Gerechter Zorn

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2009
Gerechter Zorn
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Carsten Kuhr
70°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Jan 2009

„Aufgepasst, ihr Zwergen-Fans! Jetzt kommen die Bösen, die Albae nahen

Schon seit Äonen sind den unsterblichen Herrschern der Albae ihre hellen Brüder, die Elfen, ein Dorn im Auge. Geschützt durch eine unbezwingbare Festung der Zwerge leben diese unerreichbar in Sicherheit. Jetzt aber zeichnet sich eine Möglichkeit ab, den alten Traum, die Elfen zu bezwingen, doch noch wahr werden zu lassen. Weit entfernt von Dsôn Faïmon, dem Reich der Albae, regt sich eine Macht - ein Dämon, mit dessen Hilfe die Feste erobert und der Durchgang erzwungen werden soll.

Zwei Streiter der Albae werden ausgesandt, die Unterstützung des Dämons zu sichern. Beide sind herausragende Albae, als furchtbare Kämpfer, Vordenker und Künstler gleichermaßen beim Volk beliebt und geachtet. Dass sie beide einander hassen, dass jeder versucht, den Anderen auszustechen, soll dazu beitragen, die Mission schnell und erfolgreich zu einem Abschluss zu bringen.

Verfolgt von der menschlichen Sklavin eines der Albae gilt es, Abenteuer zu bestehen, Gefechte zu überleben, Gefangenschaft und Folter zu entfliehen, nur um am Ende einzusehen, dass nur mit vereinten Kräften die Mission bewältigt werden kann. Doch dann erweist sich, dass der vermeintliche Verbündete einen eigenen Kopf hat ...

Schluss mit lustig oder der Reiz des Bösen

Jahrelang dominierten die Zwerge-Romane aus der Heitz´schen Versschmiede die Bestsellerlisten. Wie kaum ein zweiter hat der sympathische Autor es verstanden, gerade jugendliche Leser zum Medium Buch greifen zu lassen und mitzunehmen auf seine archaische Welt. An der Seite der kleinen Helden ging es hinein ins Abenteuer, fiese Verräter galt es zu enttarnen, böse Zauberer zu bekämpfen. Auch die unsterblichen Dunkelelfen, die Albae, spielten eine unrühmliche Rolle als Gegner unserer Helden.

Nun schien die Geschichte der Zwerge erzählt und Heitz, wie auch sein Verlag, suchten nach einer neuen Bühne. Schnell war klar, dass das Geborgene Land noch genügend weiße Flecken aufweisen würde, als dass man es sang- und klanglos untergehen lassen könnte, und auch eine interessante Rasse war schnell gefunden. Warum nicht? Die Orks hatten die Richtung ja vorgegeben, einmal wieder eine der Bösewichter ins Zentrum des Bildes setzen?

Markus Heitz macht das auch gar nicht ungeschickt. Gerade zu Beginn schockt er seine Leser regelrecht mit der dunklen Art des Albae. Bereits im ersten Kapitel wird einer Sklavin für eine Nichtigkeit ihr Augenlicht genommen, wird an einem lebendigen Sklaven eine Gehirnoperationen durchgeführt, um dessen Aufsässigkeit zu unterbinden. Die Nutzung menschlicher Körperflüssigkeiten und Knochen, um daraus Kunstwerke zu schaffen, gesellt sich zu diesem Bild. Das ist sicherlich zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, atmet aber recht geschickt die Stimmung des Bösen.

Gerade in der Gestalt des Sinthoras, der voller Elan und Geltungssucht seine Pläne vorantreibt, ist dem Autor ein überzeugendes Bild eines Albae gelungen. Demgegenüber nimmt sich Caphalor, der Begleiter, doch sehr gemäßigt aus. Zwar hält auch dieser menschliche Sklaven zur Bewirtschaftung seiner Güter und schafft aus deren Gebeinen filigrane Kunstwerke, dennoch agiert er eher menschlich. Eine recht deutliche Zweiteilung in den guten und den bösen Albae wird sichtbar. Diese Vermenschlichung, so verständlich sie zum Zweck den Stoff für ein breites Publikum attraktiv zu machen auch ist, nimmt dem Roman so manches an Reiz. Ich hätte mit gewünscht, dass Heitz den Mut besessen hätte, hier seine Albae weiterhin durchgängig als durch die Wesenszüge und ihre Unsterblichkeit gegenüber anderen grausame und gleichgültig agierende Wesen zu beschreiben.

Verpackt hat Heitz seine Beschreibung einer dunklen Fantasy-Rasse in einen rasant ablaufenden Abenteuerplot, der für seine Leser all das bereit hält, was man von einem echten Heitz erwartet. Es gilt, Abenteuer satt zu bestehen. Verrat und dunkle Gefahren drohen ebenso wie die unheilige Macht der Liebe.

Im Finale schließlich vermenschlicht der Autor seine Gestalten dann zusehends, verliert deren Eigenheiten zugunsten einer packenden Kampfschilderung fast ein wenig aus den Augen. Doch projektierte zwei Folgeromane werden ihm hier sicherlich den Raum geben, uns weiter die dunkle Seite der Fantasy zu präsentieren.

Gerechter Zorn

Markus Heitz, Piper

Gerechter Zorn

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