Der Weg der Könige (Die Sturmlicht-Chroniken 1)

Erschienen: Januar 2011

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Verena Wolf
Ein Epos, das getragen beginnt

Buch-Rezension von Verena Wolf Mai 2011

Brandon Sanderson ist in Deutschland vor allem mit seiner Trilogie um die Nebelgeborenen bekannt geworden und hat nicht umsonst die Ehre, nach Jordans Tod den legendären Rad-der-Zeit-Zyklus weiter zu schreiben: Sanderson kann Fantasy! Besonders seine innovativen Magiekonzepte, die stimmigen Details seiner oft düsteren Welten und einprägsame Charaktere machen seine Bücher besonders. "Der Weg der Könige" ist der erste Band der Sturmlichtchroniken aus seiner Feder. Die sollen sich sogar mit Tolkiens "Herr Der Ringe" messen lassen können. Das schürt sicherlich die Erwartung.

Sandersons Bücher sind nie dünne Novellen, aber hier hat man mit knapp 900 Seiten einen Brecher in der Hand. Insgesamt sollen die Sturmlichtchroniken an die zehn Bände umfassen, Sanderson und seine Leser haben sich also was vorgenommen. Der Autor wählt einen mystischen Prolog über heroische Schwertkrieger, die mit magischen Rüstungen und legendären Splitterklingen die Geschicke der Welt bestimmten. Wenn der Roman beginnt, sind diese Zeit und die legendären Ritter nur noch als schemenhafte Legenden in Erinnerung. Die Welt Roschar ist düster und in sich zerrissen. So eine Atmosphäre kann Sanderson gut herauf beschwören, das hat er in seinen bisherigen Büchern oft bewiesen.

Drei Sichtweisen, drei Suchende, drei Handlungsstränge

Die Hauptfiguren, um die sich die Geschichte rankt, sind detailliert ausgestaltet. Da gibt es den charismatischen Anführer Kaladin, dessen Vater ein Heiler war und der ihn auch für diesen Beruf bestimmt sah, auch wenn Kaladin selbst sich immer mehr zur Kampfkunst hingezogen fühlte. Als wir ihn treffen, ist er gerade durch widrige Umstände versklavt und scheint am Ende zu sein. Aber dann entdeckt er, dass er andere führen und so seinem Schicksal - und seiner Zukunft - eine ganz neue Wendung geben kann.

Der Visionär Dalinar entstammt einer weit höheren Schicht, aber ist ähnlich zermürbt, allerdings aus anderen Gründen. Er ist der Bruder des ermordeten Königs und des Lebens und vor allem des ewigen Krieges müde. Zudem hat er Visionen, ähnlich der legendären Cassandra wird er deswegen für verrückt gehalten. Aber er ahnt, dass er den Bildern und den Stimmen, die ihn leider für seine Umgebung viel zu oft überwältigen, gehorchen muss, falls er das Königreich einen - und retten - will.

Als dritten Erzählstrang folgt der Leser dem Schicksal des Mädchens Shallan, das nach dem Tod ihres Vaters als Bündel - sozusagen als Azubi - von der Wissenschaftlerin Jasnah angenommen werden will, vordergründig, um als Wissenschaftlerin ausgebildet zu werden. In Wirklichkeit möchte sie so nur eine Gelegenheit ergattern, ein magisches Artefakt, das im Besitz von Jasnah ist, zu stehlen. Der Plan muss gelingen, ansonsten ist ihre Familie dem Untergang geweiht.

Ergänzt werden diese roten Fäden durch weitere Figuren und ihre Geschichte, die nach und nach bruchstückhaft eingestreut werden, wie z.B. die des mysteriösen Königsmörders, der die perfekte Mordwaffe für seinen jeweiligen Meister ist - auch wenn ihn das selbst mit Grauen erfüllt. Erst allmählich fügen sich für den Leser die verschiedenen Handlungsstränge und -orte zusammen, so dass man ein puzzlehaftes Bild auf Roschar aus Sicht des Hauptfigur-Trios: Gelehrte, Krieger, Anführer erhält.

Innere Kämpfe in kriegerischen Zeiten

Es gibt viele lange Kriegsbeschreibungen und Kampfhandlungen. Das ist für jeden schwertverliebten Kerl sicher lesenswert. Dahinter stehen die inneren Kämpfe jedoch nicht zurück. Alle Hauptfiguren sind in sich zerrissen und müssen gegen ihren stärksten Gegner - sich selbst - bestehen. Minutiös ist man dabei, wie Kaladin den Glauben der Brückenmänner und damit den Glauben an sich selbst erkämpft. Die Brückenmänner sind nicht mehr als Kanonenfutter: Mit hölzernen Vorrichtungen überbrücken sie die Schluchten und Löcher des zerstörten Landes, um so den Weg für die Reiter und Soldaten der Front frei zu machen. Kaladin trainiert diese verzweifelten Brückenmänner, optimiert ihre Strategie und gibt ihnen so neuen Lebensmut. Das ist edel, aber eine weniger breite Darstellung hätte gereicht. Ähnlich verhält es sich mit der genauen Beobachtung von Dalinars Selbstzweifeln und sein depressives Schwanken zwischen Pflichtgefühl, Sorge ums Vaterland und Ausgebranntsein. Es füllt viele Seiten. Gerechterweise wird auch die Entwicklung der jungen Wissenschaftlerin, die sich zwischen Moral und Pflichtgefühl entscheiden muss, ausführlich aufgeblättert.

Die Szenerie ist schön ausgestaltet und detailreich, das Erzähltempo ist bedächtig und die Beschreibungen dementsprechend detailreich und voller Atmosphäre. Sanderson gibt selbst an, dass ihn diese Geschichte schon lang beschäftigt und er schon viele Jahre daran schreibt. Die Helden wirken eventuell deshalb stereotyper als in seinen später begonnenen Werken. Dieses Fantasy-typische haftet auch der Handlung an, die man mit etwas phantastischer Leseerfahrung recht gut vorhersagen kann. Es ist beim Lesen früh klar, - und man verrät hier damit auch nicht zu viel - dass der Krieger sich zu einem tollen Anführer und Held mausern wird, der Visionär die anderen überzeugen muss, um das Königreich zu retten und welche Ziele das schlaue Mädchen trotz aller Zweifel weiter verfolgen wird. Auf behagliche Art wirkt das vertraut, birgt aber keine wirklichen Überraschungsmomente. Im ersten Band werden somit vor allem das Inventar und die Welt vorgestellt, die Bühne etabliert. Als ungeduldiger Typ wird man sich durch diesen ersten Band auch schon mal quälen müssen und sich keinesfalls vor Spannung die Nägel abkauen. Als Fan von breit angelegten Geschichten, die als wahre Chronik viele, lange Bände und Lesestunden füllen (und die Fingernägel nicht gefährden) eine verlässliche Wahl.

(Verena Wolf, September 2011)

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