Halloween - Filmtipps 7
von Marcel Scharrenbroich
WATCH OR TREAT VII oder „Aller guten Dinge sind… Se7en?“
„Horror“ können wir…
So, so… Herbst 2026, ja? Wie ist DAS denn so schnell passiert? Gefühlt suche ich noch immer Ostereier, während ich dabei in meinem Karnevalskostüm hier und da über liegengebliebene Weihnachtsdekoration stolpere, und da kündigt sich plötzlich SCHON WIEDER das Ende des Jahres an? Muss wohl irgendwie die Zeit verloren haben, während das Weltgeschehen munter Purzelbäume im Achteck schlägt. Zwischen politisch rechten Beben im Osten, linkem Clan-Geschmuse in der Hauptstadt und viel Arschkriecherei in der Mitte, bleibt trotzdem noch erstaunlich viel Raum für den freien wirtschaftlichen Fall, Zuckersteuern, Firmen-Pleiten im Akkord und Pseudo-Tank-Rabatten, die vor allem Mineralölkonzerne und Raffinerien vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kommen lassen. Dazwischen noch eine verkackte Fußball-WM (bei der wir Dank eines neuen Bundestrainers wohl deutlich mehr gewonnen haben als alle anderen Mannschaften), ein neuer PISA-Tiefpunkt, europaweite „Proteste“ für bessere Bildung und eine neue Salonfähigkeit des Antisemitismus. Glückwunsch, liebe Politiker… der Großteil dieser ungewollten Bestellung schreiben wir mal auf Euren Deckel. Jetzt haben wir auch alle genug gelacht und es wird Zeit, dass der Ernst der Lage auch mal in Euren schicken Wohnvierteln ankommt. Sonst poltert die eine Hälfte der Bevölkerung irgendwann im Stechschritt durch die Straßen, während die andere mit blaugefärbten Haaren und abgefressenem Pony auf Teppichen zur nächsten Demo gegen… gegen… gegen ALLES UND JEDEN fliegt. Und beides kann niemand ernsthaft wollen.
So, genug Gekotze über Dinge, die man als kleines Licht sowieso nur schwer bis gar nicht ändern kann. Wenden wir uns spaßigeren Körperflüssigkeiten zu: BLUUUUUUUT!
Und da muss ich direkt mal meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen, denn 2026 war bislang nicht der beste Jahrgang, was den Output an gruseliger Film-Unterhaltung angeht. Viel generischer Kram, den man mangels Alternativen mal laufen lässt („Whistle“, „Passenger“, „They Will Kill You“, „Apex“), ein paar handfeste Enttäuschungen, von denen ich mir DEUTLICH mehr versprochen hätte („The Bride!“, „Send Help“, Lee Cronin’s „The Mummy“, „Undertone“, „The Rule of Jenny Pen“, „Amsterdamned II“, „Ice Cream Man“), den üblichen Hai-Irrsinn („Thrash“, „Chum“, „Deep Water“), weitere Ergüsse aus der Tierwelt („Killer Whale“, „Hungry“, „Coyotes“, „Kraken“, „Savage Hunt“, „Crawlers“), So-la-la-Fortsetzungen („Scream 7“, „Return to Silent Hill“, „The Strangers: Chapter 3“) sowie eine gefühlte Flut von schlecht synchronisierten Direct-to-Disc- bzw. -Streaming-Veröffentlichungen, die es nicht wert sind, dass ich dafür meine Tastatur weiter abnutze.
Nun stellt sich mir die Frage „Bin ich als Horror-Freund zu anspruchsvoll geworden?“, was ich aber im gleichen Atemzug mit einem glasklaren „NÖ!“ beantworten möchte. Nicht nur im Horror-Bereich müssen wir uns wohl nach und nach damit abfinden, dass Masse statt Klasse das vornehmliche Modell geworden ist. Streaming-Anbieter geben vor, welche Technik beim Drehen verwendet werden soll und wie Sets ausgeleuchtet sein müssen, damit selbst der letzte „Cineast“, der seine Lieblingsserie auf dem Scheißhaus weiterschauen will, auch auf dem kleinsten Endgerät noch ein sauberes Bild hat. Die großen Hollywood-Studios gehen derweil schon beim Casting auf Nummer sicher, dass niemand angepisst ist oder sich ausgeschlossen fühlt, während sabbernde Henker in Ausbildung mit Mistgabeln und Fackeln bereits sehnsüchtig vor dem Rechner auf erste Bilder warten, um Ungesehenes vorab Klick-wirksam in Fetzen zu reißen. Nichtsdestotrotz finden sich aber immer wieder kleine und große Produktionen, die unser sauer verdientes Geld noch wert sind.
Ein paar dieser Filmchen möchte ich hier zum Halloween-Warm-up herausstellen. Ansonsten habe ich mich mit ordentlich Schmackes und ausreichend Anlauf mal wieder in meine Heimkino-Schränke gestürzt. Nach dem schreienden Herauskriechen und der Versorgung der Verletzungen (zwei Platzwunden, diverse Prellungen, Bart-Spliss und einen offenen Bruch am Hirn) konnte ich ein paar schöne Highlights aus vergangenen Tagen bergen, die das Horror-Menü 2026 schmackhaft abrunden. „Bong appétit“, wie der französische Kiffer sagen würde.
„Ready or Not 2“
(OT: „Ready or Not 2: Here I Come“; USA 2026)

Beginnen wir mit einer Fun-Fortsetzung, die den wilden Action-Horror-Comedy-Mix „Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot“ von 2019 nahtlos weiterführt. Dort musste sich die junge Grace (Samara Weaving; demnächst als Emma Frost in MARVELs „X-Men“-Reboot) gegen die wahnsinnige Le Domas-Sippe behaupten, die das frisch eingeheiratete Neu-Mitglied der Gesellschaftsspiel-Dynastie zum Einstand durch das gesamte Anwesen jagte. Ein Spiel auf Leben und Tod… mit äußerst überraschendem Finale! Der Nachfolger setzt nun unmittelbar dort an, wo wir die blutüberströmte Grace verlassen haben:
Grace MacCaullay hat die Nacht überlebt und ihre Jäger zur Hölle geschickt. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert, sieht sich aber schnell mit offenen Fragen der Gesetzeshüter konfrontiert. So richtig viel Zeit bleibt aber gar nicht, um sich damit zu befassen, denn Grace und ihre entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton), die als Notfallkontakt von Grace sofort informiert wurde, werden gekidnappt und auf ein stattliches Anwesen verfrachtet. Das Überleben der Braut hat nämlich im Machtgefüge der satanisch veranlagten Le-Bail-Corporation, ursprünglich bestehend aus sechs Familien, die insgeheim das gesamte Weltgeschehen wie ein Schachspiel lenken, so Einiges durcheinandergewirbelt. So treffen nun nacheinander die Oberhäupter der vier verbliebenen Familien ein, um in einer brutalen Hetzjagd um den „Hohen Sitz“ zu kämpfen. Die mit Abstand einflussreichste Position im gesamten Kult. Bislang war die Ehre dem alten Chester Danforth (David Cronenberg) vorbehalten, doch dieser räumt uneigennützig (und mit dem Verlust seines Lebens) den Platz, um seine Kinder, die Zwillinge Ursula (Sarah Michelle Gellar) und Titus (Shawn Hatosy), als Spieler zu platzieren. Freilich haben die Mitglieder der anderen Familien da Einwände, was nur mit Waffengewalt ausgetragen werden kann. Die wohl unfreiwilligsten Spielerinnen werden Grace und Faith, die nun notgedrungen Hand in Hand agieren müssen, während ihre schwierige Vergangenheit über ihnen schwebt und für ausreichend Konfliktpotential sorgt. Aber keine Angst, denn der Le-Bail-Anwalt (Elijah Wood) erklärt die Spielregeln noch mal ganz genau, bevor die blutige Sauerei so richtig losgehen kann. Have fun… don’t die!
Blutig, überdreht und dank der Schwestern-Dynamik gleich doppelt spaßig. Eine atemlose Hatz mit gut aufgelegtem Cast, die sich perfekt als Double-Feature eignet, sollte man den starken Vorgänger noch nicht kennen.
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„Düstere Legenden“
(OT: „Urban Legend“; USA 1998)

Dank Wes Cravens „Scream“ hatte die eigentlich schon zu den Akten gelegte Slasher-Welle, begründet durch John Carpenters Klassiker „Halloween“ (obwohl Hitchcocks „Psycho“ ganze sechzehn Jahre früher erschien, diese Art von Filmen zu dieser Zeit aber noch nicht als „Slasher“ bezeichnet wurden) und zementiert durch „Freitag der 13.“, Maniac“, „Monster im Nachtexpreß“, „Prom Night“, „Blutiger Valentinstag“, „Das Haus an der Friedhofsmauer“, „Sleepaway Camp“ und schließlich „A Nightmare on Elm Street“, in den späten 90ern auch abseits dubioser Videotheken-Titel ein weltweites Kino-Revival. Plötzlich wollten alle wieder kreischende Teens sehen, die von maskierten Killern nach allen Regeln der Kunst ausgeweidet werden. Da ließ man sich nach dem Erfolg von „Scream“ nicht lange bitten und fast schon im Akkord hagelte es (neben Fortsetzungen) weitere Genre-Beiträge… von unterschiedlicher Qualität. Deutschland schickte unter Anderem erfolgreich „Anatomie“, „Flashback - Mörderische Ferien“ und den TV-Film „Schrei - denn ich werde dich töten!“ ins Rennen, während Australien mit Kylie Minogue und „Cut“ antwortete. Selbst Michael Myers durfte in „Halloween H20“ wieder auf der großen Leinwand meucheln und das kleine Good-Guy-Arschloch kam in „Chucky und seine Braut“ gleich in Begleitung. Einer der größeren Erfolge war 1997 der stark besetzte „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, dem 2025 erst eine gleichnamige, späte Fortsetzung beschert wurde, obwohl bereits im Folgejahr dem Erstling mit „Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast“ eine logische Weiterführung nachgereicht wurde. Dass Anknüpf-Punkte nicht immer logisch bemessen werden, wissen wir aber nicht erst seit der letzten „Halloween“-Trilogie, die bewusst alles nach dem Original ignorierte. „Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast“ stand dann 2006 auf eigenen Beinen, erschien aber auch nur noch als Videotheken-Ware. Zu meinen persönlichen Slasher-Lieblingen zählt aber „Düstere Legenden“ aus dem Jahr 1998. Der erst in diesem Jahr verstorbene Regisseur Jamie Blanks blieb dem Genre danach mit „Schrei wenn Du kannst“, dem harten „Storm Warning“ und dem Remake „Long Weekend“ treu. Gesegnet mit einer ziemlich guten Fortsetzung und einem dürftigen Videotheken-Nachzügler, hat „Düstere Legenden“ das Genre zwar keineswegs neu erfunden, dafür aber temporeich, spannend und mit einer zur damaligen Zeit außerordentlich angesagten Riege an Jung-Darstellern bereichert. So finden sich neben Horror-Urgestein Robert Englund („A Nightmare on Elm Street“) noch Alicia Witt („Cybill“), Rebecca Gayheart („Der zuckersüße Tod“), Joshua Jackson („Dawson’s Creek“, „Eiskalte Engel“, „Fringe“), Jared Leto („American Psycho“, „Requiem for a Dream“, „Panic Room“), Michael Rosenbaum („Smallville“, „Verflucht“), Tara Reid („The Big Lebowski“, „American Pie“, „Josie and the Pussycats“) und Danielle Harris („Halloween IV“, „Halloween V“, „Last Boy Scout“, „Fast Food Family“ und Rob Zombies „Halloween“-Interpretationen) im breit aufgestellten Cast-Ensemble. Und tatsächlich funktioniert der Streifen auch heute noch verdammt gut:
Im Weitesten geht es darum, worum es in fast allen Vertretern des Slasher-Subgenres geht: ein Haufen Teenager wird nach und nach von einem maskierten Killer weggemetzelt. Natürlich nicht ohne eine unvergleichliche Handschrift. Und der Meuchelmörder, der an der und um die Pendleton University umgeht, nimmt sich sogenannte „düstere Legenden“ zum Vorbild, um die Tode seiner Opfer sowohl effektiv als auch spektakulär zu inszenieren. „Düstere Legenden“ verbreiten sich oft nach dem Stille-Post-Prinzip, werden gerne mal um weitere Ebenen erweitert und eignen sich besonders, um Leichtgläubigen einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. So erzählt der Uni-Prof Wexler (Robert Englund) seinen Kommilitonen zum Beispiel von der weitverbreiteten Grusel-Story, in der eine Babysitterin mysteriöse Anrufe von einem Unbekannten bekommt… und davon, dass die auch als Knallbrause bekannten „Pop Rocks“ in Verbindung mit einer spritzigen Cola dafür sorgen sollen, dass einem die eigenen Eingeweide um die abfallenden Ohren fliegen. Quittiert werden diese Storys im Hörsaal noch mit Gelächter, doch es geht längst jemand um, der starken Gefallen an diesen Geschichten gefunden hat. So wird der Freundeskreis um die Studentin Natalie (Alicia Witt) immer überschaubarer, während die Angst weiter um sich greift.
Es klingt irgendwie strange, das über einen Horrorfilm zu sagen, aber „Düstere Legenden“ ist mein persönlicher Feelgood-Slasher. Und tatsächlich ist die (zumindest zur damaligen Zeit) überraschende Auflösung sogar nachvollziehbarer, als in weitaus bekannteren Vertretern des Genres. Wer also „Scream“ & Co. etwas abgewinnen kann und von den „düsteren Legenden“ noch nichts gehört hat: unbedingt nachholen!
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„Obsession - Du sollst mich lieben“
(OT: „Obsession“; USA 2026)

Glaubt man dem Internet (und das tun wir doch alle, oder? ODER???), gab es in diesem Jahr keinen besseren Horrorfilm als „Obsession“. Naja… falls man noch nie in seinem Leben einen Film über Besessenheit oder plötzlich erfüllte Wünsche, die in eine gegenteilige Richtung umschlagen, gesehen hat oder in diesem Jahr nur einen einzigen Streifen angeschaut hat. Dann vielleicht. Aus dem Stand würden mir mindestens fünf ähnliche Vertreter einfallen, die allerdings von schwankender Qualität sind. So wirklich kreativ ist „Obsession“ also nicht, hat dafür aber einen riesigen Pluspunkt, mit dem er sich von generischen Fließband-Produktionen abhebt. Und der heißt Inde Navarrette. Die 25-jährige Schauspielerin kannte man bisher hauptsächlich aus den TV-Serien „Tote Mädchen lügen nicht“ und „Superman & Lois“, doch nach ihrem bärenstarken Auftritt in „Obsession“ wird man sie wohl künftig regelmäßiger in großen Kino-Produktionen sehen können. Es wäre durchaus spannend zu sehen, welche darstellerische Bandbreite sie mitbringt. Als hoffnungslos (und unfreiwillig!) verliebte Nikki bleibt sie durchaus noch länger im Gedächtnis der Zuschauer:
Der schüchterne Bear (Michael Johnston) ist ein Liebes-Kasper, wie er im Buche steht. Unsicher und viel zu verkrampft, um Freundin und Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette) seine Liebe zu gestehen. Der ganze Freundeskreis weiß es, was auch nur schwer zu übersehen ist, aber die passenden Worte wollen Bear einfach nicht über die Lippen kommen. Dann halt anders! Und was läge da näher, als in einem (okkulten?) Esoterik-Laden ein Stöckchen mit dem vielversprechenden Namen „One Wish Willow“ zu erwerben. Bricht man das Holz durch und äußert seinen Wunsch, soll dieser umgehend in Erfüllung gehen. In seiner Verzweiflung wünscht sich Bear, dass Nikki sich unsterblich in ihn verliebt. Mehr als alles andere auf der Welt, soll sie ihn anschmachten. Kleingedrucktes und Warnungen aller Art auf der Verpackung hin oder her, das funktioniert doch eh nur in den kühnsten Träumen, oder? Falsch. Und damit fängt die Scheiße so richtig an zu dampfen. Sogleich schmeißt sich Nikki ihm an den Hals. Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende? Wieder falsch. Denn Nikki legt ein nach und nach unberechenbareres Verhalten an den Tag. „Sie hängt wie eine Klette an ihm“ wäre da die Untertreibung des Jahres! Nikki meldet immer intensiver Besitzansprüche an, was Bear anfangs nur verstört wahrnimmt, bevor sich das Unbehagen in nackte Panik verwandelt. Nikki ist außer Kontrolle und Bear steht immer mehr mit dem Rücken zur Wand.
„Obsession“ ist erst der zweite Spielfilm des amerikanischen Regisseurs, Drehbuchautors und YouTubers Curry Barker. Mit dem niedrigen Budget von 750.000 US-Dollar, die man dem durchaus ansprechend gefilmten Streifen zu keiner Zeit ansieht, konnte ein weltweites Einspielergebnis von 500 Millionen erzielt werden. Kein Wunder also, dass der Newcomer bei großen Studios heiß begehrt ist. Sogar für ein weiteres „Texas Chainsaw Massacre“-Projekt für A24 ist Curry aktuell im Gespräch. Und mag „Obsession“ 2026 der umsatzstärkste Horrorfilm an den Kinokassen, dafür für alte Horror-Hasen nicht der kreativste Wurf sein, so ist er doch immerhin die beste Visitenkarte für Regisseur Curry und seine Hauptdarstellerin Inde Navarrette. Und mit einigen drastische Effekten (inklusive einiger unappetitlicher Szenen) kann „Obsession“ ebenfalls aufwarten, was ihn gerade für die Halloween-Zeit mehr als prädestiniert. Nichtsdestotrotz vermisse ich den guten psychologischen Horror, der mal ganz ohne übernatürliche Zutaten zu überzeugen wusste. Wie David Finchers „Se7en“, dem Vorzeige-Psychothriller überhaupt! Mensch, Hollywood… strengt Euch mal an!
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„Teen Wolf“
(USA 1985)

Zwischendurch mal was für die ganze Familie: Die 80er und 90er waren die großen Jahrzehnte von Michael J. Fox, der sich seit Bekanntwerden seiner Parkinson-Diagnose im Jahr 1998 (diagnostiziert bereits 1991) zunehmend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat, hier und da aber noch in Gastauftritten zu sehen ist. Der große Durchbruch gelang ihm 1985 mit dem Kassenschlager und Publikumsliebling „Zurück in die Zukunft“, obwohl er TV-Zuschauern da schon aus der Sitcom „Familienbande“ (1982 – 1989) bekannt war. Zuvor in kleineren Rollen oder TV-Filmen und Serien-Episoden besetzt, darunter „Die Klasse von 1984“, „High School U.S.A.“, „Boomer, der Streuner“ oder „Trapper John, M.D.“, war Fox die Wunsch-Besetzung für Marty McFly, war jedoch durch sein Sitcom-Engagement an den Sender NBC gebunden, sodass Regisseur Robert Zemeckis zunächst mit dem Ausweich-Youngster Eric Stoltz („Die Maske“, „Ist sie nicht wunderbar?“, „Die Fliege 2“) den Dreh begann. Bereits nach wenigen Wochen waren Zemeckis und Produzent Steven Spielberg sich einig, dass Stoltz mit seiner Darstellung nicht den gewünschten Ton des Films traf, weshalb man sich von ihm trennte. Hartnäckig versuchte man es wieder bei Fox, den man schlussendlich auch bekam. Voraussetzung war aber, dass er weiterhin für „Familienbande“ zur Verfügung stände, weshalb seine Drehs für „Zurück in die Zukunft“ hauptsächlich nachts oder an den Wochenenden stattfanden. Die Strapazen haben sich gelohnt, denn die Zeitreise-Komödie öffnete nicht nur Türen für zwei erfolgreiche Fortsetzungen, sondern brachte Fox‘ Karriere erst so richtig in Schwung. In „Light of Day“ (1987), „Die grellen Lichter der Großstadt“ (1989) und „Die Verdammten des Krieges“ konnte er seine schauspielerische Vielfalt zeigen, wurde jedoch mit Komödien wie „Das Geheimnis meines Erfolges“ (1987), „Auf die harte Tour“ (1991), „Doc Hollywood“ (1991) und „Ein Concierge zum Verlieben“ (1993) zum quirlig-kauzigen Comedy-Liebling der Zuschauer. Unmittelbar nach „Zurück in die Zukunft“ blieb Fox der Rolle des liebenswerten Durchschnitts-Teenagers von nebenan aber erstmal treu… wenn auch in etwas „haarigerer“ Variante:
Der siebzehnjährige Scott Howard (Michael J. Fox) aus Nebraska ist ein mittelmäßiger Schüler, mittelmäßiger Sportler und auch im Beliebtheits-Ranking allerhöchstens im (unteren) Mittelmaß. Er spielt Basketball für die „Beavers“, die - gemessen an ihrer Leistung - sogar noch froh wären, wenn sie überhaupt in solchen Sphären rangieren würden. Extrem erfolglos und seit Ewigkeiten zum Verlieren verdammt. Da hilft es dem angeknacksten Ego auch nicht zwingend, dass Scotts Schwarm Pamela (Lorie Griffin) ausgerechnet mit einem Spieler des Konkurrenz-Teams „Dragons“ durch die Gegend eumelt. Unverhofft wendet sich das Blatt, als Scott „Veränderungen“ an sich bemerkt. Klar, da muss jeder Teenager mal durch, aber der gute Scott treibt es diesbezüglich auf die Spitze. Nach einer Party verwandelt er sich in einen… Werwolf. Glücklicherweise in seinem Elternhaus, wo sein Vater Harold (James Hampton) gleich mit Rat und Tat zur Seite steht. Von Daddy erfährt er, dass es sich um einen Familienfluch handelt. Dies kam bislang nicht zur Sprache, da Scotts Vater hoffte, dass sein Sohn eventuell verschont bliebe. Tja, und nun haben wir den Salat. Den Schock erstmal verdaut, vertraut der Junge sich seinem besten Freund Stiles (Jerry Levine) an. Alles soll „Top-Secret“ bleiben, doch Scott kann die Verwandlung nicht kontrollieren. Bei einem hitzigen Spiel wird er vor den Augen aller Anwesenden zum Wolf. Das sorgt natürlich für große Augen…, doch Scott spielt einfach weiter. Mehr noch, er fährt dank geschärfter Skills den langersehnten Sieg für sein Team ein. Und so steigt Scott nicht nur zum Star der „Beavers“ auf, sondern klettert auch auf der Beliebtheits-Skala pfeilschnell an die Spitze. Er entfacht ein regelrechtes „Wolf-Fieber“! Das eröffnet ihm plötzlich sogar Chancen bei Pamela. Aber ist es das, was Scott wirklich will?
„Teen Wolf“ hat alle klassischen Zutaten eines Coming-of-Age-Streifens. Die Sorgen und Nöte der Underdogs, verpackt in einem haarsträubenden Klamauk, der weder wehtut, noch allzu bierernst daherkommt. Natürlich ist die moralische Botschaft an der Oberfläche schwimmend klar sichtbar, doch das verzeiht man dem nostalgischen 80’s-Trip gerne. „Teen Wolf“, übrigens geschrieben vom erfolgreichen Comic-Autor Jeph Loeb („Batman: The Long Halloween“, „Superman For All Seasons“, „Catwoman: When in Rome“, war seinerzeit ein kommerzieller Erfolg, dem man 1987 noch eine Fortsetzung nachschob. „Teen Wolf 2“ drehte sich aber nicht mehr um Scott, sondern diesmal um Todd Howard… seinen Cousin. Folglich war auch Michael J. Fox nicht mehr an Bord, dafür aber Jason Bateman („Juno“, „Hancock“, „Kill the Boss“), den man hier in seiner ersten großen Rolle sah. Witzigerweise ist er der Bruder von Justine Bateman, die in „Familienbande“ die Serien-Schwester von Michael J. Fox spielte. Die lose Fortsetzung ist eigentlich kaum erwähnenswert, da hier größtenteils das Konzept des Erfolgsfilms kopiert wurde. Neben dem Darsteller-Wechsel wurde dann Alibi-mäßig noch die Sportart ausgetauscht: aus Basketball wurde Boxen. Zwischen 1986 und 1989 erschien dann mit „Teenwolf & Co.“ noch eine 21-teilige Zeichentrickserie, die in Deutschland bei PIDAX als DVD erschien. Von 2011 bis 2017 gab es eine sehr freie und deutlich düsterere Neuinterpretation des Stoffes als Serie in sechs Staffeln. Das Fantasy-Drama steht dem Ursprungsmaterial ungefähr so gegensätzlich gegenüber, wie die Serie „Riverdale“ seiner quietschbunten Heile-Welt-Welt aus den „Archie“-Comics. 2023 wurde die Serie um „Teen Wolf: The Movie“ ergänzt.
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"Insidious: Out of the Further"
(USA 2026)

2010 ließ mir James Wans „Insidious“ derart die Barthaare zu Berge stehen, wie es zuvor lange kein Horrorfilm geschafft hatte. Die grellen Sounds kreischen mir heute noch in den Ohren und kamen fast schon akustischen Jump-Scares gleich. Davon hatte der Film, der eigentlich ziemlich schleichend daherkam, aber auch visuell einige zu bieten. Durch und durch atmosphärisch, was man auch über seinen direkten Nachfolger von 2013, „Insidious: Chapter 2“, sagen kann. Besonders dann, wenn man beide Filme in kurzen Abständen schaut, fallen clever gestrickte Parallelen auf. Es folgten „Insidious: Chapter 3 - Jede Geschichte hat einen Anfang“ (2015) und „Insidious: The Last Key“ (2018), die weitestgehend eigenständig funktionieren, als Bindeglied aber die Charaktere Elise (Lin Shaye), Specs (Leigh Whannell) und Tucker (Angus Sampson) haben. Mit „Insidious: The Red Door“ (2023), bei dem Patrick Wilson („Watchmen“, „Conjuring“), der Hauptdarsteller der ersten beiden Filme, Regie führte, tat sich dann aber niemand einen Gefallen. Eigentlich schon lange auserzählt, kehrten wir mit diesem Ableger nochmals zur Familie Lambert zurück. Unnötig und mehr Vater/Sohn-Drama als waschechter Horror. Entsprechend verhalten war daher die Vorfreude, als man einen weiteren Teil der Reihe ankündigte… doch da lag ich falsch:
Die Dentalhygienikerin Gemma Hall (Amelia Eve) ist mit ihrer Tochter Maya (Island Austin) in das Haus, in dem sie früher mit ihrer Mutter Ingrid (Laura Gordon) lebte, gezogen. Ein Ort, mit dem sie traumatische Erlebnisse verbindet, die sie noch heute in ihren Träumen heimsuchen. Ingrid hatte einen offensichtlich mentalen Zusammenbruch, im Laufe dessen sie sich vor der jungen Gemma das Leben nahm. Diese prägenden Erinnerungen sind noch derart präsent, dass sie sich nicht nur auf nächtliche Albträume beschränken, sondern sich als äußerst real erscheinende Visionen in Gemmas Alltag drängen. Und irgendwie scheinen drei gruselige Gestalten, die durch die Nachbarschaft streifen, diese noch zu befeuern. Als sie eine dieser Personen in ihrer Praxis behandelt, reißt es sie in eine finstere Zwischenwelt. Umzingelt von dämonischen Entitäten, wird Gemma in letzter Sekunde gerettet… von Elise Rainier (Lin Shaye). Sie übergibt ihr einen Teil eines verbrannten Buches, mit dem Gemma Elise in der realen Welt finden soll. Gemma verfügt nämlich nicht nur über die Gabe, ins „Ewigreich“ zu reisen, nein, sie kann Gegenstände von dort in unsere Welt mitbringen. Eine Fähigkeit, die sich die Bewohner dieser Geisterwelt zu Nutze machen wollen, um das „Ewigreich“ zu verlassen…
Nach der Gurke „Insidious: The Red Door“ wäre ich der Letzte gewesen, der gedacht hätte, dass die Reihe noch mal in die Spur findet. Und tatsächlich hat Regisseur Jacob Chase, der auch am Drehbuch mitgewirkt hat, es geschafft, dass ich über weite Strecken auf der Kante meines Sitzes saß. Der Film ist straff inszeniert und wirkt nicht künstlich aufgeblasen. Die Charaktere sind sympathisch und nahbar, weshalb man ihnen auch im letzten Akt, wo sie als Einheit zusammenarbeiten müssen, sämtliche Daumen drückt. Elise Rainier bleibt weiterhin das Bindeglied der Reihe, obwohl ihr Charakter bereits am Ende von „Insidious“ das Zeitliche gesegnet hat. Ein Umstand, den Leigh Whannell, der Autor des Originals von 2010, aus heutiger Sicht besser zweimal überdacht hätte. Aber noch funktioniert ihr Auftauchen durch die Möglichkeiten des „Ewigreichs“ ganz gut und schlüssig. Und eine Nachfolgerin in der realen Welt hätten wir nun mit der neuen Figur Clare (Maisie Richardson-Sellers) bereits gefunden. Und auch der Horror-Anteil ist gut dosiert. Er wechselt zwischen übernatürlichem Spuk, dämonischer Eskalation und einigen wirklich ekelerregenden Sequenzen gekonnt hin und her. Wenn Ihr schon immer mal eine unappetitliche Zahnreinigung aus der Sicht eines Gaumenzäpfchens betrachten wolltet, dann ist das Euer Film!
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„Faculty“
(OT: „The Faculty“; USA 1998)

Au ja! Eine Runde High-School-Horror gefällig? Multitalent Robert Rodriguez („Desperado“, „From Dusk Till Dawn“, „Sin City“) sprang ebenfalls auf die Welle auf, die in den späten 90ern - angefacht durch Filme wie „Scream“ - durch Hollywood rauschte. Für „Faculty“ versammelte er einige aufstrebende Jungdarsteller (Elijah Wood, Josh Hartnett, Laura Harris, Jordana Brewster, Clea DuVall, Usher) und erweiterte das Ensemble um ein paar erfahrene Veteranen (Robert Patrick, Famke Janssen, Piper Laurie, Salma Hayek, Daniel von Bargen), um dem Nachwuchs nach gewohntem Slasher-Prinzip ans Leder zu gehen. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Zwar lässt der Film uns bis zum Ende rätseln, wer hier der übermächtige Strippenzieher ist, verbirgt seine(n) Killer aber nicht hinter gewohnten Motto-Masken. Vielmehr ging man den Weg des paranoiden Sci-Fi-Horrors, den bereits mehrere „Körperfresser“-Varianten gegangen sind. Natürlich am stärksten inspiriert von „Die Dämonischen“ (1956) bzw. Philip Kaufmans Neuverfilmung „Die Körperfresser kommen“ (1978) mit Donald Sutherland, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright und Leonard Nimoy. Auch finden sich Motive von John Carpenters „The Thing“ (1982; was bereits ein Remake von „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 war) sowie Tobe Hoopers „Invasion vom Mars“ (ebenfalls ein Remake des gleichnamigen Films von 1953). Diese Mischung ist komplett gelungen, weshalb „Faculty“ regelmäßig in meinem Player landet. Hier haben wir eine durch Misstrauen ausgelöste, ständige Spannung, enorm gutes Pacing und einen blendend aufgelegten Cast, bei dem gerade die jungen Darsteller die komplette Schüler-Vielfalt abdecken. Vom gemobbten Streber, dem typischen Football-Superstar und der Cheerleaderin bis hin zum zugezogenen Landei, der Außenseiterin und dem aufmüpfigen Rebellen ist jede Charakter-Sparte vertreten, um Identifikationspotential zu bieten:
Was muss passieren, damit derartig unterschiedliche Schülerinnen und Schüler wie der Underdog-Fotograf Casey (Elijah Wood), Cheerleaderin und strahlendes Gesicht der Schülerzeitung Delilah (Jordana Brewster), ihr Footballer-Freund Stan (Shawn Hatosy), die in sich gekehrte Goth-Außenseiterin Stokes (Clea DuVall), Mauerblümchen Marybeth Louise (Laura Harris) und der lokale Drogendealer Zeke (Josh Hartnett) an einem Strang ziehen? Ich sag’s Euch: eine ganze Menge! Da muss es schon eine außerirdische Bedrohung sein, die nach und nach Ohio heimsucht. Plötzlich verhalten sich vertraute Personen nämlich so gar nicht mehr wie die, die man zu kennen glaubte. Zuerst fällt dies den Teenagern beim Lehrkörper der Herrington High School auf. Wir Zuschauer sind den Kids da etwas voraus, sehen wir doch gleich zu Beginn, wie der Football-Coach Joe Willis (Robert Patrick) und die Schauspiellehrerin Karen Olson (Piper Laurie) die Schulleiterin nach einer abendlichen Besprechung attackieren. Auch die Unmengen an Wasservorräten, die wie am Fließband in die Schule geliefert werden, machen sie stutzig. Als immer mehr Schüler seltsames Verhalten an den Tag legen und fast schon ferngesteuert als Schwarm agieren, rotten sich die Jungs und Mädels zusammen, um das mysteriöse Treiben aufzudecken. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht weiß, wem man noch trauen kann…
„Faculty“ versprüht den puren Zeitgeist der 90er-Jahre, könnte hinter dieser Fassade aber genau so gut ein Paranoia-Thriller der 50er sein, der zudem noch die High-School-Hackordnung mit allerlei Klischees karikiert. Ein gelungener Spagat und einer dieser Filme, die selbst nach dem zehnten Mal nicht langweilig werden. GenX-Horror der sehr guten Sorte! Untermalt mit einem starken, rockigen Soundtrack, der zwischen Punk und Indie rangiert, bleiben vor allem Songs wie „The Kids Aren't Alright“ von The Offspring, „School's Out“ in der Version von Soul Asylum, D Generations „Helpless“ oder „Stay Young“ von Oasis länger im Ohr.
„Das Omen“
(OT: „The Omen“; USA/UK 1976)

Kein Halloween sollte ohne einen großen Klassiker des Genres auskommen müssen. Hier habe ich mich dieses Jahr für Richard Donners „Das Omen“ entschieden. Ein wahnsinnig intensiver Streifen, der in einem Atemzug mit „Der Exorzist“ oder „Rosemary‘s Baby“ genannt werden sollte. Basierend auf einem Original-Drehbuch von David Seltzer („Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Ein Vogel auf dem Drahtseil“, „Wie ein Licht in dunkler Nacht“), hat Regisseur Donner („Superman“, „Die Goonies“, „Lethal Weapon“, „Die Geister, die ich rief…“) dem teuflisch Bösen ein unheimlich-unschuldiges Gesicht verpasst… und zwar das eines wortwörtlichen Satansbratens:
Der US-Botschafter Robert Thorn (Gregory Peck) und seine Gattin Katherine (Lee Remick) könnten glücklicher kaum sein, erwarten sie doch ihr erstes gemeinsames Kind. Erschüttert reagiert Robert hingegen, als er erfährt, dass der Junge die Geburt nicht überlebt hat. Im Wissen, dass dies seiner Frau das Herz brechen würde, lässt er sich auf einen schicksalhaften Tausch ein. Vom anwesenden Pater Spiletto (Martin Benson) erfährt er, dass zur selben Zeit ein Junge das Licht der Welt erblickte, dessen Mutter noch vor Ort verstarb. Man vereinbart Stillschweigen über den Austausch der Babys und so ziehen Robert und Katherine den Jungen, den sie Damien nennen, gemeinsam auf. Das geht so lange gut, bis sich mysteriöse Vorfälle im Umfeld des kleinen Bengels häufen. Zuerst stürzt sich ein Kindermädchen auf dessen Geburtstagsfeier voller Eifer in den Tod, was Damien herzlich unbeeindruckt auf das traumatische Geschehen blicken lässt. Als ein gewisser Pater Brennan (Patrick Troughton) Kontakt zu Robert Thorn aufnimmt und ihm mitteilt, dass er von dem unheiligen Tausch weiß, ist das nur die harmlosere Neuigkeit, die der Geistliche im Gepäck hat. Vielmehr offenbart er ihm, dass Damien das Kind ist, das der Leibhaftige mit einem Schakal gezeugt hat. Auf die Erde entsandt, um irgendwann die Weltherrschaft an sich zu reißen. Thorn hält dies für dummes Geschwätz eines Wahnsinnigen, soll aber schon bald eines Besseren belehrt werden. Mit dem Auftauchen des neuen Kindermädchens Mrs. Baylock (Billie Whitelaw), die eine merkwürdig schützende Hand über Damien zu halten scheint, reißen die besorgniserregenden Vorfälle nicht ab. Brennans Ausführungen nehmen immer mehr Gestalt an, während der Fotograf Keith Jennings (David Warner) unheilvolle Vorhersagen auf seinen Bildern ausmacht. Die Zeichen verdichten sich und können nun auch von Robert Thorn nicht länger ignoriert werden…
Ein teuflischer Meilenstein im religiösen Horror-Subgenre. Dem preisgekrönten Original folgten mit „Damien - Omen II“ (1978) und „Barbara’s Baby - Omen III“ (1981) zwei Weiterführungen, die den Antichristen in unterschiedlichen Stadien seines Lebens zeigen. Zuerst im Teenager-Alter, wo er sich seiner wahren Bestimmung konfrontiert sieht, dann als erwachsenen, einflussreichen Mann (gespielt vom 2026 leider verstorbenen Sam Neill), der drastische Maßnahmen ergreift, um die Prophezeiung zu erfüllen. Eine insgesamt ziemlich perfekte Trilogie, die so für sich hätte bestehen können. Aus irgendwelchen Gründen kam man auf die Idee, dass man 1991 mit „Omen IV: Das Erwachen“ noch eine TV-Fortsetzung drehen muss, die natürlich zu keiner Zeit an das Original heranreicht. So erging es auch dem nahezu 1:1-Remake aus dem Jahr 2006, welches aber immerhin handwerklich gut gemacht war und mit namhaften Darstellern wie Liev Schreiber („Scream“, „Der Manchurian Kandidat“), Julia Stiles („10 Dinge, die ich an Dir hasse“, „Die Bourne Identität“) und Mia Farrow („Rosemary‘s Baby“, „Der große Gatsby“) besetzt wurde. Deutlich bessere Wege ging man 2024 mit dem inhaltlichen Prequel „Das erste Omen“, welches mich persönlich voll abholen konnte.
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„Primate“
(USA 2025)

Beenden wir die lange Nacht mit ein wenig Tier-Horror. Es scheint wahrlich nie aus der Mode zu kommen, uns knuffige Gesellen aus dem Tierreich als reißende Bestien zu präsentieren. Nachdem der Spinnen-Horror mit „Crawlers“, „Sting“ und weiteren Vertretern, um die ich aus Gründen einen großen Bogen mache, aus mir wiederum unerfindlichen Gründen gerade ein Revival erlebt, werden mittlerweile selbst die abstrusesten Arten vor die Kamera gezerrt. Siehe „Hungry“, wo sich Touristen mit einem aggressiven Nilpferd herumschlagen müssen, oder „Whalefall“ (basierend auf dem Roman von Daniel Kraus, erschienen bei FESTA), in dem es um einen Überlebenskampf im Inneren eines Pottwals geht. Da mutet es ja fast nostalgisch an, dass es mal wieder einen Vertreter gibt, der sich mit unseren nächsten Verwandten beschäftigt. Nein… keine Echsen. Ich rede von Affen, Mensch! Lassen wir den übergroßen „King Kong“ in all seinen Variationen und „Schlock - Das Bananenmonster“ mal außen vor, gab es da in der Vergangenheit durchaus guten Output. Ich denke da vor allem an „Link - Der Butler“ (1986), „Im Schatten des Kilimandscharo“ (1986), „Der Affe im Menschen“ (1988) und „Shakma“ (1990). Die haben nun auch schon die besten Jahre hinter sich, und deshalb ist es nur gerecht, wenn der Brite Johannes Roberts („47 Meters Down“, „The Strangers: Opfernacht“, „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“) den Affentanz mit „Primate“ noch mal aufs Parkett bringt:
Die Studentin Lucy (Johnny Sequoyah) reist in den Ferien mit ihrer Freundin Kate (Victoria Wyant) und Hannah (Jessica Alexander), die wiederum ungefragt von Kate eingeladen wurde, in die alte Heimat. Ein stattliches Anwesen auf Hawaii, wo man es sich nach dem ersten College-Jahr ein wenig gutgehen lassen möchte. Kates Bruder Nick (Benjamin Cheng) holt das Trio ab und bringt es in die nette Behausung. Dort lernen wir dann auch den Rest von Lucys Familie kennen. Ihre jüngere Schwester Erin (Gia Hunter) und den gehörlosen Vater Adam (Troy Kotsur), einen erfolgreichen Schriftsteller. Einer fehlt aber noch im Bunde… und zwar Ben. Kein direktes Familienmitglied, dennoch hat der Schimpanse, den Lucys verstorbene Mutter einst gerettet hatte, einen festen Platz bei den Pinboroughs. Das clevere Kerlchen hat sogar gelernt, mit Hilfe eines Tablets zu kommunizieren! Ja, ja, der Ben könnte es wohl weit bringen…, hätte er sich nicht von einer tollwütigen Manguste beißen lassen. Das sorgt nämlich dafür, dass der haarige Bursche plötzlich nicht mehr so zutraulich ist. Halt…, das ist noch viiiiel zu nett ausgedrückt. Nochmal: Ben mutiert zur rasenden, unberechenbaren Bestie und rasiert alles, was ihm in die Pfoten kommt. Besser. So wird das Anwesen, welches die jungen Leute über das Wochenende hüten, während Daddy auf Signier-Tour ist, zur tödlichen Falle.
Sagen wir mal so: einen Innovationspreis würde das Drehbuch jetzt nicht zwingend gewinnen. Muss es aber auch nicht. Dass Regisseur und Co-Autor Roberts aus minimalen Plots spannende Unterhaltung zaubern kann, hat er mit „47 Meters Down“ schon bewiesen. Bei „Primate“ verhält es sich ähnlich. Simple Story um tollwütigen Affen, der junges Partyvolk über mehrere Etagen im und um das Anwesen jagt. Passt! Ben, meist dargestellt vom Bewegungsspezialisten Miguel Torres Umba und durch Animatronics zumindest halbwegs auf „lebensecht“ getrimmt, geht bei seiner wilden Hatz keineswegs zimperlich zur Sache. Wenn es denn heftig wird, und das geschieht vor allem in der rasanten zweiten Hälfte, dann bekommt man erstaunlich viel Gore zu sehen. Zumindest deutlich mehr, als ich bei einer FSK 16-Freigabe erwartet hätte. Die unverbrauchten Gesichter tun der Stimmung gut, da so manches Ableben doch durchaus zu überraschen weiß. Am Bekanntheitsgrad der Darsteller lässt sich jedenfalls nicht ausmachen, wer zu welchem Zeitpunkt in Bens Krallen gerät. Dafür darf man aber auch keine große Tiefe bei der Charakterzeichnung erwarten.
Klappe zu, Affe tot:
So, da hätten wir doch endlich mal wieder einen Primaten im Säckchen, der weit über die B- und C-Outputs der letzten Jahre hinausragt. Schönes Ding. Und ein gelungener Ausklang der langen Horror-Nacht, die sich hoffentlich mit dem einen oder anderen vorgestellten Titel füllen lässt. Was Neues, was Altes, etwas für die ganze Familie, Spannung, Spiel und Spaß… sucht Euch was aus. Nach dem Horror-Marathon, bei dem ich auch potentielle Tipps aussortieren musste, da ich nie etwas guten Gewissens weiterempfehlen würde, was mir nicht selber zusagt, brauche ich erstmal was zum Runterkommen. So, wo hab‘ ich gleich meine „Glücksbärchi“-Blu-ray…?
P.S: Nein, der letzte Satz war KEIN Witz.
Titel-Motiv Halloween-Kürbis: istock.com/darioZg


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