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Carsten Kuhr
Kein Fantasy Fast-Food sondern Haute Cuisine

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2014

Fünf Jahre tobt er jetzt, besser er köchelt er nun schon vor sich hin, der Krieg der Alethi gegen die Paraschendi. Nachdem diese, mittels eines weißgewandeten Attentäter den Grosskönig gemeuchelt haben, schworen die Adeligen des Reiches Rache. Die altruistischen Großprinzen haben sich auf der zerschmetterten Ebene eingegraben und suchen nicht etwa, wie man annehmen könnte, den Gegner zu bezwingen sondern eher ihre jeweilige Stellung zu verbessern. Statt den Krieg endlich vorwärtszuführen jagen sie den Edelsteinherzen nach, die auf der Ebene versteckt sind. Dabei bräuchte das Reich Alethkars nichts mehr, als Einigkeit und eine Rückbesinnung auf Gemeinsamkeiten. Statt dessen regiert die Intrige und Missgunst.

Wir verfolgen, wie bereits im ersten, für die Übersetzung in zwei Teile gesplitteten Band, drei Schicksale.

Der frühere Sklave Kaladin kam als Rechtloser zur vierten Brücke. Wer auch immer zum Dienst an, bei und unter der Brücke eingeteilt wurde, der war des Todes. Die Schinderei, die Kämpfe und die Gefahren forderten ihren Preis – immer. Doch mit Fortune und Mut hat er nicht nur sich selbst, sondern auch seine Kameraden befreit, ist der erste dunkelhäutige Hauptmann der Leibwache eines Großprinzen, auch wenn Neid und Missgunst, sprechen wir mal gar nicht von den bornierten Überlegungen der Adeligen, ihm das Leben nicht eben leichter machen. Nicht genug damit, dass er ausgerechnet die Menschen, die er verachtet mit seinem Leben schützen muss, aus seinen alten Leidensgenossen Soldaten formen sollte und ein Komplott aufdecken soll, er muss auch verhindern, dass sein großes Geheimnis offenbart wird – in seinen Adern fließt das Sturmlicht ...

Großprinz Dalinar hat als faktischer Herrscher über Alethka eigentlich wahrlich genügend Sorgen. Die Auseinandersetzung mit den Großprinzen spitzt sich zu, Visionen über den Ewigsturm und die Bringer der Leere suchen ihn heim, trauen kann er kaum Jemanden. Um den alles vernichtenden Ewigsturm zu verhindern muss Dalinar die anderen Großprinzen in die Schranken weisen und auf seine Linie einschwören – eine unmöglich scheinende Aufgabe, zumal ihm nach einer mysteriösen Prophezeiung nur noch 64 Tage verblieben ...

Hellheit Schallan Davar schließlich ist damit beschäftigt, etwas über die Bringer der Leere herauszufinden. Zwar gelangt sie zu Erkenntnissen, die vielleicht einen Weg aufzeigen könnten, die Vernichtung der Zivilisation aufzuhalten, doch wer schenkt ihren Worten schon Glauben?

Damit nicht genug, lässt auch der weiße Attentäter wieder von sich hören. Nachdem er in den letzten Jahren Könige und Großprinzen gemeuchelt hat droht er erneut zuzuschlagen. Und er hat Unterstützung – die strahlenden Ritter mit ihren magischen Klingen ...

Kein Fantasy Fast-Food sondern Haute Cuisine

Brandon Sanderson – mit diesem Namen verbindet der Fantasy-Freund viele angenehme Erinnerungen. Mit seiner Saga um "Die Kinder des Nebels" hat er die Leserherzen im Sturm erobert, mit Stealheart eine All-Age Dystopie vorgelegt, die Alcatraz Bücher boten packende Abenteuer für ein jüngeres Publikum und zudem durfte er, nach dem viel zur frühen Ableben Robert Jordans dessen "Wheel of If"-Reihe (dt. Rad der Zeit) beenden.

Seit letztem Jahr erscheinen bei Heyne, im gediegenen Hardcover, die Sturmlich-Chroniken, die sein etatmässiger Übersetzer, Michael Siefener kongenial ins Deutsche überträgt. Dass die Originalromane für die Übersetzung in zwei Bände aufgesplittet werden erscheint vorliegend nachvollziehbar, präsentiert sich der erste Teil des zweiten Romans doch immer noch mit fast 1.000 klein gesetzten Seiten als wahrer Ziegelstein.

Erstaunlich dabei, dass trotz dieser vielen Seiten, dieses massiven Textes, der den Leser zunächst fast erschlägt kein Wort zu viel enthalten ist.

Sanderson hat sich sehr genau überlegt, wie er seine Handlung aufzieht, wie er seine Geschichte aufbereitet. Das ist kein Fantasy-Fast-Food eher Haute Cuisine mit verschiedenen Gängen die aufeinander abgestimmt auf den Leser warten.

Immer sind es dabei die Gestalten, die die zunächst miteinander kaum verwobenen Handlungsebenen vorwärtstreiben und interessant machen. Der Plot ist ungeheuer vielfältig, die Bühne vor der dies alles abläuft, zunächst unauffällig aber wohl durchdacht und detailliert ausgeführt. Eine dem Werk gerecht werdende Zusammenfassung der über 900 Seiten ist kaum möglich – zu vielschichtig präsentiert sich der Text, zu umfangreich sind die Schicksale, denen wir gebannt folgen und – noch – zu undurchsichtig bleibt, wie dies alles zusammenhängt. Und genau da kommt dann eine ungeheuer intensive Spannung auf, will man als Rezipient doch wissen, wie alles zusammenhängt, welche Motive die Handelnden zu ihren jeweiligen Taten bewegen und welches Schicksal auf sie, wie auf ihre Welt wartet.

Das hat viel Flair, präsentiert uns eine realistisch gezeichneten Welt mit Ecken und Kanten in der Figuren versuchen das Richtige zu tun, Unheil anzuwenden, und doch immer wieder von ihre egoistischen Leidensgenossen ausgebremst werden und an deren Ignoranz scheitern.

So ist dies auch ein Buch über das Leben, das Leiden und das Hoffen – sicherlich keine Fantasy-Massenware sondern ein Highlight, für das man sich Zeit nehmen muss. Der zweiten Teil des zweiten Romans erscheint im Februar 2015 unter dem Titel Die Stürme des Zorns bei Heyne.

Die Worte des Lichts (Die Sturmlicht-Chroniken 3)

Die Worte des Lichts (Die Sturmlicht-Chroniken 3)

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