Wie man ein Imperium regiert und damit durchkommt

  • Panini
  • Erschienen: Mai 2022
Wie man ein Imperium regiert und damit durchkommt
Wie man ein Imperium regiert und damit durchkommt
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Lisa Reim-Benke
79°

Phantastik-Couch Rezension vonJul 2022

Die ganze Welt ist eine Bühne …

Als begabter Schauspieler und Stückeschreiber verdient Notker sein Geld damit, berühmte Leute zu imitieren. Zu seinem Repertoire gehört auch Lysimachus, der Held der Stadt. Während der Belagerung, die bereits seit sieben Jahren anhält, hat dieser sich als beliebter Anführer hervorgetan. Doch dummerweise wird Lysimachus bei einem Angriff getötet. Nur drei Stadtoberhäupter wissen jedoch von seinem Tod und haben die grandiose Idee, Notker zu engagieren, damit dieser Lysimachus’ Platz einnimmt und die Moral der Bevölkerung hochhält. Der arme Notker gerät immer weiter in den Schlamassel hinein und sieht sich plötzlich mit der Aufgabe konfrontiert, die Stadt vor den Belagerern zu retten.

Es hätte so viel mehr sein können

Die Erwartungen waren hoch. Nach dem fulminanten Start der Reihe mit „Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen“ legt K. J. Parker nun eine Fortsetzung hin, in der es mit besagter Belagerung weitergeht. Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gezogen und die Leute haben sich mit der immerwährenden Bedrohung abgefunden. Statt Orhan ist es aber nun Schauspieler Notker, der die Geschichte weitererzählt und unfreiwillig die Rolle seines Lebens spielen muss. Eine tolle Idee, die viel Situationskomik, Konflikte und eine wendungsreiche Handlung verspricht. Wenn das einer kann, dann wohl K. J. Parker. Und trotzdem kommt die Fortsetzung nicht an die Grandiosität des Reihenauftakts heran.

Im ersten Teil hat sich Orhan bereits als Vielredner hervorgetan. Notker setzt sogar noch einen drauf: Er erzählt so ausschweifend von den banalsten Dingen, die keinerlei Mehrwert bieten, dass man am liebsten einfach bis zur nächsten Szene weiterblättern würde. Verpassen würde man tatsächlich rein gar nichts. Das Problem ist, dass es überhaupt nur sehr wenige Szenen gibt, besonders in der ersten Hälfte. Vieles wird nur nacherzählt, sodass die eigentlich spannende Geschichte immer wieder von Notkers Gerede zerpflückt wird. Sogar er selbst betont des Öfteren, dass er Schauspieler und kein Schriftsteller sei. Nun ja … das stimmt leider.

Wie man eine mittelmäßige Fortsetzung schreibt und damit durchkommt

Dabei bietet die Handlung alles, was man für eine fesselnde Geschichte braucht. Doch zu oft werden die zahlreichen Konflikte zwar angelegt, aber bei weitem nicht so konsequent durchgezogen wie es im ersten Teil noch der Fall war, als man das Buch schier nicht aus der Hand legen konnte. Auch die Raffinesse und Präzision des Erzählstils vermisst man. Wo Orhan als unzuverlässiger Erzähler für so manche Überraschung gut war, sorgt Notker nur für beherztes Gähnen – und die Gewissheit, dass hinter seinem ganzen Gelaber tatsächlich nichts weiter steckt.

Dennoch: Obwohl man über ein paar Durchhänger hinweglesen muss, entschädigt das Ende allemal. Hier ist Parker (oder Notker?) wieder auf dem gewohnten Niveau unterwegs und schmeißt mit Wendungen um sich, dass einem Hören und Sehen vergeht. Zudem bilden Notker und diverse Nebenfiguren wieder ein urkomisches Ensemble, dem man gerne durch die Geschichte folgt, mag sie noch so langatmig sein. Auch die Originalität des Settings darf nicht unterschätzt werden. So bietet Parker seinen Lesern außergewöhnliche Unterhaltung, wie man sie in der aktuellen Fantasy-Literatur nur selten findet. Das alles rettet dann doch die etwas missglückte Fortsetzung, die sich übrigens auch wunderbar ohne Kenntnisse des ersten Teils lesen lässt. Das schützt zumindest vor der ein oder anderen enttäuschten Erwartung.

Fazit:

Leider kann die Fortsetzung nicht mit dem ersten Band mithalten – was beinahe zu erwarten war. Trotzdem hebt sich der zweite Teil immer noch deutlich von der Masse ab und kann mit einer originellen Geschichte unterhalten. Es bleibt spannend, wie das große Finale der Trilogie ausfallen wird!

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