Offene Geheimnisse

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  • Erschienen: Januar 2009
Offene Geheimnisse
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Holger Schmidt
70°

Phantastik-Couch Rezension vonAug 2009

Lückenfüller ohne Effet

Die Vanguard-Reihe spielt Mitte des 23. Jahrhunderts zur Zeit der "Original"-Star-Trek-Serie. Haupthandlungsort ist die namensgebende Raumstation der Föderation. Gegenüber dem restlichen Star-Trek-Franchise ist Vanguard von Anfang an durch hohe Eigenständigkeit aufgefallen. Besonderheiten sind eine meist actionreiche Handlung, Figuren, die einmal nicht die perfekten Offiziere verkörpern und eine kritischere Sicht auf die Sternenflotte an sich. Das eigentliche Konzept der Reihe war anfangs prädestiniert für eine Romantrilogie. Nachdem Vanguard jedoch positiven Anklang bei den Fans fand, blieben in Band 3 noch einige Fragen offen, die es nun zu beantworten gilt.

Eine bedeutsame Entdeckung

Noch vor kurzer Zeit galt die Taurus-Region als ein eher unbedeutender Raumsektor. Die dort errichtete Raumstation der Föderation war nur ein entlegener Außenposten. Die wahre Mission der Station ist nun jedoch nicht länger Geheimsache: Auf Vanguard versuchen Forscher die Geheimnisse des hochentwickelten Meta-Genoms zu enträtseln, das in der Taurus-Region entdeckt wurde. Der fortschrittliche DNA-Strang könnte die Wissenschaft des 23. Jahrhunderts revolutionieren. Nachdem der ehemalige Stationskommandant Diego Reyes Informationen über die Geheimmission offengelegt hat, steht Vanguard nun mit einem Mal zwischen den Fronten. Nicht nur das expandierende Klingonische Reich, auch die Tholianer behaupten ihre Gebietsansprüche in der Taurus-Region. Während im Hintergrund die mysteriösen Shedai lauern, die Nachfahren einer untergegangenen interstellaren Hochkultur.

Für Commodore Diego Reyes sind die politischen Ränke längst nicht mehr das Wichtigste. Der abgesetzte Commander der Station wartet in einer Gefängniszelle Vanguards auf sein Verfahren. Seine Karriere scheint am Ende; zu schwer wiegen die Vorwürfe gegen ihn, hat er doch Top-Secret-Informationen der Presse zugänglich gemacht. Auch der Reporter, den Reyes einweihte, Tim Pennigton, ist auf einer eher privaten Mission. Seine einstige Widersacherin, Sicherheitsoffizierin T´Prynn, liegt im Koma. Gemeinsam mit der schwerkranken T'Prynn und ihrem behandelnden Arzt macht sich Tim auf den Weg nach Vulkan. Nur dort kann man der schwer traumatisierten Vulkanierin helfen.

Macks Baby

Vanguard ist zu einem großen Teil David Macks Schöpfung. Nicht nur, dass der Autor maßgeblich am Konzept der Reihe mitgearbeitet hat, mit Band 1 und 3 aus seiner Feder hat Mack auch zwei erstklassige SF-Romane verfasst. Schon der von Dayton Ward gemeinsam mit Kevin Dillmore verfasste zweite Band war kaum mehr als ein Lückenfüller.

Wendungen oder Überraschungen erlebt man in Vanguard 4 folglich nur wenige. Die Handlung verläuft sehr gradlinig und meist unspektakulär. Auch die Action wird deutlich heruntergefahren. Ward konzentriert sich darauf, die Bälle, mit denen David Mack so virtuos jongliert hat, in der Luft zu halten. Zwar erfährt der neugierige Leser, wie es mit der Raumstation weitergeht, jedoch wirken einige der Handlungsebenen unnötig. So, als hätte der Autor selbst zu diesen nichts zu sagen, sondern sie nur fortgeführt, weil dies gefordert wird. Wie oft bei einer zeitgleich noch im TV laufenden Serie der Fall, hat man den Eindruck, Ward versuche größtenteils den Status Quo zu halten. Bei einer vom restlichen Universum eher unabhängigen Reihe wie Vanguard schwer nachvollziehbar. Ein interessantes Element ist jedoch das Verfahren gegen den abgesetzten Stationskommandanten. Da die Sternenflotte ganz offensichtlich vor allem an dem Meta-Genom als Waffe interessiert ist, ist sie einmal nicht die über jeden ethischen Zweifel erhabene Organisation. Hier offenbart sich noch Potential für die Zukunft der Buchreihe.

Insgesamt kann "Offene Geheimnisse" keine neuen Impulse setzen, der Erzählung keine neuen interessanten Elemente hinzufügen. Nur für den Schluss hat man sich eine bedeutsame Überraschung aufgehoben. Die erwähnten Stärken der Vanguard-Reihe sorgen dafür, dass das vorliegende Buch kein absoluter Einbruch ist und sich gefällig liest. Für Einsteiger macht es wenig Sinn, mit diesem Band zu beginnen. Für Fans der Reihe wird die vom Grundkonzept her fraglos spannende Geschichte um die Vanguard-Station befriedigend weitergeführt. Kein Grund also für begeisterte Luftsprünge, aber eine akzeptable Fortführung der Geschichte. Vanguard büßt einiges an Effet ein, sollte aber noch lange nicht abgeschrieben werden.

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