Sherlock Holmes im Reich des Cthulhu

Erschienen: Januar 2008

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Elmar Huber
Weniger wäre mehr gewesen

Buch-Rezension von Elmar Huber Feb 2009

„Ich hielt inne, als ich Lestrades Blick folgte. Der Finger war aus der Schachtel gekrochen und wanderte langsam über die Tischdecke, auf Lestrade zu."

Auf der Treppe der Baker Street 221b liegt ein Toter, der offensichtlich auf dem Weg war, Sherlock Holmes zu konsultieren. Dieser Mordfall ist nur der Auftakt eines Falles, der Holmes und Watson bis über den Rand der Rationalität hinaus führt.

Leider teilt auch „Im Reich des Cthulhu" das Schicksal vieler romanlanger Holmes-Pastiches. Unter den Autoren scheint ein Wettstreit im Gange zu sein, mit wie vielen Rätseln sich Sherlock Holmes gleichzeitig beschäftigen kann. Für „Im Reich des Cthulhu" warten gleich zwei schier unerschöpfliche Quellen darauf, geplündert zu werden. Nämlich H.P. Lovecrafts Monsterfamilien-Universum und die Fälle des berühmtesten Detektivs aller Zeiten. Und Klaus-Peter Walter schöpft auch sofort aus den Vollen. Zu Anfang noch zurückhaltend, beleuchtet er einige Momente früherer Holmes-Geschichten neu und setzt diese so in einen neuen Zusammenhang. Das gelingt auch ausgesprochen gut und empfiehlt Klaus-Peter Walter als Kenner der Materie. Doch bald häufen sich die Seltsamkeiten und rätselhaften Beobachtungen, die Holmes unter die Lupe nehmen muss. Hier habe ich bereits den Überblick verloren. Weniger wäre hier viel mehr gewesen. Auch dass Holmes selbst das Übernatürliche nicht nur unbesehen akzeptiert, sondern sich auch noch dienlich macht, entfremdet die bekannte Figur dem Leser.

Weder Holmes noch Cthulhu

Die Möglichkeiten, die beiden - gar nicht so unterschiedlichen - Universen zu verschmelzen, wurden leider hier nicht genutzt. Viel wichtiger scheint es dem Autor zu sein, den Leser mit immer neuen, unnachvollziehbaren Wendungen und Ereignissen zu konfrontieren. Dass das Unterfangen gelingen kann, beweist allerdings die empfehlenswerte Sammlung „Schatten über Baker Street" aus dem Lübbe-Verlag.

Klaus-Peter Walter beschreibt im Nachwort seine Inspirationsquellen und mir drängt sich der Eindruck auf, dass er sich hat schlicht übermannen lassen von einem solchen Füllhorn an Möglichkeiten. Auch plündert er nicht nur den Cthulhu-Mythos und den Holmes-Fundus, sondern zwingt noch zahlreiche weitere Bestandteile der Popkultur in seine Geschichte. Manches ist durchaus gelungen, wie etwa das Zusammentreffen von Sherlock Holmes und Prof. Challenger (aus Arthur Conan Doyles „Die verlorene Welt"). Doch solche gelungenen Augenblicke gehen in der schieren Fülle von unerwarteten Begegnungen einfach unter. Nichts gegen den Ideenreichtum des Autors und die Freiheit, verschiedene Mythen zu verschmelzen, doch das alles sollte im Dienste einer Geschichte stehen und diese nicht erdrücken.

„Im Reich des Cthulhu" erschien als erster Band der 2008 neu gestarteten Sherlock Holmes-Hardcover-Reihe im Blitz-Verlag. Das Äußere lässt, wie immer, wenn Mark Freier am Werk war, keine Wünsche offen. Ein edler Band, der sich im Regal gut macht.

Sherlock Holmes im Reich des Cthulhu

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