Das Schicksal der Fluchträger - 2: Schicksal & Wille

  • Nova MD
  • Erschienen: November 2024
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Das Schicksal der Fluchträger - 2: Schicksal & Wille
Das Schicksal der Fluchträger - 2: Schicksal & Wille
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Marcel Scharrenbroich
90°1001

Phantastik-Couch Rezension vonFeb 2026

Düstere Begleiter

Getrennte Wege

Es war ein kleiner Sieg, als Fionn sich Prinz Kahrion, dem Silberblonden Teufel von Amkash, erfolgreich entgegenstellte. Jedoch fühlte es sich nicht so an. Zwar hatte er das Schwarze Schwert, Sekhems Fluch, gehalten, ja regelrecht bezwungen, doch was hat es ihm gebracht? Seit die dunkle Klinge in seine Hände fiel, als er gemeinsam mit seinem Freund Kellen einen alten, angeschwemmten Einmaster wieder seetüchtig machen wollte, ging alles den Bach runter. Erst noch aufgeregt ob des erstaunlichen Fundes unter morschen Planken, wich die Neugier schnell einem bösen Erwachen. Visionen und ein mysteriöses Flüstern umgarnten Fionn in dem Moment, in dem er das Siegel brach und die Klinge aus der Scheide zog. Düstere Vorboten. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Junge nicht ahnen, dass sich sein verhältnismäßig sorgenfreies Leben ab diesem Moment für immer verändern würde. Und nicht nur seins. Auch Kellen wurde in dem Augenblick Teil der finsteren Geschichte, in dem er sich an der schwarzen Klinge schnitt. Wurde Fionn in der Anderswelt von Annaur, in die es ihn unvermittelt von der Herzogsburg in Santísmer geschleudert hatte, von der Präsenz des Anderen noch kryptisch auf die Mission vorbereitet, die nun vor ihm liegt, hat der Fluch des schwarzen Stahls Kellen mittlerweile gänzlich übermannt. Die faulige Wunde an seiner Hand breitet sich immer weiter aus. Geschwächt und ohne Bewusstsein, ringt er mit dem Tode. Für Fionn ein unerträglicher Gedanke. Um seinen lieben Freund zu retten, muss er die Reise ins Unbekannte antreten…

Doch wohin soll ihn sein Weg führen? Der Andere sprach lediglich von einem gewaltigen Berg aus schwarzem Salz, wohin er Sekhems Fluch als Auserwählter bringen muss. Tief im Osten, weit ab von bekannten Pfaden. Was soll ihn dort erwarten? Erlösung von seiner Bürde als ungewollter Fluchträger? Rettung für Kellen? Sicher ist nur, dass Sekhems Fluch nicht Prinz Kahrion in die Hände fallen darf. Dieser beabsichtigt nämlich, mit Hilfe des Schwertes ein verheerendes Übel auf die Menschheit loszulassen. Geschmiedet, um dem Namenlosen Schrecken Einhalt zu gebieten, wie es bereits vor Jahrtausenden geschah, liegt das Schicksal der Welt nun in dessen Händen, der Sekhems Fluch führt. Noch ist es Fionn, der jedoch eindringlich davor gewarnt wurde, die Klinge im Kampf einzusetzen. Doch geht es nach dem finsteren Prinzen und den Teufeln von Amkash, soll sich dies so schnell wie möglich ändern.

Fluchtartig entkommt Fionn von der Herzogsburg. Unterstützt durch dunkle Magie, die nur vom unheilvollen Schwert ausgehen kann, lässt er die Mauern… und Kellen… hinter sich, um sich seinem Schicksal zu stellen. Wegbegleiter findet der unerfahrene Junge ungeahnt in Prinz Emyl, der am Hofe bereits mehrfach zu seinen Gunsten in die Bresche sprang. Der Prinz befindet sich zusammen mit dem kauzigen Staudenritter Marbert, der Heim und Hof zu Abenteurer-Zwecken hinter sich ließ, und dem mürrischen Cinned von Addenfells auf dem weiten Weg nach Líohim. Fion schließt sich ihnen an, stößt jedoch schnell an seine Grenzen. Er ist halt kein gestandener, erfahrener Ritter. Er ist nur ein Junge. Verzweifelt und mit einer unbeschreiblichen Last auf seinen schmalen Schultern. Um sich und seinen Freund zu retten, wird er über sich hinauswachsen müssen… besser heute als morgen.

Genre-Frust und Lichtblicke

Ja, ja und nochmals JA! Das ist die Art von Fantasy, die ich lesen möchte. Gerne häufiger, doch BookTok-Trends scheinen immer mehr die Marschrichtung zu diktieren, der viele Verlage dann im Gleichschritt folgen. End vom Lied: ein Überangebot an ähnlich gelagerten Titeln, die inhaltlich meist auf das Gleiche hinauslaufen. Seichte Fastfood-Unterhaltung mit reichlich Kitsch und oft fragwürdigen Tropes, die Rollenbilder zeigen, bei denen mir die (Bart-)Haare zu Berge stehen. Gut… jedem das seine, doch was ist mit der klassischen Heldenreise passiert? Wo ist das Abenteuer, welches ich als Leser miterleben möchte? Versteckt unter klebrig-süßem Zuckerguss, der in überwältigender Masse fast schon ein ganzes Genre zugekleistert hat. Ist die Sehnsucht nach moralisch zweifelhaften Love-Interests derart groß, dass das gute alte Gut-gegen-Böse-Thema komplett ausgestorben ist? Vielleicht bin ich da auf Schwarz/Weiß-Schienen zu festgefahren, aber wenn ich mich für Fantasy entscheide, möchte ich gigantische Welten entdecken, bedrohlichen Kreaturen gegenüberstehen und mitfiebern, wenn Helden (oder die, die irgendwann welche werden wollen) sich ihren Widersachern stellen. Ich möchte schier unüberwindbare Hürden erklimmen, sehen, vor welche Aufgaben die zusammengewürfelten Charaktere als nächstes gestellt werden, mich mit ihnen dem ultimativen Bösen entgegenstellen. Epische Gänsehautmomente spüren, mitleiden, wenn ein Gefährte auf dem beschwerlichen Weg in die ewigen Jagdgründe geschickt wird, den Augenblick der Vergeltung erleben und letztendlich den Sieg auskosten und für einen zufriedenstellenden Moment - dem Lohn der Reise - ausgiebig im Ruhm baden. Ja, natürlich gab es solche Reisen schon in vielen Formen und Farben. Viele Plots beinhalten ähnliche Zutaten, doch ordentlich durchgerührt, hat man schnell mal ein ganz frisches Gericht auf dem Tisch. Streicht man hingegen bei vielen (selbstverständlich nicht allen, dass wir uns da nicht missverstehen) Romantasy/Dark-Academia-Titeln die magische Komponente aus dem Plot, bleibt nicht selten ein ganz normaler Schulalltag, wie die meisten von uns ihn aus der Realität kennen. X schwärmt unerwidert von Y und umgekehrt, Liebeleien hier, Lästereien dort, hin und wieder unerfreuliches Mobbing, was zu sozialen wie privaten Konflikten führt, und fertig.

Vielleicht ist es auch ein Zielgruppen-Ding, doch es fällt mir schwer zu glauben, dass reifere Semester das Lesen von Fantasy-Stoffen plötzlich aufgegeben hätten. Da nützt es auch nichts, wenn erfolgreich etablierte Reihen wieder und wieder in neuer Aufmachung aufgelegt werden, wenn man diese als Vielleser bereits seit Jahren im Regal stehen hat. Ich wage zu behaupten, dass es an fähigen Autorinnen und Autoren nicht mangeln würde, doch die Macht der sozialen Medien, deren „Empfehlungen“ ich in Buchhandlungen im Slalom ausweichen muss, um in hinteren Regalen auf einsame Bücher zu stoßen, die bestimmten Bereiche der Fantasy erst ihre Bezeichnungen gaben, wird nur zu deutlich klar, dass der Markt in einem Umbruch ist, der für Fantasy-Freunde immer eintöniger wird. Alle springen auf den gleichen Zug auf, um etwas vom Kuchen abzugreifen, so lange er noch warm ist. Noch schlimmer, dass man mit Argusaugen durch die (Sub-)Genre-Landschaft tigern muss, um auf spannend klingende Titel zu stoßen, da immer öfter auf Veröffentlichungen im Selbstverlag gesetzt wird. Der Vorteil hierbei, dass die Kreativen hier die Zügel in der Hand behalten und nicht auf Trend-Vorgaben reagieren müssen. Nachteil: es muss erstmal in Eigenregie auf einen Titel aufmerksam gemacht werden, da namhafte Verlage beim Marketing in der Hinterhand fehlen. Umso befriedigender, wenn man als Leserin oder Leser dann eine Perle aus dem Teich fischt, die unverwässert die volle Intention ihres Verfassers widergibt.

So auch hier…

Philipp C. Niklas hat für sein Debüt den Weg über den Selbstverlag gewählt. Und das aus mehreren Gründen. Wie der junge Autor selbst in seinem Blog schrieb, verschlang die Entwicklung des ersten Handlungsbogens seiner „Chroniken von Salz und Asche“ rund vier Jahre. Herausgekommen ist ein Manuskript mit mehr als eintausend Seiten. Um auch die Kosten zu minimieren - immerhin ging er mit der Veröffentlichung als Debüt-Autor, der noch nicht absehen konnte, wie sein Erstling von der Leserschaft aufgenommen werden würde, ein schwer zu kalkulierendes Risiko ein -, entschied er sich, „Das Schicksal der Fluchträger“ auf zwei Bücher aufzuteilen. Da ist Niklas nicht der erste Autor, denn ein Cliffhanger wird gerne mal genutzt, um das angefixte Publikum neugierig auf eine kommende Fortsetzung zu machen. Hier verhält es sich aber anders, denn Philipp C. Niklas legt Wert darauf, dass „Träume & Erinnerungen“ und „Schicksal & Wille“ keine voneinander getrennten Erzählungen sind, sondern eine zusammenhängende Geschichte bilden: „Das Schicksal der Fluchträger“.

Weitere Kapitel aus den „Chroniken von Salz und Asche“ befinden sich derzeit in Arbeit, worauf ich mich übrigens extrem freue. Niklas strebt eine ähnliche Veröffentlichung an. Also die Bücher 3 und 4 seiner Saga, die dann wiederum einen weiteren Story-Arc unter einem neuen Titel bilden werden.

Im Fall von „Das Schicksal der Fluchträger“ hat die Aufteilung auf zwei Bücher hervorragend funktioniert. Die Geschichte wird zwar nahtlos weitererzählt, bringt aber dennoch viele Neuerungen mit, sodass sich beide Bücher tonal voneinander unterscheiden. Der wohl größte Unterschied ist, dass die beiden Hauptfiguren Fionn und Kellen hier getrennt voneinander unterwegs sind. Abwechslung gab es zwar schon in „Träume & Erinnerungen“, dem ersten Band, reichlich, da Niklas nicht nur aus den Blickwinkeln der Helden erzählte, sondern auch der Gegenseite reichlich Tiefe verlieh, doch die Trennung des Duos schafft zusätzlich Raum für neue Konflikte. Und für neue Weggefährten! Davon gibt es eine ganze Menge, was ordentlich für Dynamik sorgt. Zwischen Freund und Feind lässt sich in dieser rauen Welt nämlich nur schwer unterscheiden. Undurchsichtige Gesellen sorgen dafür, dass Fionn und Kellen (und natürlich auch Sam, die abseits des Geschehens um Sekhems Fluch noch immer in den Schwarzsalzminen schuftet!) auf ihren eh schon beschwerlichen Reisen weitere Steine in den Weg gelegt werden.

Fazit:

Auf stolzen 640 Seiten schafft Philipp C. Niklas wahrlich Episches. Eine spannende Heldenreise mit Tiefgang, körperlichen und charakterlichen Herausforderungen, tiefgehenden Einblicken in die Motivation der Gegenseite und dem richtigen Gespür dafür, wie man eine Story aufbaut und lenkt. Die Perspektivwechsel finden genau in den richtigen Momenten statt, um die Spannung konstant hochzuhalten. Und erstaunlicherweise stellen sich bei diesen Kapitel-Cliffhangern nicht bekannte „Argh, ich will JETZT wissen, wie es mit Charakter X/Y weitergeht!“-Momente ein, denn wirklich JEDER Handlungsbogen bietet Spannung mit interessanten Protagonisten. Sprachlich hervorragend und auf jeder Seite spürbar, dass es ein Herzensprojekt ist.

Das Schicksal der Fluchträger - 2: Schicksal & Wille

Philipp C. Niklas, Nova MD

Das Schicksal der Fluchträger - 2: Schicksal & Wille

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