Der Pfad der Winde (Die Sturmlicht-Chroniken 2)

Erschienen: Januar 2011

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Verena Wolf
Die Sturmlichtchroniken mausern sich zum Epos

Buch-Rezension von Verena Wolf Mai 2011

Der Pfad der Winde ist der zweite Teil der Sturmlichtchroniken, des Gesamtwerks, das nach eigener Aussage des Autors Brandon Sanderson am längsten von all seinen Geschichten "geköchelt hat". Seit über einem Jahrzehnt hat er schon daran geschrieben. Es wird ein langes Epos werden, so viel ist sicher. Der Pfad der Winde allein umfasst rund 780 Seiten und teilt sich in drei Teile, genannt: "Sterben", "Sturmesleuchten" und "das Schweigen darüber". Eingestreut sind wunderbare Illustrationen aus einem Skizzenbuch der Hauptakteure, Karten und Abbildungen von Reliefen. Jedem Kapitel sind Zitate voran gestellt, dann folgt ein Epilog, vor dem man den Hut ziehen kann, eine Schlussbemerkung (nicht des Autors, sondern eines "stillen Sammlers seiner Majestät") und ein "Ars Arcanum", eine Aufstellung der zehn Essenzen und ihrer historischen Beziehungen, die einem chemischen Periodensystem ähneln. Eine wirklich Runde Sache, ein liebevoller Rahmen mit Format.

Wie in seinen übrigen Romanen hat Sanderson auch hier eine äußerst komplexe Welt sowie ein durchdachtes, eigenständiges "Magiesystem" erschaffen - wenn man die Essenzen und ihre Kraft so nennen will. Das Ars Arcanum, das den Hintergrund bildet, ähnelt eher einer mysteriösen Naturwissenschaft und durchzieht die gesamte Gesellschaft, die Historie sowie die Geschichte, die Sanderson über und mit seinen Charakteren erzählt. Die Hauptfiguren kennt man schon aus Band 1: Die Erlebnisse von Kaladin werden im gesamten Buch erzählt, im ersten Teil abwechselnd mit den Erlebnissen der jungen Wissenschaftlerin und Künstlerin Schallan. Im Mittelteil dreht sich alles neben Kaladin im Wechsel um Dalinar, Adolin, Navani und im dritten Teil wird die Geschichte von Schallan aufgegriffen und Szeth, Dalinar und Schelm kommen ebenfalls zu Wort.

Spannende Puzzlestücke einer großen Welt

Das lange Köcheln merkt man der Welt "Roschar" an. Es interessiert auf vielen Ebenen. In diesem Band - besser als im ersten - ist der Wechsel der Hauptpersonen gut gelungen. Durch Rückblicke und durch die Erlebnisse der so unterschiedlichen Figuren wie die des Heerführers Dalinar, des Mündels Schallan und ihrer Lehrerin Jasnah, dem an der Front kämpfenden Kaladin und dem Auftragsmörder Szeth erschließt sich dem Leser nach und nach die Welt. Das alles, ohne dass der Autor mit erhobenen Zeigefinger erklärt oder langwierig dozieren muss. Die Geheimnisse um die Strahlenden und die Bringer der Leere, die Splitterklingen und die Sklavenklasse der Parscher lüften sich allmählich, aber nur während die Handelnden selbst darüber mehr erfahren. Es ist ein wenig wie eine Schnitzeljagd, die einen immer tiefer in die Welt hineinführt.

Aber diesmal steigt die Spannung während dieser Schnitzeljagd und man ermüdet nicht durch die x-te Erklärung der aufgeladenen Edelsteine, der Brückenläufe und der Mystik im Allgemeinen. Die Handlung ist straffer und fesselnder als im ersten Teil "Der Weg der Könige". Klar, die neue Welt musste dort erst einmal eingeführt werden, aber das führte zu Längen. Hier ist das Vergangenheit, der rote Faden bleibt deutlich und man kann - und will vor allem auch! - erfahren, wie es den Charakteren weiter ergeht. Die Charaktere, so unterschiedlich sie sind, wachsen einen sehr ans Herz und geben Vielschichtigkeit: Die Visionen von Dalinar, das Schicksal von Szeth, die mysteriösen hellsichtigen Zeichnungen von Schallan und der Kampf Kaladins verweben sich gekonnt.

 

"Eine Frau sitzt da und kratzt sich die Augen aus. Tochter von Königen und Winden. Vandalen."
Datiert Palahevan 1173, dreiundsiebzig Sekunden vor dem Tod. Person: ein Bettler von gewisser Berühmtheit, bekannt für seine eleganten Lieder.

 

Ein netter Bonus-Schachzug und typisch für Sanderson sind solche neugierig machenden Zitate, die im zweiten Teil jedes Kapitel einläuten: Es sind die letzten Gedanken von Sterbenden, offensichtlich aufgezeichnet und analysiert. Von wem, wie und warum wird erst spät klar und wieder ist ein Rätsel gelöst, wodurch nur viele neue Fragen aufgeworfen werden. Fazit: die Sturmlichtchroniken haben die Kinderkrankheiten des ersten Bandes überstanden und die Charaktere und die magische Welt haben das Format, noch viele spannende Seiten zu füllen. Ein Fantasy-Epos-Beginn im besten Sinne!

(Verena Wolf, März 2013)

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