Hinter den Kulissen von DUNE

  • Panini
  • Erschienen: Oktober 2021
Hinter den Kulissen von DUNE
Hinter den Kulissen von DUNE
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Michael Drewniok
75°

Phantastik-Couch Rezension von Michael Drewniok Feb 2022

Bilderrausch und Text-Kater

1965 sorgte Frank Herbert (1920-1986) für einen wahren Stromstoß in der Science Fiction. Zwar erzählte er mit „Dune“ (dt. „Der Wüstenplanet“) eine genretypische Story, die in ferner Zukunft auf (mehr als) einem fremden Planeten spielte. Ebenfalls nicht neu war sein Ansatz, daraus ein Epos zu formen, das wahrhaft galaktische Intrigen und Machtkämpfe entfesselte.

Herbert betrat dort Neuland, wo er in den Vordergrund stellte, was erst später als „Ökologie“ einem breiten Publikum bekannt wurde. Den titelgebenden Wüstenplaneten Arrakis ‚nutzte‘ er nicht einfach als exotischen Schauplatz für verwickelte Ränken und turbulente Schlachten. Parallel dazu entwickelte er eine (bei nicht gar zu intensiver Prüfung) plausible Welt mit einer sehr speziellen Natur. Diese beeinflusst die Psyche derer, die hier nicht nur im Rahmen einer abenteuerlichen Story bzw. anwesend sind, um das „Spice“, eine nur auf Arrakis vorkommende, das Bewusstsein erweiternde Droge zu ‚ernten‘, sondern die auf und mit dem Planeten leben wollen.

„Dune“ wurde aufgrund dieser metaphysischen oder ‚spirituellen‘ Ebene, die parallel, aber gleichrangig der erzählerischen Handlung folgte, zu einem Klassiker der „inner fiction“. Generationen zunehmend auf den ökologischen Aspekt und der damit verbundenen Kritik an profitorientierter Umweltausbeutung und -zerstörung konzentrierter Leser erhoben den Roman (und seine zahlreichen Fortsetzungen) auf das Niveau eines Meisterwerks.

Die Wüste lebt - und wie!

Frank Herbert starb über der Niederschrift zu Band 7 seiner Serie. Sohn Brian und Co-Autor Kevin J. Anderson sprangen in die Bresche und spannen sie fort, bis sie sogar noch länger als ein Sandwurm wurde. Die Qualität litt bzw. konnte mit der ursprünglichen Intention nicht mehr mithalten. Dies warf die Kritik bereits dem späten Frank Herbert vor, was übrigens in diesem Buch zum Film von 2021 durch Abwesenheit ‚glänzt‘, was sich zu den Punkten addiert, die das Lektürevergnügen trüben.

„Dune“ musste das Interesse der Filmwelt wecken. Zu gewaltig waren die Buchauflagen, die ein Publikum markierten, das sicherlich gern das Epos auf der Leinwand sehen würde. Allerdings war der Handlungsrahmen so gewaltig, dass mehrere Versuche zum Teil spektakulär scheiterten.

Erst David Lynch gelang 1984 eine Erstverfilmung, die allerdings durch inhaltliche wie formale Kompromisse, Fehlentscheidungen und Streitigkeiten begleitet wurde. Das Ergebnis war jedenfalls eher interessant als gelungen. Der US-amerikanische SciFi-Channel nutzte den Fortschritt der digitalen Technik, um 2000 eine Mini-Serie für das Fernsehen zu drehen. Sie wurde dem Epos allenfalls inhaltlich halbwegs gerecht, ist aber aufgrund der Effekte schlecht gealtert.

Aller guten Dinge sind drei

2017 begann der französische Regisseur Dennis Villeneuve mit den Vorarbeiten zu einem neuen Film. Er hatte sich aufgrund der recht erfolgreichen sowie ideenreich inszenierten SF-Streifen „Arrival“ (2016) und „Blade Runner 2049“ (2017) für einen hochbudgetierten Blockbuster qualifiziert. Vier Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung des „Dune“-Films, der von der Kritik und den Zuschauern gleichermaßen freundlich aufgenommen wurde.

Da „Dune“ auch Start eines Franchises sein sollte, wurde der Film multimedial vermarktet, wobei wie sich üblich Information und Werbung nahtlos vermischten. „Hinter den Kulissen von Dune“ ist ein typisches Beispiel für diese Strategie. Autorin Tanya Lapointe gehört zu jenem doppelten Dutzend, deren Mitglieder als „(Executive) Producers“ gelistet sind. Während fraglich bleibt, wie deren Input zum Film sich definiert, leuchtet der Vorteil im Rahmen einer Filmbuch-Produktion ein: Lapointe war während der Produktion vor Ort und hatte außerdem Zugriff auf das Archiv mit seiner Fülle an Entwurfszeichnungen, Hinter-den-Kulissen-Bildern oder exklusiven Szenenfotos. Das wird zum zentralen Pluspunkt dieses Buches, dessen Abbildungsmaterial schlicht überwältigend ist!

Unterstützt wird dies durch eine Veröffentlichung, der es an Opulenz wahrlich nicht mangelt: 26,4 cm beträgt die Höhe, und öffnet man das Buch, klaftert es mehr als einen halben Meter! Das Papier ist dick und hochwertig, die Wiedergabequalität grandios. Selbst feinste Details lassen sich problemlos erkennen, und sogar die Spinnereien allzu ‚inspirierter‘ Layouter bleiben erträglich; so ist es zwar stimmungsvoll, die Buchseiten nicht weiß, sondern schwarz zu färben. Darüber eine recht kleine sowie hellgrau gehaltene Schrift zu legen, erfordert jedoch eine Lektüre, bei der man die Beleuchtung sehr genau justieren muss, um den Text lesen zu können.

Von der Verbeugung zum Kniefall

Was den Inhalt dieses Textes betrifft, ist der Originaltitel nicht nur ein Hinweis, sondern eine Warnung: „The Art and Soul of Dune“ sollen uns vorgestellt werden. Während ersteres recht informativ aufgelöst wird, sorgt letzteres von Anfang an für Verdruss: „Dune“ soll nach dem Willen der für das Film-/Franchise-Produkt Zuständigen zu einem Meilenstein der Kino-Historie aufgewertet werden; koste es, was es wolle - und sei es die Glaubwürdigkeit der Darstellung!

Schon Vorwort (von Villeneuve) und Einführung (von Brian Herbert und Anderson) künden nichts Geringeres als die ideale Mischung aus Spannung und Kunst an. Autorin Lapointe schlägt in einer eigenen Einleitung mächtig in dieselbe Kerbe. „Hinter den Kulissen von Dune“ ist kein informatives Werk, sondern eine Weihe: Vor und hinter der Kamera waren demnach ausschließlich Männer und Frauen aktiv, die sich der Verantwortung bewusst waren, Herbert phänomenales Werk gebührend umzusetzen. Alle waren beeindruckt und geehrt, als man sie bat bzw. einlud, an dieser Erfahrung teilzuhaben. Selbstverständlich kannten sie „Dune“ und liebten die Story. Die Schwierigkeiten der Dreharbeiten wurden als Herausforderungen gesehen, an denen man wie der junge Paul Atreides reifte. Vor dem geistigen Auge stand allen Beteiligten die „Dune“-‚Philosophie‘.

Dabei muss man keineswegs ein respektloser Ketzer sein, wenn die Schwächen des zudem in die Jahre gekommenen Epos‘ moniert. Herbert nimmt den Subtext viel zu ernst, während der Kampf zwischen den Häusern Atreides und Harkonnen oder die galaktischen Umtriebe der Besse Generit vor allem wuchtig und wichtig orchestrierte SF-Topoi darstellen, die durchaus in (Esoterik-) Klischees umschlagen. Als Leser merkt man zu deutlich, dass man manipuliert werden soll. Man mag es nicht - und man glaubt erst recht nicht, dass eine Großproduktion wie „Dune“ ohne Auseinandersetzungen zustande kam. Doch jeglicher Disput wird von Lapointe ausgeblendet. Jede/r wusste, was zu tun war, wie auf Schienen glitt „Dune“ dem das Zuschauerhirn auf neue geistige Höhen hievende Finale (sowie der Vorbereitung der natürlich noch viel besseren Fortsetzung) entgegen - eine in dieser ‚Eindeutigkeit‘ schlicht ärgerliche Zumutung.

Fazit:

Während der Text aufgrund seiner liebedienerischen Anbiederung an eine so unwahrscheinliche Entstehungs-Realität mit Vorsicht zu genießen ist, bilden die zahlreichen Abbildungen in ihrer Pracht einen echten Augenschmaus: auch buchhandwerklich ein Hingucker (im Schuber)!

Hinter den Kulissen von DUNE

Tanya Lapointe, Panini

Hinter den Kulissen von DUNE

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