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Nina Pimentel Lechthoff
Leben in der Postapokalypse

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Dez 2019

Wie kann man die Welt vor den Gefahren der Klimakatastrophe retten? Richtig, einfach die Menschheit vernichten. Das war der Plan von Crake, der mithilfe einer Pille beinahe alle Menschen aus dem Antlitz der Erde ausgelöscht hat. Eine Pille, die abnormal guten Sex ohne jegliche Nebenwirkungen wie sexuell übertragbare Krankheiten oder unerwünschten Nachwuchs versprach, die aber am Ende einen grauenvollen Tod mit sich brachte. Crake wollte damit die Erde retten und Platz für seine selbst entworfenen, menschenähnlichen Craker zu schaffen. Womit Crake aber nicht gerechnet hat: Einige Menschen haben die große Plage überlebt.

Eine Geschichte aus Geschichten

Nachdem sich die ersten beiden Teile der „MaddAddam“-Trilogie eher auf die Ereignisse vor der Katastrophe konzentriert haben, wird in „Die Geschichte von Zeb“ erzählt, wie sich die wenigen Überlebenden darum kümmern, eine neue Art von Gesellschaft zu gründen. Nicht nur der leicht veränderte Fokus unterscheidet den dritten Band der Trilogie von den vorherigen Büchern, auch die Erzählweise hat sich verändert, denn der Großteil der Handlung besteht aus Erzählungen. Während wir als Leser im ersten Teil  durch die Gedanken von Jimmy und im zweiten Teil durch Tagebucheinträge von Ren und Tobi Vergangenes und Aktuelles mitbekommen haben, besteht „Die Geschichte von Zeb“ aus den Gesprächen zwischen Zeb und Tobi, in denen er ihr seine Lebensgeschichte erzählt, und aus den Geschichten, die Tobi den Crakern erzählt.

Ich finde diesen Aufbau unglaublich interessant, da man verschiedene Sichten auf eine Geschichte bekommt. Vor allem, wie Tobi die Geschichten von Zeb für die Craker aufbereitet. Atwood versteht es, wie Geschichten verfremdet werden können um daraus einen fast religiösen Text entstehen zu lassen. Ich hatte über weite Teile von „Die Geschichte von Zeb“ das Gefühl, z.B. der Entstehung der Bibel beizuwohnen.

Was passiert nach der Katastrophe?

Dieser Frage geht Margaret Atwood im letzten Band ihrer „MaddAddam“-Trilogie nach. Das macht „Die Geschichte von Zeb“ zu meinem Lieblingsroman aus der Reihe. Zwar haben die anderen beiden erst die Welt von „Die Geschichte von Zeb“ möglich gemacht und diese auch sehr gut mit Leben gefüllt, doch nach zwei Bänden, in denen die Gegenwart eher dazu diente, um von der Vergangenheit zu berichten, bin ich froh, mal ein bisschen in diese neue postapokalyptische Gesellschaft einzutauchen.

Wie sich die übrig gebliebenen Menschen mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen müssen finde ich sehr interessant geschrieben. Nicht nur, weil Atwood die neuen Gefahren gut beschreibt, die in dieser neuen Welt überall auf die Überlebenden lauern. Vor allem gefällt es mir, welche Lösungen sie sich ausdenken. Wie bei ihren wissenschaftlichen und technologischen Zukunftsvisionen, die Atwood in die „MaddAddam“-Trilogie einbringt, bin ich finde ich auch die Herangehensweise, wie sie ihre Figuren eine Vielzahl an Problemen lösen lässt, sehr schön. Was sie für einen Rechercheaufwand betrieben haben muss! Und der hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Entscheidungen der Figuren, die Ereignisse und ganz allgemein die gesamte Umwelt der Figuren ist in sich schlüssig.

Fokus auf einige wenige Figuren

Meine einzige negative Kritik an „Die Geschichte von Zeb“ ist, dass vorher wichtige Figuren zu welchen degradiert werden, die nur noch sehr wenig Beachtung bekommen. Dabei kommt Jimmy noch relativ gut weg. Er ist zwar keine Figur mehr, die die Handlung wesentlich vorantreibt, dennoch spielt er in einigen Momenten eine wichtige Rolle. Ren und Amanda, die beiden Figuren, die vor allem im zweiten Band die Geschichte wesentlich mitbestimmt haben, sind im dritten Teil der „MaddAddam“-Trilogie hingegen nur noch im Hintergrund tätig. Das finde ich sehr schade.

Fazit:

Von den drei Bänden der „MaddAddam“-Trilogie hat mir „Die Geschichte von Zeb“ am meisten gefallen. Die Probleme und Gefahren, denen die Überlebenden begegnen, sind nachvollziehbar, genau wie das Handeln der Figuren. Vor allem aber der Aufbau der Geschichte hat meiner Meinung nach sehr gut gepasst. Der Wechsel zwischen den Dialogen zwischen Tobi und Zeb und der Erzählstunde von Tobi, die den Crakern Zebs Geschichten vermittelt, finde ich sehr gut gemacht. Nur dass vormals wichtige Figuren ein bisschen in Vergessenheit geraten finde ich etwas schade.

Die Geschichte von Zeb - Die MaddAddam Trilogie 3 (Hörbuch)

Die Geschichte von Zeb - Die MaddAddam Trilogie 3 (Hörbuch)

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Letzte Kommentare:
14.11.2019 17:38:01
K.-G. Beck-Ewerhardy

Dies ist nun endlich der dritte und letzte Teil der „Oryx-&-Crake“-Trilogie. Netterweise sind der aktuellen Romanhandlung zwei Zusammenfassungen zu den beiden ersten Bänden vorangestellt, damit man weiß, wo man am Anfang dran ist. Dieser Teil beginnt kurz nach den Enden von „Oryx & Crake“ und „The Year of the Flood“, nachdem die Überlebenden der Gärtnergemeinde und einige ihrer alten Weggefährten Amanda mit Jimmys Hilfe aus den Händen der „Schmerzballer“ gerettet haben und auch Crakes Hominiden, die Craker, getroffen haben, die so ganz anders sind als Menschen es vor der wasserlosen Flut waren. Dieser letzte Teil der Trilogie erzählt nun verschiedene Geschichten – und zwar in der Regel in der Form eines Journals, das Toby führt – und zum Teil durch die Gespräche, die sie mit den anderen „Doppelhäutigen“ führt um die Lücken im Journal ausfüllen zu können. Und mehr als das: Weil Jimmy nach der Begegnung mit den Schmerzballern im Koma liegt, kann er den Crakern keine Geschichten von Crake mehr erzählen, eine quasi-religiöse Einrichtung, die den Crakern sehr wichtig ist. Und Toby wird unfreiwillig zu Jimmys Ersatzpastorin. Und weil die Craker feststellen, dass Tobys Art der Erzählung neue Fragen aufwirft und außerdem noch Erzählungen in ihr sind, die Jimmy nicht kannte – bzw. nicht kennen konnte – wird sie gewissermaßen zur Chronistin der neu entstehenden Siedlung und der Leben der Menschen, die ihre wichtigsten Erlebnisse eigentlich vor der wasserlosen Flut hatten.

Da ist natürlich die Geschichte von Toby selbst, die mit dem Wiederauftauchen von Zebulon in ein großes Gefühlwirrwarr geworfen wird und die nun zunächst einmal ganz dezidiert versucht, dessen Lebensgeschichte kennenzulernen – und damit auch ungewollt einen Teil von Adams – Adam1 - Lebensgeschichte erfährt, denn Adam und Zebulon sind beide Söhne eines überaus ungewöhnlichen und sehr gefährlichen Vaters. Außerdem ist ihre Geschichte überaus eng mit der der wasserlosen Flut und dem Entstehen der Craker verbunden. Und so bekommen auch wir als Leserinnen und Leser neue Einblicke in diese Endzeitwelt der „alten“ Menschheit in der Morgendämmerung der Menschheit, die Crake gemacht hat und die nun von ihren direkten Vorfahren einige Starthilfen erhält.

Daneben geht es auch sehr um die Geschichte dieser Morgendämmerung und wie die Craker durch die „Zweihäutigen“ die Schrift, das Lesen, die Monogamie und andere Dinge kennenlernen, die sie überaus verstören, wie sie lernen mit den Pigoons Abmachungen zu schließen, die den beiden intelligenten Nachfolgerassen von Homo Sapiens Sapiens ein friedliches und produktives Zusammenleben ermöglichen sollen und natürlich all die Geschichten, die ihnen Toby erzählt. Es ist eine sehr aufregende und verwirrende Zeit für die neuen Menschen.

„Maddaddam“ – benannt nach den Maddadamisten, den Anhängern Adam1s und nach einem Spruch zu einem Online-Spiel namens Extinctathon – beantwortet viele offene Fragen und führt die Trilogie zu einem befriedigenden Ende weiter. Eine Menge in diesem Buch mag Leserinnen und Lesern als überaus utopisch und an den Haaren herbei gezogen erscheinen, aber die Autorin, die für ihre Intelligenz und ihre Zuverlässigkeit geradezu berüchtigt ist- bestätigt, dass das Buch „keine Technologien oder Bioschöpfungen beinhaltet, die es nicht bereits gibt, die sich nicht im Moment in der Entwicklung befinden oder zumindest einen sehr hohen theoretischen Realisierungsgrad haben.“ (S. 393) Die wechselnden Stimmen dieses Buchs sind klar voneinander unterschieden und jeweils konsequent durchgehalten, dürften aber gerade deswegen für einige Leserinnen und Leser eine typisch atwoodsche Herausforderung darstellen. Eine Herausforderung, der es lohnt sich zu stellen, denn wie immer arbeitet die Autorin auf vielen Ebenen und gibt en passant unglaublich viele komplexe Informationen, so dass ein mehrmaliges Lesen der Trilogie immer wieder neue Erkenntnisse eröffnen sollte.