Der dunkle Kristall (1) - Ära der Schatten

Erschienen: August 2021

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Lisa Reim-Benke
Auftakt zur Vorgeschichte des Kultfilms

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Okt 2021

Naia ist ein Gefling aus dem Stamm der Drenchen, die in Sogg in einem Sumpfgebiet leben. Eines Tages muss Naia erfahren, dass ihr Bruder Gurjin, der als Wache in der Burg des Kristalls dient, des Hochverrats angeklagt wird. Er soll Lügen über die Skekse, die Herren der Welt Thra, verbreitet haben. Naia macht sich daraufhin auf den Weg, um ihren Stamm bei der Gerichtsverhandlung zu vertreten und ihren Bruder zu finden, der seit der Anklage verschwunden ist. Doch das ist nicht das einzige Problem, für das Naia eine Lösung finden muss. Thra leidet unter einer mysteriösen Krankheit, die das Gleichgewicht der Welt gefährdet. In Kylan, einem Gelfling aus dem Stamm der Spriton, findet sie einen treuen Begleiter. Doch die beiden ahnen nicht, dass am Ende ihres Weges eine dunkle Wahrheit liegt, mit der niemand gerechnet hätte.

Vom Film zum Buch zur Serie

1982 erschien der Film „Der dunkle Kristall“ des Muppets-Erfinders Jim Henson. Obwohl die Handlung sehr schlicht war, wurde der Streifen aufgrund seines fantastischen Settings und des Puppenspiels schnell zum Kultfilm. Eine Fortsetzung wurde zwar mehrfach ins Auge gefasst, doch erst 2019 veröffentlichte Netflix die erste Staffel der Serie „Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“, welche die Vorgeschichte zum Film erzählt. Leider wurde die Serie bereits nach der ersten Staffel eingestellt.

Dem Autor J. M. Lee wurde, nachdem er einen Schreibwettbewerb gewonnen hatte, die Ehre zuteil, dieses Prequel auch in Buchform zu präsentieren. Das Ergebnis ist eine vierteilige Reihe, die erklärt, was mit den Gelfling-Clans passierte und was die Skekse damit zu tun hatten.

Solide und doch verwirrend

Lee folgt in vielerlei Hinsicht der Tradition des Films – leider auch, was die unoriginelle Handlung und die einseitigen Charaktere angeht. Die Geschichte wird so linear erzählt, dass man schon früh erkennen kann, wo (buchstäblich) die Reise hingehen wird. Es handelt sich um eine klassische Heldenreise, mit einer Handvoll nicht nennenswerter Scharmützel, ein paar Begegnungen und einer wenig überraschenden Auflösung. Zwar handelt es sich um den Auftakt einer Reihe, aber spannend sollte natürlich trotzdem jeder Band für sich sein, ganz besonders der erste.

Großen Einfallsreichtum beweist Lee jedoch bei der Ausgestaltung von Thra. Hier baut der Autor die Stärken des Films noch weiter aus. Interessant ist besonders die Welt der Gelflinge, die in sieben sehr unterschiedlichen Clans organisiert sind, die jeweils eine eigene Kultur und Geschichte haben, je nach Region, in der sie leben. Sie werden von einer magisch begabten Matriarchin angeführt, haben Totemtiere und beherrschen das „Bilderströmen“, eine Art Telepathie. Es gibt also eine Menge zu entdecken, jedoch sollte man nicht davon ausgehen, alle Infos auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Stattdessen wird man ins kalte Wasser geworfen und sofort mit den Eigenheiten von Thra und den Gelflingen konfrontiert, ohne dass man jemals genauere Beschreibungen oder Erklärungen bekommen würde. Die findet man nur am Ende in einem Glossar, wo auch die verschiedenen Clans vorgestellt werden.

Trotz hilfreichem Anhang kann es mitunter schwierig sein, sich in Thra zurechtzufinden. Neben den vielen Details, die nicht weiter erklärt werden, bleibt auch das große Ganze etwas im Dunkeln: Was sind Gelflinge, Skekse und Podlinge überhaupt und wie muss man sie sich vorstellen? Wer den Film oder die Serie nicht gesehen hat, ist hier aufgeschmissen. Zumindest gibt es Illustrationen von Brian Froud und Cory Godbey, die wenigstens einen kleinen Anhaltspunkt liefern: Die Gelflinge mit ihren spitzen Ohren und den Flügeln der weiblichen Vertreter lassen sich am ehesten mit Elfen oder Feen vergleichen. Die Skekse erinnern an eine Kreuzung aus degenerierten Ratten und Vögeln (wer sind hier wohl die Guten und wer die Bösen?). Trotzdem ist es etwas unpraktisch, immer erst zur nächsten Zeichnung vorblättern zu müssen und zu hoffen, dass man dort Antworten auf seine Fragen bekommt. Auch die Welt Thra bleibt undurchsichtig, es gibt nämlich keine Karte. Bei einer Geschichte, in der die Figuren eine gewisse Strecke zurücklegen und verschiedene Regionen durchqueren, wäre eine solche jedoch sehr hilfreich gewesen wäre.

Ist die Serienadaption sogar besser?

Obwohl die Serie von derselben Geschichte handelt, enthält sie viel mehr Handlungsstränge und vielschichtige Figuren, wodurch sie das Ganze doch spannender und tiefgründiger erzählt als die literarische Variante mit ihren gefühlt fünf Charakteren und einer seichten Abenteuerhandlung. Doch vorschnell sollte man nicht urteilen, denn schließlich werden noch drei weitere Bände folgen. Es bleibt also spannend, wie sich die Geschichte um die Skekse und Gelflinge entwickeln wird – Potential zur Steigerung gibt es allemal.

Fazit:

Nettes kleines Abenteuer, das besonders Fans des Kultfilms ansprechen wird. Die Serienumsetzung scheint auf den ersten Blick zwar spannender zu sein, doch die Hoffnung bleibt, dass die Folgebände noch einiges aus dem Stoff herausholen können.

Der dunkle Kristall (1) - Ära der Schatten

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