Reim darauf machen, obwohl er es mit seinen eigenen Händen herstellte. Völlig apathisch nach einem lebhaften Albtraum. Dort sah er gigantische Monolithen, die vom Himmel stürzten, mit seltsamen Schriften bedeckte Wände… und hörte aus nicht definierbaren Richtungen ein Wirrwarr aus Buchstaben. Scheinbar wahllos aneinandergereiht. „Cthulhu fhtagn“

Das Interesse des Professors war geweckt und beinahe regelmäßig traf er sich mit Wilcox, um sich mit ihm über dessen Träume auszutauschen. Bis der junge Künstler nicht mehr kam. Wilcox wurde krank, bekam Fieber. Im Delirium schien er unbeschreibliches zu durchleiden…

Bei den Notizen seines Großonkels findet Francis Wayland Thurston noch zahlreiche Zeitungsartikel. Diese stammen aus jenem Zeitraum, in dem sich der arme Wilcox in seinen Fieberträumen quälte. Dort lässt sich entnehmen, dass der gepeinigte Künstler nicht der einzige war, der kurzzeitig vom Wahnsinn befallen schien. Schwarz auf weiß liegt es vor Thurston. Das, was sein Großonkel scheinbar voller Akribie zusammengetragen hatte und eine Verbindung zwischen diesen Vorkommnissen herstellte. Neugierig auf das, was der Professor so versessen verfolgte, liest er weiter…

Der nächste Absatz handelt von einem gewissen John Raymond Legrasse. Einem Polizeiinspektor. Ein Blick auf das dort erwähnte Datum verrät Thurston, dass sich die folgenden niedergeschriebenen Sätze 1908 ereigneten. Professor Angell gehörte zu einem Team von Experten, dem der Inspektor einen undefinierbaren Fund aus einer Razzia in New Orleans präsentierte. Es handelte sich um eine groteske Statue. Eine Art Götzenbild. Dargestellt war ein Ungeheuer, mit Klauen und monströsen Schwingen, das einen entstellten Menschen und einen Tintenfisch-ähnlichen Drachen zu vereinen schien. Nun dämmert Thurston, warum sein Großonkel so versessen auf die nächtlichen Ausführungen vom jungen Wilcox war, der den kosmischen Schrecken Nacht für Nacht lebhaft zu spüren bekam. Doch das Manuskript fördert noch viel Schrecklicheres zu Tage…

Später Ruhm

Die Welten von Howard Phillips Lovecraft sind so ziemlich viel, nur eines nicht: Geradlinig. Sie passen nicht in eine Schublade. Lassen sich nicht fest verorten oder chronologisch einreihen. Seine Erzählungen von den Großen Alten - kosmische Gottheiten, die seit Anbeginn der Zeit auf der Erde weilen und sich verschlingend erheben - setzten nicht nur Maßstäbe in der Schauerliteratur, sondern nahmen auch den Science-Fiction-Hype der 50er- und 60er-Jahre vorweg. Dafür brauchte Lovecraft aber keine fliegenden Untertassen oder Mars-Invasoren, die heroischen Erdlingen als fremde Feindbilder dienten, sondern ließ das eigentliche Grauen, die eigentliche Gefahr, im Dunkeln, was seine Geschichten noch ungreifbarer und bedrohlicher erscheinen ließ. Dabei ahnte H. P. Lovecraft zu Lebzeiten (1890 – 1937) nicht einmal im Ansatz, welche Ausmaße seine literarischen Schöpfungen einmal annehmen würden.

Wurde „Cthulhus Ruf“ (OT: „Call of Cthulhu“) 1928, und damit zwei Jahre nach der Entstehung der Geschichte, noch im damals populären amerikanischen Pulp-Magazin „Weird Tales“ veröffentlicht, wurde 1936 tatsächlich nur „Schatten über Innsmouth“ (OT: „The Shadow over Innsmouth“) als einziger Roman des Schriftstellers herausgebracht. Dieser reiht sich ebenfalls in den Cthulhu-Mythos ein, der von Lovecraft selbst allerdings nie so benannt wurde, sondern auf Weiterführungen anderer Autoren beruht, die sich seither in dessen ursprünglichen Gedankengängen und Welten-Ansätzen austoben. Beispielsweise seine Brieffreunde Robert Bloch, Robert E. Howard oder August William Derleth, der den Begriff Cthulhu-Mythos dann auch prägte und nach Lovecrafts Tod erweiterte. „Schatten über Innsmouth“ ist wohl auch das bekannteste Werk, das Lovecraft als Rassisten enttarnt, der auch in zahlreichen Essays und Briefwechseln offen seine Gesinnung zum Ausdruck brachte.

H. P. Lovecraft wurde als Schriftsteller nie reich. Seine letzten Jahre verbrachte er in Providence, Rhode Island, wo er mit seiner Tante lebte. Nicht ahnend, dass er mit seinem kosmischen Horror derart in die Popkultur eindringen würde, dass heute so ziemlich jeder schon einmal in Berührung mit den von ihm geschaffenen Schöpfungen gekommen sein dürfte. Lovecraft inspirierte Künstler wie H. R. Giger, dessen Alien-Design filmische Maßstäbe setzte, Comic-schaffende wie Neil Gaiman („Eine Studie in Smaragdgrün“ (Dantes Verlag), die Kurzgeschichte „I, Cthulhu“), Mike Mignola („Hellboy“ (Cross Cult)) oder Alan Moore („Neonomicon“, „Providence“ (beide Panini)) und die Filmemacher John Carpenter („Die Mächte des Wahnsinns“), Stuart Gordon („Re-Animator“, „From Beyond“, „Dagon“), Peter Svatek („Hemoglobin“) sowie Richard Stanley, der erst 2019 Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ in die heutige Zeit transportierte. Ferner tragen Pen-and-Paper-Rollenspiele und diverse Computer- und Konsolen-Spiele den verkaufsfördernden „Cthulhu“-Schriftzug im Titel. Aktuell schmücken H. P. Lovecrafts Geschichten sogar japanische Manga, die optisch hervorragend in „Der Hund und andere Geschichten“, „Die Farbe aus dem All“ und den beiden Bänden zu „Berge des Wahnsinns“ (alle im Carlsen Verlag erschienen) von Gou Tanabe umgesetzt wurden. Vom ausufernden Cthulhu-Merchandise ganz zu schweigen. Vom Plüsch-Gott aus der versunkenen Stadt R’lyeh bis hin zu T-Shirts, Statuen und Funko POP!-Figuren ist alles dabei. Und DAS konnte Lovecraft wirklich nicht vorausahnen…

Vom Pulp-Magazin zum Coffee-Table

Wurden fast alle Geschichten Lovecrafts zuerst im „Weird Tales“-Magazin veröffentlicht, gesellten sich im Laufe der Zeit etliche Story-Sammlungen hinzu. Manche großartig aufgemacht, beispielsweise in Sammelschubern, oder mit atmosphärischen Cover-Malereien veredelt. So zum Beispiel aktuell in einer Liebhaber-Ausgabe vom Festa Verlag. Was der Heyne Verlag uns aber mit der neuen Ausgabe von „Cthulhus Ruf“ kredenzt, ist schon ein mächtig starkes Stück und geht über gewohntes Lesevergnügen hinaus. Im mehr als positiven Sinne. Zwar bleibt die eigentliche Geschichte noch immer recht kurz, dafür aber ebenso dicht erzählt. Lovecraft spart auch nicht an Adjektiven und Superlativen, um das kosmische Grauen in den Köpfen entstehen zu lassen.

Unterstützt wird er nun vom französischen Künstler François Baranger, der es sehr gut versteht, das Grauen zum Leben zu erwecken. Das ganze überformatige Buch (26 x 35cm) ist durchgängig vom Concept-Artist, der zum Beispiel Artworks zu SONYs PS3/PS4-Exklusivtitel „Heavy Rain“ und „Beyond: Two Souls“, das Lovecraft-inspirierte Horror-Adventure „Alone in the Dark: The New Nightmare“ sowie den Filmen „Die Schöne und das Biest“, „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ und die letzten beiden „Harry Potter“-Abenteuer beisteuerte, illustriert. Die Texte passen sich dabei farblich den Hintergründen an, beziehungsweise heben sich von diesem ab. Heller Hintergrund = schwarze Schrift, dunkler Hintergrund = weiße Schrift. Wirklich großartig, was der Künstler da atmosphärisch und unheilschwanger aufs dicke Papier gebracht hat. Der eindrucksvoll gestaltete Schutzumschlag ist also keineswegs eine Mogelpackung, sondern eher ein Appetizer, der darauf einstimmt, was die Leser im Innenteil erwartet.

Fazit:

Eine unheimliche Beschreibung des Unbeschreiblichen, die auch nach fast 100 Jahren nichts an Faszination verloren hat. Unterstützt durch die düsteren, zeitgleich wunderschönen Illustrationen von François Baranger ist es gleich ein doppelter Grund, Cthulhu aus seinem langen Schlaf zu wecken und die Großen Alten beim Blättern durch diesen Prachtband heraufzubeschwören.

Cthulhus Ruf

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