Biss zum ersten Sonnenstrahl

Erschienen: Januar 2010

Couch-Wertung:

52°
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Anja Helmers
Nicht heiß, nicht kalt

Rezension von Anja Helmers Aug 2010

Die 15jährige Bree Tanner ist seit drei Monaten kein Mensch mehr. Sie gehört einer Gruppe von neugeborenen Vampiren an, die sich kaum unter Kontrolle haben. Nachts ziehen sie durch Seattle und morden wahllos, um ihre Blutgier zu stillen und tagsüber verstecken sie sich in Kellern von verlassenen Häusern. Riley, der Anführer und älteste Vampir dieser Zweckgemeinschaft, führt ein rigoroses Regiment, gibt die wenigen Regeln aus, teilt die Jagdgruppen ein und warnt alle eindringlich vor dem Sonnenlicht. Beherrscht von ständig aufkeimenden Aggressionen durch die erzwungene Nähe, bringen sich die Neugeborenen bei jeder Gelegenheit gegenseitig um.

Bree ist Einzelgängerin, sie hat sich bisher geschickt im Hintergrund gehalten und ist allen Konfrontationen durch permanente Wachsamkeit aus dem Weg gegangen. Während einer Jagd wird sie zusammen mit Diego, einem von Rileys Lieblingen, von dem Rest der Gruppe getrennt. Gezwungener Maßen verbringen sie den Tag in einer Unterwasserhöhle. Gemeinsam entdecken sie, dass Riley sie belogen hat und dass ihr Anführer anscheinend noch andere Geheimnisse vor der Gruppe verbirgt.

Das geht nicht gut aus ...

...weiß jeder Fan, der die "Twilight"-Reihe gelesen hat und somit fragt man sich, wieso man sich ein Buch zulegen sollte, dessen Ende man bereits kennt. Bringt es wirklich so viele interessante neue Aspekte?

Die Protagonistin Bree Tanner spielt nur eine kurze Nebenrolle im dritten Buch der Reihe, die nicht besonders heraus sticht oder Anlass bietet, die Hintergründe dieser Figur genauer auszuleuchten.

Die Autorin gibt in ihrem Vorwort eine Begründung, warum sie sich der Figur zugewandt hat. Dass Bree beim Überarbeiten von "Biss zum Abendrot" sich zu einer Figur mit einem deutlichen Eigenleben entwickelte. Und daraus ist dann das vorliegende Buch entstanden. Meyer selber nennt als Unterschied zu ihren vorherigen "Twilight"-Büchern, dass sie mit Bree zum ersten Mal aus der Perspektive einer ´echten' Vampirin erzählt, einer Jägerin, einem Monster. Aber genau diesem Ansatz wird sie nicht gerecht. Bree hat zwar all die Instinkte und vor allem die erbarmungslose Blutgier, wie man sie von einem normalen Vampir erwartet, aber sie ist eben kein Monster. Sie tötet wie ein Raubtier, um überleben zu können, stellt diese Prämisse als ihr natürliches Bedürfnis, wie Hunger und Durst beim Menschen, nicht in Frage. Das aber macht sie noch lange nicht zum Monster. Ich würde einen Löwen oder Tiger auch nicht als Monster bezeichnen, nur weil er jagt und seine Beute auffrisst. Dazu gehört nach meinem Verständnis mehr.

Bree ist eine Teenager aus desolaten Familienverhältnissen, die sich auch als Vampir in weiten Bereichen wie ein Mädchen ihres Alters verhält. Die neben Wut und Angst ebenso Zuneigung und Trauer fühlen kann. Eine unsichere Fünfzehnjährige, die Diego gegenüber anfangs sehr misstrauisch ist, aber schnell seine Qualitäten erkennt, denn er ist klüger als die anderen Vampire. Sie kann sich mit ihm normal unterhalten und sogar mit ihm lachen. Auch Bree ist intelligent, geschickt hat sie eine Nische gefunden, um den lebensgefährlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe aus dem Weg zu gehen.

Von Bree Tanners menschlichem Leben erfährt man nur wenig. Sie gehörte zum ´Abschaum' der Gesellschaft, -Drogendealer, Junkies, Huren, Straßenkinder -, wie die meisten ihrer Vampirgefährten und wie die bevorzugte menschliche Beute der Gruppe eben auch. Leider geht Meyer in diesem Punkt nur den klischeehaften Weg, ohne ihre Figur mit Leben zu füllen, indem sie ihr einen Background gibt, der nicht mehr ist als eine tausendfach benutzte Standardvariante einer zerrütteten Familie. Ein prügelnder Vater, dem die Frau weggelaufen ist, der seine Tochter demütigt und klein hält, bis auch sie ihm wegläuft.

Die Details sind lässliche Kleinigkeiten, die nur als notwendige Informationen gelesen werden und nur der Logik zum Aufbau der schmalen Geschichte dienen.

Und natürlich eine Liebesgeschichte

Wichtiger für die Zielgruppe dürfte die schmerzliche Lovestory mit Diego sein. Die ist nett, aber ebenfalls vorhersehbar, denn sie verläuft in gewohnten Meyerschen Bahnen.

Die einzige interessante Figur ist Freaky Fred und seine besondere Fähigkeit. Über diese Figur hätte ich gerne mehr erfahren, an Meyers Stelle hätte ich ihn als Protagonist gewählt und nicht eine so Bella-ähnliche Figur wie Bree. Eine feine Idee, einen Vampir mit einer Ekelaura auszustatten. Das hebt sich angenehm ab von all den verführerischen, edlen Glitzergestalten und hätte mehr Potenzial geboten als Diego.

Aber die Autorin traut sich nicht, ihre Leser zu verschrecken, sondern bietet lauwarme Kost, damit der Teig auch schön aufgehen kann. Der Stil ist gewohnt leicht und flüssig zu lesen, ohne große Ansprüche. Die Ich-Perspektive wird beibehalten. Die geschilderte Gewalt kommt schmerzlos rüber. Das liest man, hakt es ab, es wirkt weder verstörend noch nachhaltig.

Fazit: "Biss zum ersten Sonnenstrahl" ist nicht kalt genug, um einen Fan richtig zu vergrätzen, aber auch nicht heiß genug, um richtig zu erglühen.

Biss zum ersten Sonnenstrahl

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