Im Schloss (Gormenghast 2)

Erschienen: August 2010

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Almut Oetjen
Eine Welt der Rebellion

Buch-Rezension von Almut Oetjen Okt 2006

"Im Schloss" ist der zweite Band der "Gormenghast-Trilogie" von Mervyn Peake. Titus ist zu Beginn sieben Jahre alt. Nach dem Tod seines Vaters ist er Herrscher Gormenghasts. Zugleich besucht er die Schule, in der er wie jedes andere Kind behandelt werden soll. So muss er sich mit zwei Systemen der Repression auseinandersetzen - der Herrschaftsbürokratie und dem Bildungsapparat. Umso stärker begehrt er auf, entflieht bei Gelegenheiten dem Schloss und dessen Erstarrung. Titus entwickelt sich zu der Kraft, die Steerpike bei dessen Bestrebungen zur Machterweiterung hinderlich wird. Titus wächst zu einem jungen Mann heran, andere Bewohner des Schlosses leben auf unnatürliche Weise ab.

Die Welt von Gormenghast ist weiterhin im Begriff, durch eine neue ersetzt zu werden. Zwar ist Gormenghast ein System im Zerfall und kann deshalb grundsätzlich auch sich selbst erhaltend sein. Aber für den Systemabrieb wird kein Ausgleich geschaffen, im Gegenteil wirken noch zufällige Beschleunigungskräfte, deren wichtigste in Band 1 Steerpike ist. Der kümmert sich nicht im Geringsten um Traditionen, die für Gormenghast so wichtig sind. Er hat sich vom Status Quo verabschiedet und stellt als "Wind of Change" eine größere Gefahr dar als im ersten Teil. Oder, wie es die Gräfin einmal sagt: Steerpike wird die Seele Gormenghasts zerstören. Steerpike spinnt Intrigen und konstruiert gefährliche Lügengebilde, durch die Titus' Tanten, die Schwestern Cora und Clarice, noch stärker in ihren Möglichkeiten beschränkt werden als je zuvor. Es fällt ihm leicht, Vertrauen zu schaffen, was ihm allein bei Gräfin Gertrude, Titus und Doktor Prunesquallor nicht gelingt.

Im zweiten Teil zeigt sich deutlich, dass Steerpike keine rein kybernetische Größe ist, sondern ein böser Charakter, der dem Reich die Tyrannei bringt. Für ihn liegt in seinem Handeln kein Lustgewinn, er ist kein Abenteurer, sondern verändert nur die bestehende Ordnung, weil er nicht anders kann.

Titus hingegen steht für eine andere Qualität von Rebellion. Er versucht der Welt, die ihn hervorgebracht hat, vollständig zu entkommen. Sein Handeln ist, anders als das Steerpikes, bestimmt durch Instinkt und Verzweiflung. Er rebelliert damit fundamental gegen sein Geburtsrecht. Wo Steerpike einer Maschinenlogik folgt, erscheint Titus irrational. Wo Steerpike die bestehende Ordnung leidenschaftslos und rational über den Haufen wirft, richtet sich der Widerstand von Titus gegen sein inneres Selbst, seine Identität und ist emotional bestimmt, auf Freiheit statt Tyrannei ausgerichtet. Nicht umsonst flüchtet sich Titus häufig in den Wald. Eine entscheidende Kraft im Leben von Titus wird die Tochter Kedas, die als "Ding" bezeichnet wird und in den Wäldern lebt.

Eine wichtige Erweiterung erfährt die Geschichte dadurch, dass Titus einen beachtlichen Teil seines Lebens in der Schule verbringt, in der er eine Reihe skurriler Professoren erlebt, darunter vor allem Bellgrove, den späteren Schulleiter und eine zentrale Figur in seiner Entwicklung. Die Professoren reiben sich in dummen Konkurrenzkämpfen auf und unterscheiden sich oft kaum von ihren Schülern. Als Irma Prunesquallor heiraten will und die Professoren einlädt, erfahren diese eine neue Dimension des Grauens - wissen sie doch gar nicht, wie sie mit einer Frau umgehen sollen.

Titus ist als Erbe Gormenghasts in ein Gefüge aus Traditionen und alten Gesetzen eingebunden, die eine Gegenkraft zu seinem Drang nach individueller Freiheit bilden. Dieser Konflikt durchzieht den Roman als Haupthema.

Auch in der Fortsetzung seiner Gormenghast-Reihe erweist sich Peake als ein außergewöhnlicher Architekt einer Anderswelt.

(Almut Oetjen, Juli 2012)

Im Schloss (Gormenghast 2)

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