Reiche Ernte - und andere makabre Geschichten

Erschienen: Januar 2020

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Marcel Scharrenbroich
Makabre Geschichtensammlung

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jan 2021

Es kommt nicht auf die Größe… ich meine LÄNGE an.

So mancher Roman suhlt sich regelrecht in seiner Möglichkeit, selbst winzige Details seitenlang auswalzen zu können. Was im normalen Alltag vielleicht höchstens einen beiläufigen Blick wert wäre, wird bis ins Kleinste auseinandergenommen, beschrieben, auf Links gedreht und mit mehr Worten ins Hirn der Leser gehämmert, als der Duden jemals auf dieses Objekt verschwenden würde. Doch nicht nur Objekte wollen bildlich in des Lesers Frontallappen gedroschen werden, auch Personenbeschreibungen, Örtlichkeiten oder das Wetter. Oftmals fallen diesen Dingen ganze Kapitel zum Opfer. In der Fantasy kann dies jedoch durchaus hilfreich sein, da nicht wenige Autoren gänzlich neue Welten erschaffen und diese nach Erklärungen schreien. Umso besser finden wir uns mit jedem gereichten Strohhalm schließlich in diesen zurecht. Hätte Tolkien das Auenland als grünflächiges Gebiet beschrieben, in dem größtenteils zu kurz geratene, barfüßige Zwockel mit schlechtsitzenden Frisuren und starkem Haarwuchs leben, wäre damit wohl niemandem geholfen, und auch Quidditch nur als Besen-Rugby zu bezeichnen, wäre in J. K. Rowlings toll zum Leben erweckter „Harry Potter“-Welt eher nach hinten losgegangen. Wenn aber ein Atom-Physiker plötzlich einen Sci-Fi-Roman zusammenklöppelt und sein fachliches Wissen als Maßstab nimmt, um sich in technisches Kauderwelsch zu verstricken, bleiben wir Leser auf der Strecke. Ebenfalls, wenn mir ein Sprach-Genie blumig über 20 Seiten eine Flasche Wasser, die auf einem Tisch steht, beschreibt, wobei mir ein einfacher Blick nach rechts reicht, um dessen Intention zu verstehen. Da interessieren mich auch der Lichteinfall oder die poetisch perlenden Luftbläschen im Inneren des mundgeblasenen Gefäßes herzlich wenig, wenn mich das Geplapper keinen Meter voranbringt. Was ich damit sagen will, ist, dass jeder sich in Kleinigkeiten verstricken und diese auswalzen kann (wie Ihr an diesem Absatz seht…). Damit soll nun nicht die kreative Schreibweise von Schriftstellern herabgewürdigt werden, sondern verdeutlicht werden, wie schwer es sein kann, mit wenigen Worten eine Atmosphäre zu schaffen, die nach kürzester Zeit greifbar wird. Die Rede ist von Kurzgeschichten. Hier muss der Leser ebenso gepackt werden, als wenn er schon stunden- und seitenlang in einem Szenario verharrt, obwohl er sich erst auf Seite 3 befindet. Charaktere müssen mir wichtig, bedrohlich und auch sympathisch werden. Ihr Schicksal darf mir nicht egal sein, trotz der erst flüchtigen Bekanntschaft. Ja, Kurzgeschichten können für Autoren zur echten Herausforderung werden, müssen sie sich doch aufs Wesentliche konzentrieren, ohne erzählerische Abstriche zu machen. Auf den Punkt kommen. Sich nicht in Details verlieren, die nicht zwingend relevant für die Geschichte sind. Sich nicht ständig wiederholen. Sich nicht ständig wiederholen. Liest man diese knackig-kurzen Storys und führt sich diese Gedanken dabei einmal vor Augen, muss man vor manch fesselndem Kompakt-Kracher schon mal den Hut ziehen.

16 Ohrfeigen

Auf nur 178 Seiten hat der österreichische Schriftsteller („Die dunklen Bücher - Der Fluch des alten Bergwerks“ und zusammen mit Bastian Zach „Morbus Dei“) und Drehbuchautor („Northmen - A Viking Saga“) Matthias Bauer ganze 16 Kurzgeschichten verewigt, die inhaltlich ein weites Feld abdecken. Inspiriert durch große literarische Vorbilder wie Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft beweist Bauer dabei seine Liebe zum überraschenden Twist. Jener Moment, wenn den Lesern urplötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, und eine Story wendungsreich mit einem Knalleffekt endet. Happy Ends sind dabei Mangelware, weshalb einige Geschichten auch nach dem Ende noch nachwirken.

Da wäre zum Beispiel direkt die erste Story, die sich hinter dem bereits unheilschwangeren Titel „Apokalypse“ verbirgt. Anstatt in einzelne, kurze Kapitel aufgeteilt zu sein, zählt hier ein Countdown von „10“ bedrohlich runter bis zur offenbarenden „0“. Über 38 Seiten begleiten wir den Nachrichten-Redakteur Herrn Wolf durch einen brütend-heißen Sommer. In einem alten Antiquariat lernt er den bekannten Physik-Professor Eisler kennen und zwischen den doch sehr unterschiedlichen Männern entwickelt sich durch angeregte Gespräche eine Art Freundschaft. Währenddessen wird die Stadt durch nationalsozialistische Aufmärsche belagert, was quer durch die Medien – und somit auch über Wolfs Schreibtisch – geht. Auf die überraschende Frage des gealterten Professors, wie Wolf – hätte er die Möglichkeit – den Holocaust verhindert hätte, hat der Journalist eine ebenso überraschende Antwort. Der Physiker findet Gefallen daran und weiht Wolf in ein weltveränderndes Geheimnis ein…

Direkt im Anschluss erklärt der Bestseller-Autor Mark Schneider, wie man sich „Die richtige Atmosphäre“ verschafft. Um einen Verkaufsschlager zu Papier zu bringen, sollte man nämlich nicht nur eine blühende Fantasie besitzen, sondern auch überall nach Inspiration Ausschau halten. Mark schreibt Thriller über Serienkiller, was bei den Fans gut anzukommen scheint. In diesem Genre ist er die unangefochtene Nummer 1, doch sein Agent versucht händeringend, dass er für seinen nächsten Roman einen Gang zurückschaltet, da die Presse seine blutrünstigen Werke in der Luft zerreißt und der Verlag sich wegen der schlechten Publicity sorgt. Tja, man kann halt nicht gegen seine Natur ankämpfen und die Idee für den nächsten Bestseller liegt quasi schon auf dem Tisch…

Die „Reiche Ernte“, die der Kurzgeschichten-Sammlung auch ihren Namen gibt, verschlägt uns dann an den schrecklisten Ort, den man sich nur vorstellen kann. Nein, nicht die Hölle. Schlimmer. Ein Konzentrationslager. Das Vernichtungslager VII steht kurz davor, dem Erdboden gleichgemacht zu werden. Der Feind steht bereits regelrecht vor dem Tor und Oberstummbannführer Wilhelm Jäger jagt den eingezäunten Ort des Grauens lieber eigenhändig in die Luft, bevor die Russen sie überrennen. Nach Befehlen von ganz oben sollen die Invasoren im Lager keine Beweise vorfinden, die an die unmenschlichen Taten der Endlösung erinnern könnten. Massengräber wurden bereits zugeschüttet, Öfen zerstört. Doch vor dem großen Knall lässt der SS-Mann sich den Gefangenen zu einem Vier-Augen-Gespräch bringen, der ihn während seiner Schreckensherrschaft am meisten faszinierte. Insasse 443556… ein Priester.

„Der Abschied des Generals“ folgt dem zu Ende gehenden Leben von David Shobar. Einst hochdekoriert und geachtet, ist die militärische Laufbahn nur noch eine Erinnerung. David Shobar lebt in dieser Erinnerung und blüht darin auf, ist sein jetziges Leben doch nur noch ein Schatten dieser einst glücklichen Zeit. Ausgedient und vergessen lebt er in einer Pflegeeinrichtung. Dort ist er der Willkür eines sadistischen Pflegers ausgesetzt, der jeglichen Respekt und die Menschenwürde mit Füßen tritt. Doch der Wille kann Berge versetzen… und ungeahnte Kräfte verleihen.

Dies waren nur kurze Einblicke in ein Viertel der gebotenen Kurzgeschichten, die sich nicht nur in ihrer Länge unterscheiden. Matthias Bauer wechselt ebenso schnell die Genres, wie die zeitliche Verortung seiner Storys. So entsteht eine abwechslungsreiche Sammlung, die man entweder am Stück oder für eine kurze Lese-Session genießen kann.

Bildlich gesprochen

13 Geschichten aus der Feder von Matthias Bauer wurden im Jahr 2020 auch graphisch umgesetzt. Bei PANINI erschienen drei Comic-Alben und versprachen eine ebenso „Reiche Ernte“, wie die in Textform verfassten Storys. Für die genialen Bilder konnte der Max und Moritz-Preisträger Chris Scheuer gewonnen werden. Der Österreicher wurde bereits 1982 durch seine Arbeiten für das Comic-Magazin „Schwermetall“ bekannt und schuf Comics wie „Marie Jade“ oder „Sir Ballantine“. Seine schwarz-weißen Tusche-Zeichnungen kommen im Alben-Format hervorragend zur Geltung und es ist sehr interessant, mit wie viel Kreativität und eigenen Ideen Scheuer Bauers Vorlagen interpretiert hat. Somit sind beide Herangehensweisen sehr zu empfehlen und ergänzen sich auf schaurig-schöne Art perfekt.

Fazit:

Kurze Geschichten, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Manche hallen länger nach, als ihre überschaubaren Seitenzahlen vermuten lassen, was durchaus für den Inhalt und auch den Ideenreichtum des Autors spricht. „Reiche Ernte und andere makabre Geschichten“ ist sowohl als Kindle Ausgabe als auch in gedruckter Form vom BLITZ Verlag erhältlich.

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