Zwischen Erde und Mond

Erschienen: Januar 1957

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Michael Drewniok
Raumstart im Bomben- statt Meteoritenhagel

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2020

Vor sechs Wochen wurde die bemannte Weltraumstation in den Erdorbit gehievt, nachdem heimtückische Fortschrittsfeinde (nicht genannt, aber es sind „die Kommunisten“) dies erst durch Sabotage und zuletzt offene Attacken verhindern wollten: Sie ertragen es nicht, dass die Station von den USA gestartet wurde, deren Militärs nun einen wunderbaren Blick auf die Erdoberfläche genießen (s. „Space Platform“, dt. „Projekt Raumstation“).

Joe Kenmore und seinen Gefährten Thomas Hanley, Chef Bender und Mike Scandia ist das Gelingen zu verdanken. Doch im Orbit ist die Station schutzlos eventuellen Raketenattacken ausgesetzt, denn sie umkreist die Erde in nur 6000 km Entfernung. Deshalb gilt es aufzurüsten, weshalb die genannten Musketiere ins Transportschiff „Pelikan 1“ steigen, um Jagd- und Abwehrraketen auszuliefern.

Die Mission gelingt gerade noch rechtzeitig, denn tatsächlich zielt das Böse immer wieder nach der US-Station, die dem Planeten (US-) Fortschritt und Frieden bringen will! Manche heimtückische Attacke gelingt, aber in der Regel stehen Joe und seine Freunde bereit, um die Raumstation am Himmel zu halten. In der Schwerelosigkeit des Alls ist das kompliziert, weshalb Improvisation und Heldenmut gefragt sind.

Die Situation eskaliert, als die USA die Raumstation als ‚Hafen‘ nutzen, um ein gewaltiges Raumschiff zu starten. Auf dem Mond gedenkt man einen Stützpunkt einzurichten, der außerhalb irdischer Heckenschützen liegen wird. Zu ihrem Kummer gehören Joe, Haney, Chef und Mike nicht zur Besatzung, aber ihre Chance für eine Mondfahrt kommt, als das stolze Schiff in Raumnot gerät und nur die Station Rettung schicken kann …

Eine Hand stets in Revolvernähe

Die Science Fiction der Vergangenheit ist aus heutiger Sicht eine Werkschau politisch äußerst unkorrekter Trivialliteratur; dies gilt jedenfalls, wenn man sich dorthin begibt, wo einst die Murray Leinsters des Genres lebten und schrieben. Reine Unterhaltung traf auf eine Weltsicht, die sich ökonomisch am größten gemeinsamen Nenner orientierte sowie SF-misstrauische Tugendwächter u. a. Kritiker friedlich zu stimmen zu finden versuchte.

Acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war einerseits die Technik so weit fortgeschritten, dass man am Weltall zumindest ‚kratzte‘. Andererseits sah die irdische Realität trübe aus: Die Sowjetunion war vom Verbündeten zum Gegner mutiert, der im Bund mit dem aufstrebenden China die Länder des „freien Westens“ knechten wollte - so war jedenfalls die Sicht derer, die im „freien Westen“ das Sagen hatten. Längst war ein „kalter“ Krieg in Gang gekommen, der jederzeit ‚heiß‘ = atomar werden konnte; in Korea wurde bereits ein Stellvertreterkrieg geführt. Noch schlimmer: Die Sowjets hatten bei der „Eroberung des Alls“ - man beachte die Terminologie - die rote Nase vorn! Noch war „Sputnik 1“ (1957) nicht gestartet, doch man sorgte sich sehr, denn nicht nur auf der Erde, sondern auch im All wünschten sich die USA die Vorherrschaft!

Wie das enden könnte, schildert Murray Leinster drastisch und warnend. Was die „Roten“ nicht unter ihre Kontrolle zwingen, wollen sie zerstören. Also wird weniger die Erforschung des erdnahen Raums zum Primärzweck der dorthin gestarteten Station, sondern die permanente Abwehr feindlicher Raketen, die schon 1953 ein im Orbit kreisendes Ziel relativ problemlos treffen konnten. Nur Wachsamkeit und entschlossene Gegenwehr boten eine Lösung. Joe Kenmore und seine drei Kumpane sind die Repräsentanten jener „Watch-the-Skies!“-Fraktion, die heimtückische Schurkenstaaten in die Schranken weisen sollte.

Keine Zeit für die Wunder des Alls

„Zwischen Erde und Mond“ ist ein atemloser Wettlauf zwischen Gut und Böse. Die Kürzungen der deutschen Fassung mögen das Tempo noch verschärfen. Kenmore und Co. sind pausenlos zwischen Erde und Raumstation unterwegs, um diese zu einer fliegenden Festung aufzuwerten. Dabei sprudeln die Protagonisten-Hirne förmlich vor genialen Ideen, die sich dank des trivialen Umfelds dieser Geschichte nur bedingt den Naturgesetzen beugen müssen. Hier zeigt sich deutlich, dass Murray Leinster ein Vertreter der frühen, noch von den „Pulps“ geprägten Science Fiction war, in der geniale Wissenschaftler im Alleingang Supertechnik und Wunderwaffen entwickelten, mit denen sich die Galaxis buchstäblich auf den Kopf stellen ließ.

Ohnehin ist „Zwischen Erde und Mond“ ein Roman mit Episodencharakter. Ernstfall reiht sich an Ernstfall, während der durchlaufende rote  Faden recht dünn ist. So wundert man sich nicht wirklich, dass die Handlung die titelgebende Raumstation im letzten Drittel hinter sich lässt und auf den Mond verlagert.

Zuvor bemüht sich Leinster redlich, das entfesselte Abenteuer - man muss Lenkraketen ausweichen, einen übergeschnappten Stationskommandanten überlisten oder im ‚Sattel‘ improvisierter Raumgleiter feindliche Schiffe quasi wie Ritter zu Pferde erledigen - durch einen wahren Schwall plausibel wirkenden Technobabbels ‚naturwissenschaftlich‘ aufzuwerten. (Unschuldig ist Leinster an einem putzigen Übersetzungsfehler: Aus „Gravo“ - einer Einheit für Schwerkraftbelastung bei Beschleunigung - wird durchweg „Gravität“.) Tatsächlich weiß er aus der Tatsache, dass man im All sein Ziel nicht direkt anfliegt, sondern dorthin steuert, wo es stehen wird, wenn man es erreicht, reichlich SF-Action zu ziehen. Die Physik gilt für Raumschiffe und Raketen gleichermaßen, sodass daraus resultierende Kampfhandlungen einen unterwarteten und interessanten Verlauf nehmen.

Männer der Tat und weniger Worte

Die Figurenzeichnungen sind die Achillesferse dieses Romans - oder freiwillig unterhaltsam. Sie dokumentieren eine Weltsicht, die heutzutage nur noch als ‚historisches Zeugnis‘ toleriert werden kann. Dabei lässt sich Joe Kenmore noch am besten ertragen. Er stellt den Idealtypus des auch in der Zukunft gefragten Mannes dar: ebenso klug wie stark und stets bereit, im Dienst der guten Sache sein Leben zu lassen.

Wie diese „gute Sache“ aussieht, verdeutlicht ihm bei Bedarf Major Holt, der Kenmore eigentlich wie einen (Schwieger-) Sohn liebt und deshalb erst recht hart herannimmt, damit niemand ihn der Vetternwirtschaft bezichtigen kann. In zweiter Reihe unterstützen drei typische „sidekicks“ den teflonreinen Helden Kenmore. Haney, Chef und Mike sind außerdem für ‚ulkige‘ Einlagen verantwortlich, um in den Kampfpausen für Entspannung zu sorgen. Dies wird zeittypisch unterstützt, indem Chef ein „Indianer“ und Mike ein „Zwerg“ ist, was für (ranzig gewordene) Witze und grobe „Auch-sie-sind-Menschen“-Plattitüden sorgt, die sich halbwegs die Waage halten.

Im All ist selbstverständlich nur Platz für (echte) Männer. Trotzdem muss ein Kerl wie Kenmore ein „Mädel“ haben. Also hat (ausgerechnet) Major Holt ein hübsches, mannbares Töchterlein, das im Schatten des Vaters grundlos dort erscheinen kann, wo Frauen nichts zu suchen haben. Gern taucht Sally am Bildschirm auf und weint, während sie ihren Joe tapfer dabei unterstützt, wenn dieser seine Pflicht (und mehr) erfüllt. Immerhin hat Sally an Raumstation mitgearbeitet; auf sie gehen schwerelostaugliche Kaffeetassen und Betten u. a. Einrichtungselemente zurück, die nur eine Frau wirklich kennt ... Ob sie ihren ständig geforderten Joe wie geplant irgendwann heiraten kann, wird sich wahrscheinlich im dritten Band dieser Trilogie herausstellen, obwohl Kenmore und seine Kumpane auch in der entstehenden Mondstadt mit Schurkenjagd und Weltenrettung beschäftigt sein dürften.

Fazit:

Der zweite Band der „To-the-Stars!“-Trilogie bietet inhaltlich zwar weiterhin triviale, aber spannende Unterhaltung, wobei das Tempo niemals nachlässt. Gerade die heute krude Weltsicht sorgt zusammen mit dem Nostalgie-Faktor für ein SF-Abenteuer, das man immer noch lesen kann, wenn man bereit ist, von der Zeit eingeholte Ansichten nachsichtig zu behandeln (bzw. zu ignorieren).

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