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Carsten Kuhr
Urban Fantasy der besseren Art

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2013

"Hallo, gestatten Sie, dass ich mich vorstelle - so ein Bullshit, so würde sich vielleicht ein weißer Snob aus dem Bankerviertel vorstellen, doch wie sie meinen wohlgesetzten Worten entnehmen können, bin ich kein Banker.

Ich bin Polizist, schlimmer noch, Polizist in London, viel schlimmer noch ein farbiger Polizist mit Wurzeln in Sierra Leone und dann auch noch in einer höchst geheimen Sondereinheit, die meine Mutter immer als Hexenjäger bezeichnet.
Constabler Grant, weiter habe ich es bislang noch nicht gebracht, dafür darf ich dieses Mal in Sachen eines amerikanischen Studenten ermitteln, der in der U-Bahn erstochen aufgefunden wird. Dass die Tatwaffe, die Scherbe eines getöpferten Tellers Rückstände von Magie aufweist zeigt, sorgt dafür, dass das Verbrechen in meinen Dienstbereich fällt. Und schon geht der Ärger los - Flüsse und Feen, selbst eine Chinesische Magierin mischen sich ein, unsere alten Feinde, Magier, die sich der dunklen Seite zugewandt haben, lassen auch einmal wieder von sich hören und die Angelegenheit rund um den Mord an dem Ami ist auch noch nicht ausgestanden.

Die Spur führt mich, immer verfolgt von einer nervigen FBI Agentin, die mir im Auftrag des Daddys des Opfers, seines Zeichens Senator, auf die Finger schauen will, tief in den Untergrund von London. Neben und unter den Röhren der Tube laufen, versteckt und kaum Jemanden bekannt, weitere Tunnelsysteme, die sich mit der Kanalisation verbinden. Und hier leben Wesen - magische Wesen, die nichts Gutes im Sinn haben. Und wen haben diese sich als Opfer auserkoren - wenn ich in den Spiegel sehe, blickt mit der Unglückliche direkt entgegen - oder ist doch alles ganz anders, als befürchtet?" ....

Humor, Selbstironie und eine interessante Kulisse

Ben Aaronovitch setzt auch im dritten Band seiner Geschichte des farbigen Polizisten Grant auf das, was die ersten beiden Romane zu Besteller-Ehren geführt haben - viel britischen Humor und Selbstironie, Dazu eine Kulisse, die uns zwar oberflächlich betrachtet bekannt vorkommt, die der Autor dann aber geschickt nicht nur mit realen unbekannten Ecken der Hauptstadt füttert, sondern auch mit phantastischen Orten anreichert.
Das alles fügt sich mit Kriminalelementen und phantastischen Sequenzen erneut zu einer rundum gelungenen Mischung in einem veritablen Schmöker zusammen. Dabei baut Aaronovitch seine Personen und deren soziales Umfeld weiter aus.
Auch wenn die Familie unseres Protagonisten ein wenig in den Hintergrund rückt und auch sein Mentor über Gastauftritte kaum herauskommt, werden dafür andere, zum Teil neue Gestalten in den Fokus gerückt. Geschickt greift der Autor hier, insbesondere was die FBI-Agentin anbelangt, auf bekannte Versatzstücke zurück. Diese wandelt er leicht ab, fügt sie seinem ganz eigenen Kosmos des Übernatürlichen bei und schafft so etwas ganz Neues.
Natürlich kommt ihm dabei zugute, dass er erneut den Alltag der britischen Polizei ebenso überzeugend wie detail- und kenntnisreich einfließen lässt. Seine Personen entwickeln sich - die Handlung setzt relativ nahtlos an die vorhergehenden Bände an - folgerichtig weiter, Niederlagen und Schicksalsschläge prägen ihren Charakter ebenso wie die Triumphe.

Und von denen gibt es erstaunlich wenig. Zwar wird der Mörder des Studenten letztlich gefasst, doch die Suche nach den Dunkelmagiern verläuft einmal mehr in eine Sackgasse .

Insgesamt atmet der vorliegende dritte Teil der Reihe erneut viel Realität, fußt also ganz im Hier und Jetzt und fügt diesem dann sehr dosiert aber glaubwürdig phantastische Elemente hinzu. Das entfaltet eine gewisse Sogwirkung, der Leser möchte unbedingt wissen, wie es mit unserem sympathischen Protagonisten weitergehen wird und man wartet ungeduldig auf den nächsten Teil.

Carsten Kuhr, Mai 2013

Ein Wispern unter Baker Street (Die Flüsse von London 3)

Ein Wispern unter Baker Street (Die Flüsse von London 3)

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Letzte Kommentare:
06.12.2014 16:09:42
geronimox

Eine Warnung vorab: Alle »Peter Grant« Romane sind voneinander abhängig und beziehen sich in ihren Inhalten jeweils auf die Vorgängerbücher. Sie sollten möglichst in der korrekten Reihenfolge gelesen werden. In jedem Buch werden neue Personen vorgestellt, auf die in den Folgeromanen ohne weitere Erklärung Bezug genommen wird.

Zum Inhalt der obigen Couch-Zusammenfassung habe ich nichts hinzuzufügen.

Die »Peter Grant« Romane bieten eine humorvolle, intelligente und kurzweilige Unterhaltung, die sich in ihrem Inhalt immer auf eine ganz spezielle Region des modernen Londons bezieht. Gerade diese Mixtur zeitgenössischen Großstadtlebens und modernem Polizeiwesen in Verbindung mit althergebrachter Magie macht den Reiz dieser Serie aus.

Die Hauptpersonen – so Bizarr sie auch daherkommen mögen – sind sympathisch, die eher knappgehaltenen Fälle (pro Taschenbuch angenehme 400 Seiten) lassen sich flüssig lesen und am Ende jeder Folge ist Luft für eine interessante Fortsetzung.

Mein Fazit: Humorvolle und kurzweilige Urban Fantasy – ich bin ein Fan und bleibe dran!

8/10

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