Ruinen der Elfen (Im Schatten Simyalas 1)
- Piper
- Erschienen: Februar 2025
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Fantasy made in Germany
In jüngerer Vergangenheit war der Zusammenschluss deutscher Fantasy-Autoren ein absolutes Erfolgsrezept. Beispielsweise bieten die „Minen der Macht“ grandiose Unterhaltung. Hierfür haben sich nicht weniger als fünf Federn zusammengetan: Greg Walters, Sam Feuerbach, Mira Valentin, Thorsten Weitze und Bernhard Hennen. Letztgenannter ist ein Wiederholungstäter, der zusammen mit Robert Corvus die preisgekrönte Phileasson-Saga zum Leben erweckte. An dieser Stelle sind wir gleich doppelt beim Thema. Zum einen haben sich für „Im Schatten Simyalas“ ebenfalls zwei Autoren zusammengetan, nämlich Lena Falkenhagen und Thomas Finn, zum anderen widmen sich die beiden wie Hennen und Corvus dem Kontinent Aventurien.
Ob Lena Falkenhagen und Thomas Finn ebenso gelungene Fantasy abliefern können wie die oben genannten Erfolgsautoren, schauen wir uns im Folgenden genauer an.
Das Schwarze Auge
Aventurien ist eine Fantasywelt aus dem Pen-&-Paper-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“, das ursprünglich vom Autor Ulrich Kiesow entwickelt und 1984 veröffentlicht worden ist. Die Welt dieses Rollenspiels bot bereits unzähligen Romanen einen Schauplatz für spannende Fantasy-Abenteuer. Aventurien ist für unser Autorenduo kein Neuland. Wie uns der Einband dieses Romans verrät, arbeiten die beiden Autoren bereits jahrelang an Romanpublikationen im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Rollenspiel. Für alle interessierten Leser dieses neu erschienenen Romans ist an dieser Stelle festzuhalten, dass keinerlei Vorkenntnisse im Zusammenhang mit dem Pen-&-Paper-Rollenspiel notwendig sind, um die Geschichte zu genießen. Einzig die immerwährenden Anspielungen auf Protagonisten der Phileasson-Saga hinterlassen bei Grünschnäbeln dieser Saga – dazu gehöre auch ich – einige Momente wehmütiger Leere darüber, sich nicht an alle Ereignisse und Personen wahrhaftig erinnern zu können. So werden Beorn „den Blender“ und vergangene Schicksalsschlachten zu bloßen Namen und historischen Fakten, die mit wenig Leben befüllt sind. Im Großen und Ganzen kann man diese Problematik jedoch weitgehend ignorieren. Dieses Buch bietet viele neue Figuren, denen Aufmerksamkeit zu widmen sich lohnt. Für Kenner und Liebhaber der Phileasson-Saga ist „Im Schatten Simyalas“, so viel sei verraten, mit Sicherheit eine Delikatesse.
Vom Schicksal erwählt
Die Handlung dieses Romans lässt sich in zwei Stränge spalten. Da wäre zum einen die Skaldin Eyvin, die im nördlichen Aventurien lebt und in einer an die Wikinger angelegten Gesellschaft aufwächst. Als ein Unbekannter in ihrem Dorf auftaucht und ihr offenbart, sie sei die Tochter des berühmten Beorn „den Blender“, steht ihre Welt auf dem Kopf. Die Fänge des Schicksals schlagen zu und zusammen mit dem Unbekannten macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, denn dieser scheint sich offenbar in der Gefangenschaft einer bösen Dunkelelfen-Zauberin zu befinden.
Im zentralen Aventurien schweißt das Schicksal den geheimnisvollen Wulfhardt aus dem Hause Rabenmund mit der schönen Jahrmarktszauberin Franya und dem Halbelfen Lindion zusammen. Unfreiwillig begegnen sie einem Anhänger des namenlosen Gottes und stolpern schnurstracks in ein Abenteuer göttlichen Ausmaßes.
Gut Ding will Weile haben
„Im Schatten Simyalas“ braucht ein wenig, um wirklich in Fahrt zu kommen. Zu Anfang des Romans verblassen die Figuren ein Stück weit im Nebel der Eintönigkeit. Nach der Begegnung mit dem Anhänger des Namenlosen gelangt die Gruppe um den Adligen Wulfhardt in die Baronie Falkenwind. Dort angekommen versucht das Trio, das Eingreifen des finsteren Namenlosen in das Weltgeschehen auf den Grund zu gehen. Ihre Ermittlungen schreiten nur gemächlich voran und die eigentliche Gefahr des Namenlosen ist noch zu abstrakt, um die Lesenden in ihren Bann zu ziehen. Das liegt vor allem in der nebulösen Figur des Wulfhardts von Rabenmund begründet. Die Autoren entscheiden sich dafür, die Geheimnisse seiner, nennen wir es beruflichen Identität, hinter einer Vielzahl an Andeutungen verborgen zu halten. Der Grund für dieses Stilmittel ist klar. Sie wollen rund um diesen Protagonisten eine Sphäre des Unbekannten aufbauen, die ihre abstrahlende Spannung so lange wie möglich aufrechterhält. Wie so oft hat die Medaille jedoch zwei Seiten. Zum einen wird ein Wissenshunger erzeugt, mehr über Wulfhardt zu erfahren, insbesondere woher seine Kenntnisse über den Namenlosen und andere Gefahren stammen und wie er seine weiteren Fähigkeiten erlangte. Zum anderen halten die Autoren seine eigentliche Berufung so lange zurück, dass die aufgebaute Spannung zu Gleichgültigkeit verblasst.
Franya und Lindion sind glücklicherweise von Beginn an ein offenes Buch und interessante Charaktere, die Freude bereiten. Insgesamt gewinnen zwar weder der Plot noch die Figurenzeichnungen einen Innovationspreis, aber solange das Ganze in eine aufregende Geschichte eingebettet ist, gibt es von mir einen Daumen nach oben.
Hat man sich erst ein wenig durch den Roman vorgearbeitet, entfaltet das Werk sein volles Potenzial. Sowohl Eyvins Suche nach ihrem Vater als auch die Ermittlungen rund um den Namenlosen Gott nehmen gewaltig an Fahrt auf. Die Autoren feuern ein gewaltiges Fantasy-Spektakel-Feuerwerk ab, das die Herzen von High-Fantasy-Fans höherschlagen lässt. Die Beziehungen der Figuren untereinander gewinnen an Tiefe und die Gefahr des Bösen wird greifbarer. Ausgefochtene Kämpfe, oft gegen riesige Spinnen (Spinnen sollten wirklich ihre normale Größe beibehalten), sind mitreißend skizziert und die Höhepunkte der Geschichte machen Lust auf mehr. Handwerklich macht Lena Falkenhagen und Thomas Finn so schnell niemand etwas vor, denn der Roman ist sprachlich hochwertig erzählt.
Fazit:
Für Fans der Phileasson-Saga ist dieser Auftakt einer neuen Reihe sicher ein Muss. Fans toll geschriebener High Fantasy mit Orks, Elfen und sprechenden Bäumen (Hoch lebe Baumbart!) werden einen Abstecher nach Aventurien sicherlich ebenfalls nicht bereuen. Auch wenn dieser Roman leichte Startprobleme mit sich bringt, gelingt den Autoren im Laufe der Handlung ein wohlverdienter „U-Turn“. Vorfreude auf Band 2 ist geweckt. Was will man mehr…

Lena Falkenhagen, Thomas Finn, Piper



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