Die Furcht des Weisen (Teil 1)

Erschienen: Januar 2011

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Marcel Buelles
Abenteuer vom Feinsten

Rezension von Marcel Buelles Sep 2011

Im Wirtshaus zum Wegstein im kleinen Ort Newarre macht sich ein Chronist daran, eine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Es ist sein zweiter Tag im Wirtshaus, und seine Verwunderung, dass einer der mächtigsten Magier aller Zeiten als Wirt in einem unbedeutenden Dorf sein Dasein fristet, hat seine Neugier erregt: Wie kommt es, dass der, den man den "Blutlosen" oder den "Arkanen" oder "Königsmörder" nennt, sich hierhin zurückgezogen hat? Am ersten Tag hat eben dieser Magier namens Kvothe von seinen ersten Lebensjahren berichtet; nun erzählt er von seinem Studium und den ersten großen Abenteuern jenseits der Universität.

Aus Rache wird der Wunsch geboren, Magie zu beherrschen

Kvothe gehört dem fahrenden Volk der Edema Ruh an, die als Schauspieler und Musiker im ganzen Land die Menschen erfreuen. Er lernt somit in frühen Jahren die Grundlagen dieses Handwerks, wobei es die Laute ihm besonders angetan hat, die er meisterhaft beherrscht. So schwer das Leben für diese nicht immer gern gesehenen Reisenden ist, so ist es doch ein spannendes und erfüllendes Leben bis zu dem Tag, an dem die Chandrian ihr Lager aufsuchen und jeden töten - außer Kvothe, der gerade Holz für das Lagerfeuer sammelt. Diese bösartigen, dämonischen Wesen mochten es nicht, dass diese Truppe der Edema Ruh Lieder über sie sang, und sorgten dafür, dass es keine Spuren gibt. Nur Kvothe hat sie gesehen, und nach einigen harten Jahren des Überlebenskampfs schafft er es, an der Universität des Commonwealth aufgenommen zu werden, wo er sich dank seiner Talente und Fähigkeiten schnell Freunde und Feinde macht - und sich bemüht, mehr über die Chandrian herauszufinden und wie er sie vernichten kann.

In diesem Band beschreibt Kvothe zuerst seine alltäglichen Schwierigkeiten, an der Universität zu studieren und dort auch zu bleiben. Zu Beginn eines jeden Trimesters werden Gespräche geführt, die die Studiengebühren für den einzelnen Studenten festlegen - und da Kvothe sowohl arm als auch bei einigen der Dozenten nicht besonders beliebt ist, fallen sie immer zu hoch für ihn aus, was ihn in die Arme von Wucherern treibt, die keine großen Menschenfreunde sind. Hinzu kommt, dass er den Bibliotheksleiter verärgert und sich damit ein Verbot eingehandelt hat, die Bibliothek für die Prüfungen zu nutzen, aber Kvothe wäre nicht Kvothe, wenn er nicht auch dafür eine im Ansatz halbseidene Lösung zu finden. Von seiner unglücklichen Liebe sollte man gar nicht erst anfangen: All dies zusammengenommen, vermengt mit der nicht Enden wollenden Feindschaft mit dem einflußreichen und wohlhabenden Adligen Ambrose, reicht völlig aus, um Kvothes Leben spannend zu halten, ob er es nun will oder nicht.

Wenn man Schwierigkeiten hat, sollte man ihnen aus dem Weg gehen

Die Probleme in Kvothes Leben erreichen neue Dimensionen, als er offensichtlich von einem fremden Magier angegriffen wird, und das mehrfach. Solche sogenannten Sympathievergehen gab es seit Jahrhunderten nicht mehr, nicht zuletzt, weil sie unter Strafe verboten sind, aber in diesem Fall scheint sich sein Feind darüber hinwegzusetzen. Zwar erschafft sich der junge Arkanist daraufhin eine besondere Rüstung, die vor solchen Vergehen schützt, doch tagtäglich diesem Druck ausgesetzt zu sein, hat seine Folgen.

Durch Zufall erhält Kvothe neue Hinweise auf die Mörder seiner Familie, die Chandrian. Sie scheinen bereits seit Jahrhunderten ihr Unwesen zu treiben, und praktisch niemand kann sich ihnen entgegenstellen. Doch während er noch weitere Nachforschungen anstellt, wird ihm angedeutet, dass er ein Trimester aussetzen soll. Der Grund: Die Ereignisse der letzten Wochen und Monate haben das Faß zum Überlaufen gebracht, und bei den nächsten Prüfungsgespräche würden ihm Studiengebühren aufgebrummt, die er nicht bezahlen könnte. Daraufhin bricht er nach Vintas auf, um mit seinen Fähigkeiten dem dortigen Herrscher zur Seite zu stehen, und das an einem Hof voller Intrigen und Verrat.

Abenteuer vom Feinsten und ein Cliffhanger, der sich gewaschen hat

Mit dem ersten Teil des zweiten Bands seiner "Königsmörder-Chronik" beweist Patrick Rothfuss eindrucksvoll, dass sein Erstling keine Eintagsfliege war. Sein gefälliger und zugleich packender Erzählstil verteilt sich diesmal zwar auf mehr Seiten (der zweite Band ist daher auch in zwei Teile aufgeteilt worden), aber es kommt dennoch keine Langeweile auf. Der Protagonist der Erzählung, Kvothe, ist und bleibt einer der großartigsten und tiefgründigsten Helden, die die moderne Fantasyliteratur kennt; seine alltäglichen und weniger alltäglichen Erlebnisse wandern auf dem schmalen Grat zwischen Dramatik und Leichtfüßigkeit, die bei so vielen Seiten auch dringend notwendig sind.

Einziger Kritikpunkt ist vermutlich, dass einige der Handlungsstränge aus dem ersten Band nicht ganz zufriedenstellend weitergeführt werden, aber das liegt vermutlich an der Teilung der Gesamtgeschichte; der Cliffhanger des ersten Teils ist auf jeden Fall aufwühlend genug, um den Leser schon zur Vorbestellung des zweiten Teils zu animieren. Es ist zuweilen auch schwer, neben der Lichtgestalt Kvothe (die natürlich auch ihre Schwächen und dunklen Seiten hat) andere Charaktere auszumachen, aber auch hier sollte man Geduld beweisen und schauen, wie die Studienkollegen und andere Personen aus seinem Umfeld auf den nächsten Seiten abschneiden.

Sicher ist aber, dass sich mit Rothfuss ein neuer Autor präsentiert, den man nicht überlesen darf, wenn man Fantasyliteratur mit reichlich Anspruch zu schätzen weiß. Bei gerade mal anderthalb Bänden hat dieser Schriftsteller mehr erreicht als man nach dem ersten Band zu hoffen wagte. Definitiv lesenswert!

(Marcel Bülles, Januar 2012)

Die Furcht des Weisen (Teil 1)

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