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Michael Drewniok
Der doppelte McCoy: zwei Lebensgeschichten

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2012

Im Jahre 2267 wird ein Forschungsteam des Föderations-Raumschiffs „Enterprise“ unter dem Kommando von James T. Kirk auf einem namenlosen Planeten aktiv. Dort stieß man auf den „Hüter der Ewigkeit“, ein Wesen oder eine Maschine, die als Portal in die Zeit funktioniert.

An Bord der „Enterprise“ kommt es zu einem folgenschweren Unfall: Schiffsarzt Leonard McCoy injiziert sich versehentlich ein Medikament, das überdosiert paranoide Wahnvorstellungen hervorruft. Verwirrt flüchtet er auf den Planeten und durch das Zeitportal in das irdische New York des Jahres 1931. Kirk und Wissenschaftsoffizier Spock folgen McCoy. Sie können ihn finden und an Bord der „Enterprise“ zurückbringen. Der geheilte McCoy er- und überlebt in den nächsten Jahrzehnten viele abenteuerliche Missionen.

Mehr als 300 Jahre in der Vergangenheit versucht sich ein ‚alternativer‘ McCoy damit abzufinden, dass er nach einem versehentlich verursachten Zeitparadoxon für immer im 20. Jahrhundert gestrandet ist. Zu allem Überfluss hat er den Ablauf dieses Zeitstrangs beeinflusst, sodass die Ereignisse ab 1931 einen neuen Verlauf nehmen. McCoy kann sich in dieser Welt eine neue Existenz aufbauen. Auch privat ist er glücklich, bis er ein Opfer des hier auch im Jahre 1955 noch tobenden II. Weltkriegs wird.

In der Zukunft suchen den ‚originalen‘ McCoy verstärkt Albträume heim, die ihm ein völlig anderes Leben suggerieren, das er in einer Vergangenheit geführt hat, die niemals Realität wurde. Unterstützt durch Spock geht McCoy diesem Rätsel auf den Grund …

Remake als Relaunch?

Viele Jahrzehnte „Star Trek“ fordern ihren Tribut. In mehr oder weniger langlebigen TV-Serien und nach gefühlt unzähligen Episoden sowie Kinofilmen, zu denen sich ebenso zahlenstark Romane und Comics gesellen, ist jene Zukunft, die Gene Roddenberry einst schuf, bis auf den Grund ausgelotet. Um dem weiterhin lukrativen Franchise neues Leben einzuhauchen, wurde „Star Trek“ u. a. „rebootet“, d. h. die Geschichte von Kirk, Spock & Co. mit jungen Darstellern und in einer ‚frischen‘ Zukunft neu gestartet.

David R. George III. schrieb die „Crucible“-Trilogie 2006/07. Sie entstand, um das damals anstehende 40-jährige Jubiläum der ‚klassischen‘ Serie zu zelebrieren, die 1966 erstmals auf Sendung gegangen war. Setzt man „würdig“ mit „umfangreich“ gleich, hat George die ihm gestellte Aufgabe mit Bravour gelöst: Einen Buch-Brocken wie diesen gab es zuvor nur in Gestalt von „Star-Trek“-Sammelbänden.

Normalerweise werden „Star-Trek“-Serien auf mehrere Bände verteilt. Also ist „Crucible“ ist Dreiteiler, „Feuertaufe: McCoy“ nichtsdestotrotz ein abgeschlossener Roman. In einem Vorwort beschreibt der Verfasser sein Problem, in jener dicht geknüpften Chronologie, die den offiziellen „Star-Trek“-Kanon markiert, eine Lücke zu finden, die ‚neue‘ Abenteuer ermöglichte. George wollte angeblich bereits aufgeben, als ihm eine Idee kam: Mit „Feuertaufe: McCoy“ schlug er einen Parallelkurs zum Kanon ein.

Bekanntes wird garniert

Der in der Zukunft spielende Handlungsstrang bietet über viele hundert Seiten nur eine Nacherzählung von Ereignissen, die jeder „Star-Trek“-Fan kennt. Sie werden zur Grundlage einer Geschichte, die sich ansonsten vor allem der Psyche der Hauptfigur widmet. Wer ist Leonard McCoy wirklich, der zwar mit Kirk und Spock zu den ‚Großen Drei‘ der klassischen „Star-Trek“-Saga gehört, ohne sich wirklich in die Karten bzw. hinter die sorgfältig gepflegte Maske der knurrigen ‚Landarztes‘ blicken zu lassen?

Dies führt zu einer ersten Frage: Müssen oder wollen wir den ‚privaten‘ McCoy in wahrhaft epischer Breite kennenlernen? Die Antwort ist einfach und für George bitter: eigentlich nicht - und sicher nicht so, wie der Autor es sich vorstellt. Er tappt in eine für „Star Trek“ typisch gewordene Falle: Die bekannten Helden werden zumindest in ihrer literarischen Version allzu heftig von einem weihevollen Hauch quasi historischer Bedeutsamkeit umweht; schon die Untertitel der drei „Feuertaufe“-Romane sind in ihrem hohlen Pathos lächerlich. Dabei ist die Crew der ersten „Enterprise“ durch ihre Entschlussfreudigkeit und den Hang zum riskanten Abenteuer bekannt und beliebt geworden. Dass George sie nunmehr pompöse Gedanken wälzen lässt, bekommt ihnen nicht. Sie sollten weniger denken und mehr handeln, sonst werden sie - George beweist es - langweilig.

Aus dem Kanon bekannte Ereignisse werden aufgegriffen, dramatisch vertieft und erläutert. Dabei fügt George ihnen erneut unnötig Schaden zu. Nimmt man vor allem die „Star-Trek“-Abenteuer der ersten Fünfjahresmission unter die Lupe, zeigen sie einen überaus trivialen Kern. McCoys kurze, aber heftige Liebesbeziehung mit der Hohepriesterin Natira („For the World Is Hollow, and I Have Touched the Sky“; dt. „Der verirrte Planet“, Staffel 3, Folge 8) ist ein gutes Beispiel. Sie ist nicht tragisch, sondern gefühlsduselig und eine Kette reiner Klischees, die sich als 45-minütiges TV-Spektakel goutieren, aber literarisch beim besten Willen nicht ‚aufwerten‘ lassen.

Durch die Pforte, durch den Spiegel

Alternative Leben sind im „Star-Trek“-Universum keine Seltenheit. Vor allem Jean-Luc Picard würde dies unterschreiben, der in „Inner Light“ (dt. „Das zweite Leben“, ST: The Next Generation, Staffel 5, Folge 25) diese Erfahrung machte. Allerdings war dieser Spuk nach 45 TV-Minuten vorüber. McCoys Leben im 20. Jahrhundert zieht sich dagegen nicht nur über viele, viele Seiten, sondern generell in die Länge.

McCoy lernt auf zwei Zeitebenen mit sich selbst ins Reine zu kommen. Ist dies ein Prozess, der besonderes Interesse weckt? Nicht so, wie George die Sache angeht. Bis ins Detail dürfen oder müssen wir miterleben, wie McCoy eine Suppenküche renoviert, in einer Getreidemühle schuftet, Rassisten verprügelt sowie als (dieses Mal echter) Landarzt praktiziert. Dabei hält er sich tunlichst abseits der ‚großen‘ Geschichte, um nicht noch größeren Schaden anzurichten. Die „Enterprise“ und ihre Besatzung hat er ohnehin aus der Geschichte radiert und Adolf Hitler den Weg zur Weltherrschaft geebnet.

Stattdessen lernt McCoy sich den Menschen und hier besonders den Frauen zu öffnen, mit denen er stets Schwierigkeiten hatte. Schön für ihn, dass es gelingt, aber ‚gutes‘ = unterhaltsames „Star Trek“ ist das nicht, sondern langweilige Soap-Opera. Wie man die Strandung in der Vergangenheit in eine (spannende) Geschichte einbettet, zeigt u. a. Barbara Hambley in ihrem 1990 entstandenen „Star-Trek“-Roman „Ishmael“. George arbeitet sich ausschließlich an seinem doppelten McCoy-Psychogramm ab. Irgendwann merkt der Leser, dass die Fülle von Details nicht auf kommende Ereignisse vorbereitet, sondern Selbstzweck ist. Spätestens diesem Moment der Erkenntnis folgt die Hoffnung auf ein großes, spannendes Finale, während man den Text zu überfliegen und zu überblättern beginnt.

Moral statt Finale

Welche Enttäuschung: In dieser Hinsicht kommt nichts. Der ‚originale‘ und der ‚alternative‘ McCoy begegnen sich nie, der alternde McCoy aus der Zukunft träumt von seinem ‚anderen‘ Leben. Das war’s dann schon: eine feigenblattartige Verknüpfung, die weder logisch noch sinnvoll im Rahmen der erzählten Geschichte ist.

Unendlich viele Seiten widmet George der Vita des ‚alternativen‘ McCoy. Urplötzlich sticht ihm ein notgelandeter Nazi-Pilot ins Herz, woraufhin er tot umfällt. Ende dieser Geschichte, der auf diese Weise ebenfalls der Sinn genommen wird. Der Leser fühlt sich nicht grundlos betrogen, wenn ihn der Autor ausschließlich mit der frohen Kunde entlässt, dass McCoy seine chronische Bindungsangst überwunden hat.

In der Zukunft geht es ähnlich gänseblümchenhaft weiter. Obwohl George angeblich außerhalb des Kanons schreibt, klebt er dennoch an dessen Vorgaben. Was ihm selbst dazu einfällt, ist belanglos. Das eigentliche Mirakel ist die damit verbundene Entstehung eines Romans, der in seiner deutschen Übersetzung mehr als 800 Seiten umfasst. Es wird noch kurioser: In zwei (allerdings deutlich seitenreduzierten) Bänden geht das „Feuertaufe“-Epos weiter - freilich definitiv ohne diesen Rezensenten!

Fazit:

Dies ist bestenfalls ein seltsames „Star-Trek“-Abenteuer, das längst Bekanntes höchstens leidlich spannend nacherzählt und als auf dramatisches Epos getrimmtes, sich nerdig in Details verlierendes, viel zu langes bzw. in die Länge gezogenes Garn unterhaltungsschwach versagt.

Star Trek: The Original Series 1 - Feuertaufe: McCoy - Die Herkunft der Schatten

Star Trek: The Original Series 1 - Feuertaufe: McCoy - Die Herkunft der Schatten

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