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Marcel Scharrenbroich
Flutsch und weg

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2019

Klopf, klopf…

Wenn ein Witz mit diesen Worten beginnt, kann man sich ziemlich sicher sein, dass das darauf Folgende auf eine ziemlich beschissene Pointe hinauslaufen wird. Das würde bestimmt auch Patrick Richter denken, den ich nach dem Genuss von „Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“ für ein ziemlich pfiffiges Bürschchen halte… doch er kommt gar nicht erst zur Frage „Wer ist da?“, als ein schwerbewaffnetes Einsatzkommando seine Wohnung stürmt und ihn unsanft aus Morpheus‘ Armen schüttelt. Kein freundliches „Schönen guten Morgen, Herr Richter.“ oder „Stört es Sie, wenn wir Ihre Bude auf Links drehen?“. Nichts! Mit aller Durchsetzungskraft und erlaubter Härte des Gesetzes wird gedroht, geschrien und mit der vorgehaltenen Waffe vor der Nase des überrumpelten Mannes gefuchtelt. Und das Beste ist, Patrick Richter weiß nicht einmal WARUM diese uniformierten und gepanzerten Kerle versammelt in seinem Schlafzimmer stehen!

So ganz im Unklaren lässt man den ungewollten Frühaufsteher dann doch nicht und zu seiner eigenen, großen Überraschung erfährt Patrick, dass man ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorwirft. Ein Terrorist? Er?? Ein Mitdreißiger aus Düsseldorf soll sich irgendwelchen Fanatikern angeschlossen haben??? Nein… da muss es sich wohl eindeutig um eine Verwechslung handeln. Nun… das sieht die BFE+ (eine spezialisierte Einheit der Bundespolizei, die zur Terrorismusbekämpfung eingesetzt wird) allerdings anders… und auch Polizeihauptkommissarin Marion Fischer ist sich ziemlich sicher, mit Patrick Richter den richtigen Fisch an der Angel zu haben. Einzig der Verhörspezialist Carsten Grünfeld hält sich mit einer abschließenden Bewertung der Sachlage noch zurück, da er von der Schuld des vermeintlichen Terroristen nicht vollends überzeugt ist. Es kommt aber noch dicker: Richter soll bereits kurz nach seiner Festnahme an das FBI ausgeliefert werden, dessen Sprachrohr auf deutschem Terrain – in Form des großmäuligen Ami-Agenten Stan Wilson – ihn ohne Umwege nach Guantanamo überstellen will. Richtig… DAS Guantanamo!

Bis zu diesem Zeitpunkt klingt „Instabil“ wie ein lupenreiner Thriller: Ein zu Unrecht verdächtigter Hauptprotagonist, mit dem wir uns als Leser/Hörer schnell identifizieren können, da dieser genau so schlau ist wie wir, was die Tatvorwürfe angeht. Die Bull… ähm, die Polizei, die vorschnell urteilt und resistent gegen die Unschuldsvermutung ist und ein Schreihals-Agent aus den Staaten, der den vermeintlichen Täter am liebsten ohne Umwege auf den Stuhl setzen würde. So weit, so gut. Ätsch! Jetzt fängt es nämlich erst richtig an, denn Sam Feuerbachs Roman hat ja noch den mysteriösen Untertitel „Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“… und DAS, was dann folgt, geht weit über einen Standard-Thriller hinaus. An manchen Stellen allerdings auch ein bis zwei Schrittchen ZU weit…

Von Zeit zu Zeit…

… kann einem so eine Zeitreise schon ganz schön den Tag versauen. Ewig muss man sich neu zurechtfinden. „Wo bin ich gerade?“ Und vor allem „WANN bin ich gerade?“ Man muss aufpassen, dass man sich nicht selbst über den Weg läuft, keinen Scheiß bauen und historische Ereignisse verändern, vorsichtig sein, dass das Universum nicht implodiert… und, und, und. Wenn man nicht gerade Marty McFly heißt, eine plutoniumbetankte Karre unterm Hintern hat und die läppischen 140 km/h mal eben im Standgas auf den Asphalt drückt oder gar zu den „Avengers“ gehört - und mal ehrlich: DAS tun die Wenigsten von uns – gestaltet sich die Hüpferei durch die Zeiten leicht komplexer, als es sich auf den ersten Blitzeinschlag anhören mag.

Das muss nun auch unser Terrorverdächtiger Patrick Richter feststellen, der gerade noch in seiner Zelle saß und seinen neuen, strahlend-orangefarbenen Overall bewunderte, der ihn schon mal auf Guantanamo einstimmen sollte. Aus heiterem Himmel ist Richter nämlich plötzlich verschwunden. Einfach so. Dieses Phänomen sorgt natürlich für große Augen bei der versammelten Behörden-Mannschaft, doch so richtig rund geht es ab jetzt bei Patrick. Dieser findet sich nämlich in einer Schwebebahn wieder, die ja bekanntlich in Wuppertal durch die Stadt kurvt. Hmm… da gingen ihm mal kurz die Lichter aus und schon verschlägt es ihn von Düsseldorf nach Wuppertal??? Die größte Überraschung steht ihm aber noch bevor: Erschrocken muss Patrick feststellen, dass er nicht nur den Ort, sondern auch die Zeit gewechselt hat!

Gerade noch inhaftiert im Jahr 2017, findet er schnell heraus, dass er sich nun im Jahr 2001 befindet… genauer gesagt, am 11. September 2001. DER schicksalshafte Tag, von dem wir wohl alle noch wissen, wo wir genau waren und was wir gerade getan hatten, als die schockierenden Berichte unser aller Alltag unterbrachen. Patrick schaut auf die Uhr und realisiert schnell, dass es noch früh am Tag ist. Die beiden Flugzeuge kollidierten erst zur späten Mittagszeit mit den Twin-Towers. In der Hoffnung, einen der größten Terrorangriffe der Geschichte verhindern zu können, macht er sich fieberhaft auf die Suche nach einer Telefonzelle… und ahnt nicht, dass er mit einem simplen Anruf eine ganze Kette von Ereignissen lostritt, die nicht nur folgenreich für seine Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit sind… denn der Sprung ins Jahr 2001 war nicht der letzte Zeitwechsel für ihn. Es kann jederzeit wieder passieren, denn das Zeitgefüge ist „instabil“.

Wenn Dein Smartphone Dir ungefragt ins Leben quatscht, weißt Du, dass es 5 NACH 12 ist…

Wir folgen nicht ausschließlich Patrick Richter bei seiner atemlosen Jagd durch die Zeit, sondern bekommen das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert. So schauen wir dem Verhörexperten Carsten Grünfeld immer wieder über die Schulter, der zunehmend überzeugter von der Unschuld Richters ist und sich dem aufbrausendem Temperament seines amerikanischen Kollegen entgegenstellt. Auch lernen wir die Journalistin Susanna Monroe kennen, die sich - den Unmut ihrer rechtsbewussten Tochter, für die immer noch die Unschuldsvermutung gilt, auf sich ziehend - dank Insider-Informationen innerhalb kürzester Zeit in den Reporter-Olymp katapultiert, indem sie brandheiße News über den „gefährlichen“ Flüchtigen veröffentlicht.

Obwohl die gesamte Geschichte in Deutschland spielt, was für so eine rasante Thematik erstmal ungewöhnlich und zugleich erfrischend neu ist, kommen viele Aspekte auf den Tisch, die man aus amerikanischen Pendants kennt. Zeitreisen in Düsseldorf und Umgebung ist wirklich mal was anderes, aber der klassische Sidekick, der dem Helden auflockernd mit (oft ungefragtem) Rat und flotten Sprüchen zur Seite steht, ist so amerikanisch wie Pancakes zum Frühstück oder die Coke „light“ zum doppelten Big-Mac-Menü. In „Instabil“ tritt dieser Nebencharakter in Form von „Siggi“ auf… einem dauerquatschenden Smartphone-Assistenten, der Patrick aus der Hosentasche mit altklugen Ratschlägen bespaßt. An diesem Punkt drohte die Geschichte kurzzeitig, mich zu verlieren. Doch dann dachte ich „hey… ich höre hier eine Story über einen Typen, der durch die Zeit hüpft, als deutscher Staatsbürger kurzerhand nach Guantanamo verfrachtet werden sollte, ohne überhaupt mit einem Anwalt gesprochen zu haben und ohne offizielle Anklage.“… und dann war wieder alles tutti.

„Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“ sollte man nämlich einfach so nehmen, wie es ist. Man sollte gar nicht erst versuchen, jedes Detail genaustens zu analysieren, zu hinterfragen oder auf Logik zu überprüfen. Sowas KANN nur in die orangefarbene Guantanamo-Hose gehen! Nein, man sollte akzeptieren, dass die beiden Autoren Sam Feuerbach und Thariot, die gemeinsam auch schon die „EchtzeiT“-Trilogie zu Papier brachten, hier einen kurzweiligen Sci-Fi-Thriller erzählen, der blendend unterhält, wenn man sich unvoreingenommen darauf einlässt. Ich will nicht stundenlang mit technischen Details, die ich wohl eh nicht verstehen würde, abgelenkt werden, sondern gut unterhalten werden… und genau DAS machen die Autoren und genau DESHALB funktioniert „Instabil“.

Hört, hört…

Der erste Teil der „Instabil“-Trilogie erschien im Ronin Hörverlag und Nachschub ist auch schon in Sicht. Gelesen wurde das Hörbuch (Spieldauer: 10 Stunden und 52 Minuten) von Robert Frank, der bereits über 150 Produktionen seine angenehme Stimme lieh und für eine vorherige Zusammenarbeit mit Autor Sam Feuerbach bereits ausgezeichnet wurde. Insgesamt schafft es Frank gut, den Protagonisten stimmlich unterschiedliche Einfärbungen zu verpassen, was diese jederzeit leicht erkennbar macht. Lediglich sein dröhnender Stan Winston, mit dem aufgesetzten Ami-Akzent, klingelt mir immer noch in den Ohren…

Fazit:

„Instabil - Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“ ist im positiven Sinne Sci-Fi-Fastfood mit würzigem Thriller-Dip. Schnell konsumierbar, leicht verdaubar… und bereits nach kurzer Zeit hat man Hunger auf MEHR.

Instabil 1 - Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen (Hörbuch)

Instabil 1 - Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen (Hörbuch)

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