VIDAN - Staffel 2: Schrei nach Stille

Erschienen: Mai 2021

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Marcel Scharrenbroich
Tiefer in den Kaninchenbau

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jul 2021

Es begann in Montana…

Der Fund grausam entstellter Leichen sorgte für Unruhe im kleinen Städtchen Blackdale. Für den stellvertretenden Sheriff Miles Vidan waren die übel zugerichteten Opfer, die Wunden reißender Tiere aufwiesen, gleich eine doppelt bittere Pille. Vor drei Jahren wurde seine Frau Susan in Begleitung von ihrer Freundinnen Shirley und June bei einem Ausflug überfallen. Als einzige Überlebende ging die junge Shirley hervor, deren Verstand seit der Attacke jedoch in dichten Nebel gehüllt ist. Aufgeklärt wurde der Vorfall nie. Seit einem indianischen Ritual empfing Miles zudem kryptische Traum-Botschaften von seiner verstorbenen Frau, was nicht das einzige Mysterium war. Ein großes Rätsel blieb die seltsame schwarze Flüssigkeit, die an allen Tatorten gefunden wurde. Diese entzog sich einer genaueren Untersuchung der örtlichen Ärztin Sally Hansen, indem sie sich einfach verflüchtigte. Dass sich zusätzlich das FBI für die Todesfälle interessierte, war noch das Gewöhnlichste an der ganzen Sache…

Knall auf Fall fanden sich Miles Vidan, Doc Sally, Reservats-Deputy Tyson Nawat McKay und die junge Inuit-Frau Kirima in einem halsbrecherischen Strudel aus Verschwörungen, Exorzismen, Monstern, politischen Intrigen und auferstandenen Toten wieder. Maßgeblich verantwortlich waren die undurchsichtige Firma „Avantage“ und der sinistere Strippenzieher Mr. Haze. Die Suche nach Antworten führte Miles Vidan weit über die Grenzen von Blackdale hinaus. Nach Detroit, wo er von weltweit ähnlichen Phänomenen und Monster-Sichtungen erfuhr, ins eisige Grönland, bis in den tiefen Dschungel Kambodschas. Stetiger Verbindungspunkt war „Avantage“, die überall nach der undefinierbaren schwarzen Flüssigkeit schürften… dem Black Juice.

Made(n) in America

Sechzehn Monate ist es nun her, seit Miles Vidan und seine Verbündeten mit Dingen konfrontiert wurden, die ihren Horizont bei weitem überstiegen. Blackdales Hilfssheriff hat noch nicht den vollen Durchblick, wer der große Unsichtbare im Hintergrund ist, und – soweit irgendwie möglich – seinen normalen Alltag wieder aufgenommen. Beruflich hat er weiterhin Sheriff Lennox an seiner Seite, der einen Anschlag auf sein Leben nur knapp überlebte, während auf der privaten Ebene jemand Neues in Miles‘ Leben getreten ist. Er und Sally Hansen sind mittlerweile liiert und genießen die Zweisamkeit. Doch wo einmal der Wurm drin ist, ist der Wurm drin… so auch im verdammten Blackdale.

Als die beiden Blackdale-Bewohner Dick Holloway und Mike Granger, Bruder der noch immer umnachteten Shirley, einen Angel-Ausflug auf dem Newell-See unternehmen, nimmt das Unglück erneut seinen Lauf. Der vermeintliche Fang des Tages entpuppt sich als folgenreiche Ausbeute. Aus den Kiemen der gefangenen Forelle kriecht eine Made, die Mike unvermittelt anspringt und sich an seinem Arm festsaugt. Vorsichtshalber lässt der Verletzte die Wunde anschließend von Doc Sally untersuchen. Dieser erscheint der überraschende Maden-Angriff reichlich sonderbar und so bittet Miles seinen Freund Nawat, den Newell-See genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Medizinmann Nootau berichtet Nawat von ähnlichen Sichtungen. Die Maden sind nur der Anfang, denn schon bald spuckt der See weitaus größere Gefahren aus seinen Tiefen. Zeitgleich verändert sich Mike Grangers psychischer und körperlicher Zustand drastisch…

Der finstere Mr. Haze ist währenddessen auf der naheliegenden Farm einer fanatischen Sekte untergekommen, deren Anhänger dem mysteriösen „Allumfassenden“ folgen. Von dort aus operiert Haze, trotz seiner Abneigung gegenüber der Ländlichkeit der Rocky Mountains. Immerhin ist Blackdale eine Goldader, was das Black Juice-Vorkommen angeht. Grund genug, um dort Wurzeln zu schlagen. In seiner Gewalt befindet sich Denise Sundberg, die Mitarbeiterin jener Organisation, für die Miles Vidan in Detroit rekrutiert wurde. Die Organisation, die sich dem Chaos und Haze entgegenstellt. Und dieser kündigt tiefgreifende Veränderungen an, was selbst die apokalyptischen Vorstellungen der Sekten-Jünger in den Schatten stellen dürfte. Plötzliche Wetterwechsel und abstürzende Vögel sind bereits Vorboten, die nichts Gutes erahnen lassen…

Schleichender Mystery-Thrill in 10 Akten

Staffel 1, „Schrei nach Leben“, endete mit einem Knaller. Nein, sogar zwei Cliffhanger sorgten dafür, dass man die Macher wahrlich verfluchte, an einem so spannenden Punkt ein vorläufiges Ende zu setzen. So ist es nur natürlich, dass die zweite Staffel inhaltlich anknüpft. Die erste Folge startet passenderweise mit einem Rückblick aufs bisherige Geschehen, bevor die Handlung einen Zeitsprung von rund eineinhalb Jahren macht. Es sei aber gleich gesagt, dass die Zusammenfassung nur recht grob ausfällt und es deshalb ratsam ist, die erste Staffel vor dem Wiedereinstieg nochmals aufzufrischen. Es wird nämlich reichlich Bezug auf diese genommen. Daran lässt sich vielleicht schon erkennen, dass die Story in den neuen zehn Episoden nicht im Eiltempo voranprescht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Das Tempo ist ähnlich behäbig, wie schon im inhaltlichen Vorgänger.

Die Inszenierung ist dabei sehr atmosphärisch und auch die Sprecher machen ihren Job größtenteils ordentlich. Lars Schmidtke könnte als Miles Vidan zwar noch ein wenig enthusiastischer auftreten, aber in der Gesamtheit sind die Rollen nicht nur gut besetzt, sondern auch authentisch wiedergegeben. Die Sounduntermalung ist stimmungsvoll, auch wenn der musikalische Einsatz sehr reduziert ist. Für mich ist es das Pacing, was „Schrei nach Stille“ schwächer als die erste Staffel erscheinen lässt. Mir fehlen die nennenswerten Highlights, die hier und da herausstechen und haftenbleiben. So manche Offenbarung hätte spektakulärer ausfallen können, was die zehn Folgen oftmals einfach so dahinplätschern lässt.

Das schicke und zur ersten Staffel optisch passende Box-Set von EUROPA umfasst 10 Audio-Datenträger, die im Einzelnen die folgenden Episoden beinhalten:

1. Ende der Stille
2. Der Allumfassende
3. Yunaska-Island
4. Die Geplagten
5. Evolution
6. Vernichtung
7. Lügen
8. Falsche Menschen
9. Unerträglich
10. Vollendung?

Fazit:

Raimon Webers Fortsetzung seines Überraschungs-Hits „VIDAN“ kann sich durchaus wieder hören lassen. Qualitativ gibt es wenig zu beanstanden, jedoch bleibt die zweite Staffel inhaltlich hinter dem Vorgänger „Schrei nach Leben“ zurück. Erzählerisch ist das Auf und Ab etwas zu unausgegoren, sodass die Spannung nicht konstant gehalten werden kann. Außerdem findet die Marschrichtung nach vorne nur im Schneckentempo statt. Nichtsdestotrotz ein interessantes Mystery-Hörspiel, welches reichlich Umfang für seinen ansprechenden Preis bietet.

VIDAN - Staffel 2: Schrei nach Stille

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