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Michael Drewniok
Sechsmal (mühsam bis) meisterhaft aufbereiteter Trash-Grusel

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2020

- H. P. Lovecraft u. Zealia Bishop: Das Haar der Medusa (Medusa's Coil; 1939), S. 7-72: Der lebenslustige Sohn geriet an eine Gattin, die deutlich älter als geahnt und außerdem nur bedingt menschlich ist. Ein Freund sorgt dafür, dass die Maske fällt, aber selbst der Tod kann den Umtrieben der Kreatur buchstäblich nur teilweise Einhalt gebieten.

- H. P. Lovecraft u. Zealia Bishop: Der Hügel (The Mound; 1940), S. 73-192: Der Forscher untersucht im Hinterland des US-Staats Oklahoma einen seltsamen Hügel, auf dem es außerdem umgeht. Der Fund eines uralten Manuskripts enthüllt die Geschichte einer bizarren Unterwelt, in der seit Jahrmillionen groteske Wesen hausen, die auf Störungen von außen unfreundlich reagieren, wie unser Wissenschaftler bald erfahren muss.

- H. P. Lovecraft u. Henry S. Whitehead: Die Falle (The Trap; 1932), S. 193-227: Ein alter Spiegel erweist sich als Portal in eine fremde Dimension - und als Falle, denn jenseits des Glases wartet man auf Pechvögel, die das Geheimnis des Spiegels lösen.

- H. P. Lovecraft u. Henry S. Whitehead: Bothon (Bothon; 1946), S. 228-277: Eine Kopfverletzung lässt Powers Meredith in geistigen Kontakt mit General Bothon treten, der 20 Jahrtausende früher den Untergang des Kontinents Mu erlebt.

- H. P. Lovecraft u. Hazel Heald: Das Grauen im Museum (The Horror in the Museum; 1933), S. 278-324: George Rogers ist berüchtigt für seine schaurigen Wachsfiguren, die - der allzu neugierige Mr. Jones muss es in einer Museumsnacht entdecken - keine Hirngespinste eines kranken Geistes und auch nicht immer aus Wachs geformt sind.

- H. P. Lovecraft u. Hazel Heald: Der Mann aus Stein (The Man of Stone; 1932), S. 325-350: Der eifersüchtige Gatte kann den Nebenbuhler auf grausige Weise aus dem Weg räumen, bevor die Gattin den Spieß herumdreht.

- Originaltitel und Copyrightangaben, S. 351/52

Zwischen Mentor und Mit-Autor

H. P. Lovecraft (1890-1937) führte ein Leben, das ein sarkastischer Beobachter als  Versuch deuten könnte, dem literarischen oder gar finanziellen Erfolg so nachdrücklich wie möglich aus dem Weg zu gehen. Er führte lange das Leben eines Einsiedlers, schrieb aber mehr als 100000 oft sehr lange Briefe. Auch sonst investierte er jene Zeit und Energie, in bzw. mit der er eigene Projekte hätte vorantreiben sollen, viel zu oft in buchstäblich brotlose Aktivitäten. Lovecraft schrieb oft aufwändig recherchierte Artikel für Magazine, die keine Honorare zahlten, da sie privat vertrieben wurden. Er konnte sich das nicht leisten, meinte aber den Herausgebern und seinen Lesern verpflichtet zu sein.

Manche von denen, mit denen Lovecraft korrespondierte, fühlten sich selbst zum Schriftsteller berufen. Immerhin war ihnen bewusst, dass ihnen dazu das Rüstzeug fehlte. Um trotzdem ihre Namen gedruckt zu sehen, heuerten sie einen Ghostwriter an - Lovecraft. Er gilt heute als ein Großmeister des modernen Horrors, verdingte sich aber Zeit seines kurzen Lebens für kargen Lohn für ‚Autoren‘, an deren Namen sich heute niemand mehr erinnern würde, hätte nicht er ihr Werk geadelt. In diesem Band gilt dies für Zealia Bishop (1897-1968) und vor allem für Hazel Heald (1896-1961), während Henry S. Whitehead (1882-1932) ein interessanter Sonderfall ist.

Lovecraft hatte als Perfektionist nie die Kraft, sich auf die Korrektur von Grammatik und Rechtschreibung zu beschränken. Stattdessen nahm er sich die jämmerlichen Ergüsse vor und schrieb sie nicht selten quasi neu. Er gab diesen Geschichtchen einen Rahmen, Struktur und Atmosphäre - und er arbeitete sie nicht selten in seinen „Cthulhu“-Mythos ein. Das funktionierte oft eher schlecht als recht, weil Lovecrafts Konzept eines rational nicht fassbaren Schreckens mit den Konventionen einer ‚normalen‘ Gruselstory nur bedingt vereinbar war. In dieser Sammlung ist es beispielsweise „Die Falle“, die zwischen stringentem Schauder und interessant geschilderten, aber übertriebenen, deshalb schwerfälligen „x-dimensionalen“ Seltsamkeiten hin- und herdümpelt, statt zügig auf den Punkt zu kommen.

Geister-Meister in der Ghostwriter-Mine

Die ‚Zusammenarbeiten‘ hinterlassen generell einen zwiespältigen Eindruck. In der Regel lässt sich erkennen, wo Lovecraft eingegriffen und ganze Passagen selbst verfasst hat. „Der Hügel“ ist in den einleitenden Kapiteln und im Finale vor allem Lovecraft. Auch in den endlos langen Mittelteil hat er immer wieder eingegriffen, ohne dadurch dem Text seine zwar einfallsreiche, aber geschwätzige Überlänge zu nehmen. „Das Haar der Medusa“ funktioniert als reine Gruselgeschichte deutlich besser. Sie weist übrigens Anklänge an die Story „The Thing on the Doorstep“ (dt. „Das Ding auf der Schwelle“) auf, die Lovecraft aber erst drei Jahre nach „Das Haar …“ schrieb (und die ihm deutlich eindrucksvoller gelang).

Umgekehrt hat sich Lovecraft für „Das Grauen im Museum“ reichlich aus seiner bereits 1926 entstandenen Erzählung „Pickman’s Model“ (dt. „Pickmans Modell“) bedient. Wer dies ignoriert und sich nicht an den groben Figurenzeichnungen stört, wird mit einem trashigen, aber schwungvollen Garn belohnt, das aus der Vorlage herausholt, was herauszuholen ist. (Der aktuellen = abgebrühten Lesergeneration dürfte die Vorstellung eines Wachsfiguren-Kabinetts als Ort intensiven Grauens freilich amüsieren - falls sie überhaupt noch wissen, was „Wachsfiguren“ sind!)

Interessanterweise war Lovecraft durchaus in der Lage, ‚seinen‘ Horror zu ‚dimmen‘, wenn es der Story half. „Der Mann aus Stein“ ist Grusel-Routine par excellence; eine Rache, die den Rächer einholt, der seine eigene üble Medizin schlucken muss. Das ist nie feinsinnig oder einfallsreich, und man würde sicher nicht Lovecraft als (Mit-) Autor vermuten. Nichtsdestotrotz taugt „Der Mann aus Stein“ als vergnügliche Schauermär.

Gruselige Freundschaftsdienste

Henry S. Whitehead war anders als Bishop oder Heald selbst ein versierter Autor. Als Geistlicher diente er zwischen 1921 und 1929 als Erzdiakon der Episkopalkirche auf den Jungferninseln, die zu den Kleinen Antillen gehören und zwischen Karibik und Atlantik liegen. Whitehead interessierte sich sehr für den lokalen (Aber-) Glauben. Er sammelte eifrig Material, auf das er zurückgriff, als er ab 1924 für US-Magazine Gruselgeschichten schrieb, die durch seine Kenntnis ‚echter‘ Voodoo-Praktiken deutlich über dem Niveau der typischen „Pulp“-Storys standen.

Lovecraft, der in seinen späteren Jahren längst nicht mehr der „Einsiedler von Providence“ war, korrespondierte nicht nur mit Whitehead, dessen Werke er schätzte, sondern besuchte ihn 1931 sogar, als Whitehead gesundheitlich angeschlagen in die USA zurückgekehrt war. Gemeinsam verfassten die Freunde zwei Storys. Hier arbeiteten ‚richtige‘ Schriftsteller zusammen, weshalb „Die Falle“ und „Bothon“ keine von Lovecraft lesbar gemachten Machwerke darstellen. Es sind keine unbedingt originellen, aber interessante Geschichten, deren Lektüre deshalb die gewünschte Mystery-Stimmung verbreiten.

„Bothon“ erinnert zudem an den „Lovecraft-Zirkel“, zu dem neben Whitehead auch Autoren wie Robert E. Howard, Robert Bloch oder Clark Ashton Smith gehörten. Auf ihre Weise strickten sie an Lovecrafts „Cthulhu“-Mythos mit. Mit „Bothon“ ‚revanchierte‘ sich Lovecraft, wobei ihm Whitehead half. Diese Geschichte eines Mannes, dessen „Erbgedächtnis“ zufällig aktiviert wird, hätten vor allem der erwähnte Smith, aber auch Howard verfassen können, die gern eine irdische Frühgeschichte beschrieben, in der sich mythische Wesen die Erde nicht immer friedlich mit den Menschen teilten.

Fazit:

H. P. Lovecraft schrieb eine Reihe phantastischer Erzählungen gemeinsam mit Co-Autor/inn/en. Da er dazu tendierte, deren Beiträge nicht nur zu ‚bearbeiten‘, sondern gänzlich neu zu schreiben, entstand ein Korpus interessanter Werke: kein ‚reiner‘ Lovecraft, aber klassischer Horror mit hohem Unterhaltungswert.

Das Haar der Medusa: Horrorgeschichten 1930-1932

Das Haar der Medusa: Horrorgeschichten 1930-1932

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