Kalter Mittwoch

Erschienen: Januar 2007

Couch-Wertung:

76°
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Verena Wolf
Auf Schatzsuche in der Grenzsee

Buch-Rezension von Verena Wolf Jul 2007

Zwei der sieben Schlüssel des Hauses hat Arthur in seinen letzten Abenteuern schon ergattert. Es war nicht einfach, aber er hat die bösen Herrn Montag und Dienstag besiegt und abgesetzt. Eigentlich will er einfach nur seine Ruhe haben und sein ganz normales Leben führen, aber er ahnt schon, das wird nichts, denn am Ende des letzten Buches ist ihm prompt eine Einladung von Lady Mittwoch ins (Kranken-)Haus geflattert, in dem er mit gebrochenen Bein liegt. Für ein Menü mit 17 Gängen.

Unter Piraten

Als er von seiner Freundin Blatt besucht wird, passiert es. Eine Riesenwelle schlägt über Blatt und Arthur zusammen. Sie finden sich auf einem riesigen Ozean treibend wieder, das Krankenhausbett als Hilfsfloß. Unglücklicherweise verlieren sich die beiden aus den Augen, Arthur wird von ";die Motte"; aufgelesen, ergattert dummerweise aber vorher - eher zufällig - den Schatz des Piraten Fieberauges und wird ab da von ihm gejagt. Aber das ist nicht sein einziges Problem. Blatt wird offensichtlich gefangen gehalten und Lady Mittwoch ist durch einen Fluch in einen riesigen Wal verwandelt und frisst alles, was ihr vor das Riesenmaul kommt. Wenigstens will sie anders als die anderen Tage Arthur nicht töten, sondern hofft von ihm erlöst zu werden, nur weiß auch sie nicht, wo das Vermächtnis ist. Als Arthur es schließlich erfährt, muss er sich auf eine gefährliche Reise mit einem klapprigen U-Boot machen, Ziel ist das Piratennest seines neuen Todfeinds Fieberauge.

Da der dritte Band der Serie ";Schlüssel zum Königreich"; in der Grenzsee des Reiches des Hauses spielt, ist es diesmal eine Story zwischen Schatzinsel und ";Fluch der Karibik";, aber mit Garth Nix´ ganz eigenem Stil und fantastischen Einfällen. Auf der Suche nach dem Vermächtnis trifft Arthur auf finstere Piraten, aufrechte Matrosen, Segelschiffe und muss sich mit cleveren Wasserratten verbünden, die menschengroß mit allem handeln, was Geld einbringt. Aber trotzdem ist die Grenzsee eindeutig Teil des Hauses: Zauberer lassen Schiffe in riesige Puzzle fahren, Kutter sind halb Schiff, halb Kontor und manches Geheimnis ruht im Magen eines Wales.

Neue Einfälle und skurrile Freunde

Was Garth Nix sehr gut hin bekommt, ist, dass die Rahmengeschichte klar ist: Arthur muss den nächsten Schlüssel in seine Gewalt bekommen, um so den nächsten Teil des Vermächtnisses zu befreien. Genauso wie klar ist, nach und nach muss er wohl auch noch die Tage Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag besiegen. Aber trotzdem schafft er es in diesem Rahmen extrem kurzweilig zu variieren. Und auch Arthur und seine Freunde entwickeln sich. Arthur kennt sich besser aus und wird durch seine bisherigen Erfolge selbstsicherer und hat längst nicht mehr nur Anfängerglück. Susi und Arthur sind wieder ein herrliches Gespann, gerade weil man beim Lesen merkt, dass sie sich bereits auch schon besser kennen und wissen, dass sie sich auf einander verlassen können. Sie lassen sich nicht mehr treiben, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand. Gemeinsam meistern sie mit lakonischen Humor beherzt die Herausforderungen und wuseln sich kaltschnäuzig auch durch Situationen, bei denen sie nicht einmal genau wissen, worum es genau geht:

";Glaubt Ihr an den Karpfen?"; fragte der Bürger.
";Äh, ich weiß nicht genau, was du meinst,"; sagte Arthur.
";Ist das ein Nein? "; fragte der Bürger nach.
Arthur warf einen verstohlenen Blick auf seine bogentragenden Kollegen.
";Wir glauben an den Karpfen, nicht wahr, Susi?";
";Logo";, bekräftigte Susi. ";Ich glaube alles, was du willst.";

Es macht Spaß die alten Bekannten wiederzutreffen und wieder in die skurrile Welt diesmal wörtlich einzutauchen, aber auch die Neuzugänge wie Sonnenstich, Kapitän Katzenkissen und Doktor Scamandros, dessen Tätowierungen sich je nach Stimmung verändern, sind jede Zeile wert. Das Vermächtnis ist wie seine anderen Teile bisher ein wenig anstrengend, herrlich exzentrisch und klasse erfunden! Ach, und bitte merken: mal öfter nach oben gucken!

Also lange Rede, kurzer Sinn. ";Kalter Mittwoch"; hält auch absolut, was die zwei Vorgänger versprachen und hielten. Die Geschichte ist abenteuerlich, spannend und wird jugendlichen Lesen, die die eigentliche Zielgruppe sind, aber auch Lesern, die schon etwas länger angeheuert haben, sicher gefallen. Zu guter letzt noch ein Lob auf die Aufmachung von ";Kalter Mittwoch";. Der schön gestaltete Hardcover-Einband und die tollen Bleistiftillustrationen von Daniel Ernle machen es selbst zu einem kleinen Schatzbüchelchen. Ich freue mich jetzt schon auf Teil vier!

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