Held aller Zeiten: Die Nebelgeborenen 3

Erschienen: Mai 2019

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Verena Wolf
Hut ab vor diesem Fantasy-Epos

Buch-Rezension von Verena Wolf Jan 2010

Zu Beginn von "Die Herrscher des Lichts" (in der Neuausgabe von 2019 unter dem Titel "Held aller Zeiten") ist die Situation verfahren. Vin wollte nur das Beste, als sie am Ende des zweiten Bandes "Krieger des Feuers" bei der Quelle der Erhebung die Macht frei ließ, um nicht denselben Fehler zu machen wie der oberste Herrscher, der die Macht damals selbst gebrauchte. Aber damit ließ sie Ruin frei, eine tödliche Macht mit einem eigenen Bewusstsein, die nun die Welt der Nebelkinder vernichten will. Wie kann man ihn aufhalten?

Die Magie der Metalle

Brandon Sanderson schafft es, sein ausgeklügeltes Magie-System noch um eine weitere Facette zu bereichern: zur schon bekannten allomantischen und ferrochemischen Kraft kommt die hämalurgische Kraft. Man merkt erst in diesem Band, dass man sie schon längst kannte, nur nicht verstand. Was noch erstaunlicher ist, von dem ausgeklügelten Magiesystem abgesehen, ist jedes Detail der ersten zwei Teile, auch wenn man damals darüber weg gelesen hat, bedeutungsvoll und ein Bruchstück eines in sich schlüssigen Systems. Die Fäden und Ereignisse der komplexen Nebelwelt werden jetzt zusammengeführt. Das macht die Geschichte nur noch spannender, denn wie die verzweifelten Charaktere fürchtet man, dass Ruin immer einen Schritt voraus ist, da er einfach so viel mehr weiß und schon immer wusste. Im Anhang gibt es eine Zusammenfassung der vorhergegeangenen zwei Bände, sehr hilfreich für Neueinsteiger, auch wenn man jedem nur empfehlen kann, "Kinder des Nebels" und "Krieger des Feuers" als Ganzes zu lesen, weil es sich schlichtweg lohnt. Auch das Magiesystem ist gut aufgeschlüsselt und zusammen mit dem Index und den Karten sinnvolles Bonusmaterial.

Ein Manko ist nur Sandersons Hang zu Wiederholungen. Dass Vin und Elant so ihre Probleme mit ihrer Identität mächtige Kämpferin versus schüchternes Straßenkind beziehungsweise Träumer versus Realist haben, wissen wir. Genauso hat man langsam begriffen, was ein Raucher oder was ein Nebeling ist, das muss man nicht dauernd zusätzlich zu Schlagwortverzeichnis und Zusammenfassung breit erklären. Hier hätte der Rotstift des Lektors gut getan. Dementsprechend hat das Buch im Mittelteil einige Längen.

Doppelter Boden und die wahren Helden

Der rote Faden, der durch den ersten und zweiten Band läuft, kommt hier noch stärker zum Tragen: Ist das, was du zu wissen glaubst, wirklich so? Gibt es nicht noch eine Geschichte hinter der Geschichte des Landes, einen Sinn, der dir gerade noch verschlossen bleibt? Mit dieser Idee spielt Sanderson fantastisch. Der Leser schaut allmählich hinter die Kulissen des wahren Geschehens und das zeigt vieles in ganz neuem Licht. Niemand ist hier eindimensional gut oder böse - nicht einmal der oberste Herrscher, nicht einmal Ruin. Das macht das Buch so spannend, fesselnd und schlichtweg gut. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, was der Story zusätzliche Tiefe gibt. Die kursiv gesetzten Zeilen, die jedes Kapitel wie Auszüge aus einem Tagebuch einläuten, beginnen mit "Unglücklicherweise bin ich der Held aller Zeiten". Aber der Leser weiß aus den ersten beiden Bänden, dass diese vorgestellten Zeilen einen gern in die Irre führen, um so brennender möchte man wissen: wer ist es denn nun und was bedeutet das für die Geschichte und das Schicksal der Welt?

Eine gewisse lakonische Melancholie liegt über allem, bereits verstorbene Charaktere fehlen den übrig gebliebenen Rebellen - und dem Leser - schmerzlich. Brandon Sanderson schafft es atmosphärisch, das Buch mit Bravour abzuschließen. Er beweist, dass er nicht nur wunderbar erzählen kann und originelle Ideen hat, sondern das Schiff sauber in den Hafen segelt. Das Ende ist dramatisch mit Hang zur fantastischen Bombastik, aber übertreibt nicht, sondern liefert schlichtweg ganz großes Kino. Es fesselt, wie sich alle Teile der Saga zu einem logischen Ganzen fügen und alles, die Prophezeiung, die Tagebucheinträge einen Sinn ergeben. Man merkt, wie viel Gehirnschmalz Sanderson in diese Trilogie als Ganzes gesteckt hat und nicht nur einen überraschend erfolgreichen ersten Band stumpf weiterschreibt, weil es Geld bringt. Mit einem Kloß im Hals liest man, wie die Charaktere ihre Rollen, ja ihr Schicksal erfüllen und schlägt mit wehem Herzen das Buch zu. Eine wunderbares Fantasy-Meisterwerk ist zu Ende. Aber man wird es nicht vergessen. Respekt!

Held aller Zeiten: Die Nebelgeborenen 3

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