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Michael Drewniok
That’s Entertainment: Aus Freude am Schrecken

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2020

Sieben Kurzgeschichten aus alten Pulp-Magazinen - ein wiederentdeckter Schatz:

- Vorwort, S. 7/8

- Louisa May Alcott: Der Mumienfluch (Lost in a Pyramid, or The Mummys Curse, 1869), S. 9-30: Unkluge Neugier und der Zufall führen dazu, dass ein Fluch sich Jahrtausende später tragisch erfüllt.

- Albert Richard Wetjen: Schiff des Schweigens (The Ship of Silence, 1932), S. 31-65: Was an Bord des in tadellosem Zustand besatzungsleer gefundenen Schiffes geschah, weiß nur der sprachbegabte Papagei, dessen Zitate das Rätsel noch vertiefen.

- David Wright O’Brien: Das Albtraumhaus (Rats in the Balfry, 1943), S. 66-98: Die außergewöhnliche Architektur dieses Gebäudes reißt buchstäblich ein Loch in Raum und Zeit, das man zur Korrektur eines historischen Verbrechens nutzen könnte.

- Mack Reynolds: Das Projekt (He Knew All the Answers, 1951), S. 99-109: Als sie feststellen, dass Querdenker Jeremias mit seiner Sicht der Realität richtig liegt, sehen jene, die im Kosmos das Sagen haben, keinen Grund mehr sich zu verbergen.

- Gordon MacCreagh: Die Hand von Saint Ury (The Hand of St. Ury, 1951), S. 110-185: Sie gehörte einem vor Jahrhunderten hässlich verstorbenen Ahnen und macht sich nun auf den Weg, um sich am Nachfahrer derer, die dafür verantwortlich waren, zu rächen.

- Anna Alice Chapin: Drachental (Through the Dragons’ Valley, 1918), S. 186-202: Im Angesicht des Todes böte sich Louise die Chance, die Nebenbuhlerin beim heimlich geliebten Dick in Misskredit zu bringen.

- Tudor Jenks: Phantomschmerz (A Supernatural Swindle, 1899), S. 203-215: Der Zahnarzt wird von einem Gespenst aufgesucht, das seine Zahnschmerzen mit ins Jenseits nahm.

- Matthias Käther: Amazing Stories - Kurze Geschichte einer Pulp-Fiction-Ikone 1926-65, S. 216-281

Schätze warten auf ihre Bergung

Die Ära der Pulps - jener großformatigen, auf billiges, stark holzhaltiges Papier gedruckter Magazine - wird überwiegend auf die Zeit zwischen 1926 und 1953 datiert. Dabei gab es Heftpublikationen, die eine bunte Mischung aus Kurz- und Fortsetzungsgeschichten sowie Artikeln druckten, schon viele Jahrzehnte früher.

Wie Mitherausgeber (und Übersetzer) Matthias Käther in seinem ausführlichen und informativen Nachwort am Beispiel des Magazins „Amazing“ erläutert, wurden die Pulps für zahlreiche Verfasser zum Sprungbrett in einer Karriere als ‚richtige‘ Schriftsteller. Doch es gab bemerkenswerte Ausnahmen; Autorinnen und Autoren, die ausschließlich für die Pulps schrieben, weshalb ihre Werke in Vergessenheit gerieten, da diese in der Regel gelesen = ‚verbraucht‘ und entsorgt wurden.

Während viele Pulp-Autoren zu Recht der Vergessenheit anheimfielen, teilten andere, die über Talent verfügten, ihr Schicksal unverdient. Lange galten die Pulps - ähnlich wie hierzulande die „Groschenhefte“ - als Hort für „Schund“, der zu Recht in Mülleimern und Vogelbauern geendet war. Erst Jahrzehnte später griff nicht nur der Nostalgiefaktor, die die oft wunderbar knallig aufgemachten Hefte in kostbare Sammlerobjekte verwandelte. Man schaute sich die alten Storys an und stellte fest, dass sie ihren Unterhaltungsgehalt keineswegs durchweg eingebüßt hatten.

Wiedersehen mit (dem) Unbekannten

Nach und nach werden die Bestände gesichtet und einer neuen Generation von Lesern vorgestellt. Das Reservoir ist scheinbar unerschöpflich, denn im Laufe vieler Jahre erschienen unzählige Pulps. Hierzulande gerieten diese höchstens nebenbei ins Leservisier. Viele der Storys, die nach dem Zweiten Weltkrieg erst für das Heft und später das Taschenbuch übersetzt und veröffentlicht wurden, waren ursprünglich in Pulps erschienen.

„Fantastic PULP 1“ ist eine Sammlung, die ausdrücklich aus der Pulp-Quelle schöpft. Sieben Kurzgeschichten decken einen Zeitraum von 1869 bis 1951 ab. Sie sind entstanden, um möglichst viele Leser zu unterhalten und zum Kauf einer weiteren Ausgabe zu locken. Man kann sie problemlos weiterhin auf diesen Zweck beschränken und wird die Lektüre genießen - mal mehr, mal weniger, weil einige Story aus heutiger Sicht zu langsam ablaufen, vor einem konsequenten Ende zurückschrecken oder aus anderen Gründen schlicht veraltet wirken.

Hier ist der Blick auf die Einleitungen hilfreich, die Mitherausgeber Käther jeder Erzählung voranstellt. Sie ordnet Autoren und Handlungen in ihr zeitliches Umfeld ein, was von Bedeutung ist, wenn man weiß, dass Gesetze, aber vor allem auch gesellschaftliche Regeln und Gebote mitverantwortlich für Form und Inhalt waren. Was Louisa May Alcott (1832-1888) schrieb, endete nach den Maßstäben von 1869 durchaus schaurig. Die Zurückhaltung gehörte zum zeitgenössischen Ton.

Die Zeiten ändern, die Sitten lockern sich

Dieses Korsett lockerte sich, je weiter wir gen Gegenwart vordringen. Tudor Jenks (1857-1922) Humor ist zweifellos harmlos, aber die Idee eines von Zahnschmerzen geplagten Gespenstes ist weiterhin unterhaltungstauglich, und der Verfasser weiß die Schwierigkeiten der daraus resultierenden Behandlung witzig zu nutzen. Ihm gelingt sogar ein Schlussgag, der das Geschehen krönt: schon damals keine leichte Aufgabe! Geradezu hintergründig wirkt in dieser Hinsicht Mack Reynolds (= Dallas McCord Reynolds, 1917-1983).

Anna Alice Chapin (1880-1920) demonstriert, dass sich „Pulp“ und „Anspruch“ keineswegs auf Kosten der Unterhaltung ausschließen mussten. Die Story bleibt auf das Thema konzentriert und endet ironisch bitter. Diese Qualität weist keine andere der hier gesammelten Erzählungen auf. Der Ton bleibt leicht, der ‚Wille‘ zur Unterhaltung tritt merklich in den Vordergrund. Nicht immer will die Rechnung aufgehen. Albert Richard Wetjen (1900-1948) spinnt ein nur bedingt fesselndes, allzu auf ‚Stimmung‘ fixiertes Seemannsgarn, dem ein echter Höhepunkt fehlt. David Wright O’Brien (1918-1944) scheint allzu grotesk sowie politisch absolut unkorrekt zu übertreiben, doch gerade hier muss die Entstehungszeit ins Urteil einfließen: 1943 dürften die Leser den Plot definitiv besser aufgenommen haben - und Autor David O’Brien starb 1944 an Bord eines Bombers, der über Berlin abgeschossen wurde.

Natürlich nutzten Pulp-Autoren gern die Werke anderer Autoren. In einer seiner späten Storys greift Gordon MacCreagh (1886-1953) unverhohlen auf eine Erzählung von 1919 zurück. „The Beast with Five Fingers“/„Die Bestie mit den fünf Fingern“ von William Fryer Harvey (1885-1937) gehört zu den Klassikern des Horror-Genres. MacCreagh liefert eine ‚Light-Version‘, die sich auf reine Grusel-Action beschränkt, jegliche Zwischentöne ausblendet und das Geschehen um eine Liebesgeschichte ‚erweitert‘. Das Ergebnis ist dennoch lesenswert, weil der Verfasser sein Garn sichtlich nicht ernstnimmt, sondern formal wie inhaltlich schwungvoll übertreibt, ohne daraus einen Hehl zu machen.

Fazit:

Thematisch gut gemischte Sammlung zu Unrecht vergessener, hierzulande überhaupt unbekannter Kurzgeschichten, die für den historisch interessierten Phantastik-Fan eine Lücke schließt. Der Lese-Spaß wird durch Hintergrundinfos ergänzt. Das Cover ist allerdings nicht ‚pulpig‘, sondern unbeholfen.

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