The Witcher Illustrated (3) – Der letzte Wunsch

  • Heyne
  • Erschienen: November 2022
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The Witcher Illustrated (3) – Der letzte Wunsch
The Witcher Illustrated (3) – Der letzte Wunsch
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Lisa Reim-Benke
79°1001

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2022

Der fatale letzte Wunsch

Wenn Hexer Geralt mit dem Barden Rittersporn unterwegs ist, geht meistens etwas schief. Erst recht, wenn Rittersporn eine Flasche mit einem gefangenen Dschinn aus dem Fluss zieht und nun drei Wünsche frei hat. Der Barde wird bei dieser Begegnung schwer verletzt und Geralt muss die Zauberin Yennefer um Hilfe bitten. Doch diese verfolgt ihre eigenen Pläne, denn einen freilaufenden Dschinn kann sie gut gebrauchen. Als der Kampf mit dem Flaschengeist zu eskalieren droht, kann nur der letzte offene Wunsch die Stadt Rinde vor der kompletten Zerstörung bewahren. Doch sich von einem Dschinn etwas zu wünschen kann weitreichende Folgen haben …

Auftritt Yennefer von Vengerberg

„Der letzte Wunsch“ ist die Kurzgeschichte aus dem Hexer-Universum, in der Yennefer von Vengerberg zum ersten Mal auftaucht. Hier erhalten Leser der Roman-Reihe Antworten darauf, wie es dazu kam, dass Geralt die skrupellose Zauberin als seine Herzensdame erwählte und wie es zu der toxischen On-Off-Beziehung der beiden kam. Mal wieder gerät der arme Geralt unfreiwillig in ein Abenteuer und muss eine Entscheidung treffen, von der das Leben vieler abhängt. Das angespannte Spiel zwischen ihm und Yennefer droht jederzeit zu eskalieren, wobei die Zauberin weit gefährlicher und undurchsichtiger erscheint als der mächtige Dschinn selbst, mit dem sich die beiden anlegen. Dabei beweist Andrzej Sapkowski mal wieder, dass er seine Figuren im Griff hat und sie ungehemmt in dermaßen konfliktgeladene Situationen schickt, dass man sich beim Lesen am liebsten die Augen zuhalten möchte. Aber das sollte man natürlich möglichst vermeiden, denn sonst würde man die Bilder von Mïkael Bourgouin verpassen.

Nicht zu genau hinschauen

Mit der Illustration des dritten Bandes zu den Witcher-Kurzgeschichten wurde Mïkael Bourgouin eine besonders schwere Aufgabe zuteil. Yennefer von Vengerberg ist eine Figur, die sowohl fasziniert als auch abstößt. Ihre Schönheit, Macht, Grausamkeit und Strenge gleichzeitig darzustellen ist nicht einfach, wie schon viele vorangegangene Adaptionen gezeigt haben. Doch damit hat Bourgouin keine Probleme: „Seine“ Yennefer ist außerordentlich gut getroffen, besonders die gebotene Härte in ihren Gesichtszügen wurde hervorragend umgesetzt.

Neben Yennefer taucht auch Rittersporn, Geralts Begleiter und selbsternannter Frauenheld, zum ersten Mal in einem der illustrierten Bände auf. Über dessen Erscheinungsbild werden im Text kaum Worte verloren, eine gute Gelegenheit also, voll und ganz der künstlerischen Freiheit zu frönen. Dennoch orientiert sich Bourgouin bei seiner Darstellung klar an der Witcher-Spielreihe. Vollkommen in Ordnung, denn für mich ist der Rittersporn aus den Spielen sowieso der beste.

Hier hört das Lob aber leider schon auf. Obwohl die Kulissen der Geschichte – wie die Stadt Rinde und deren Zerstörung – gut getroffen wurden, entdeckt man bei den Figuren immer wieder störende schiefe Proportionen; da ist eine Hand schnell mal größer als der ganze Kopf. Dass der Zeichner und Maler ursprünglich aus dem Comic-Bereich kommt, wird dabei schnell deutlich. Gerade die Mimiken der Figuren sind oft übertrieben verzogen dargestellt, Gesichter geraten zu Fratzen, was mit dem realitätsnahen Stil der beiden Vorgängerbände bricht. Auch an deren Detailgrad kommt Bourgouin nicht heran: Hände sind häufig unförmige Klumpen und die Kleidung ist bei weitem nicht so aufwendig verziert. Bei der Ausgestaltung hat sich Bourgouin zudem einige Freiheiten erlaubt, sodass die Bilder manchmal nicht mit dem Text übereinstimmen. Yennefer, die nur schwarz und weiß trägt, hat beispielsweise ein blaues Kleid an und anstatt des stömenden Regens sieht man eine Landschaft, die von einer dicken Scheedecke erdrückt wird – von der nie die Rede ist. Trotzdem ist das alles Jammern auf hohem Niveau, denn dass Mïkael Bourgouin es künstlerisch drauf hat, sieht man dennoch auf jeder Seite.

Fazit:

Für mich ist dies der schwächste Band der illustrierten Hexer-Reihe. Teilweise erscheint mir der Stil des Künstlers zu eigenwillig, was jedoch letztendlich Geschmackssache ist. Die Geschichte selbst ist aber ein wichtiger Meilenstein in Geralts Leben, dem zurecht ein Band in dieser illustrierten Reihe gewidmet wurde.

The Witcher Illustrated (3) – Der letzte Wunsch

Andrzej Sapkowski, Heyne

The Witcher Illustrated (3) – Der letzte Wunsch

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