August Derleth

August William Derleth wurde am 24. Februar 1909 in Sauk City (US-Staat Wisconsin) geboren. Schon als Schüler begann er Genre-Geschichten zu verfassen; ein erster Verkauf gelang bereits 1925. Die zeitgenössischen „Pulp“-Magazine zahlten zwar chronisch schlecht, aber sie waren regelmäßige Abnehmer.

Derleth schrieb weiter, nachdem er 1926 das Studium der Englischen Literatur an der „University of Wisconsin“ aufgenommen hatte. Nach dem Abschluss (1930) geriet er in den Mahlstrom der „Großen Depression“ und arbeitete in den nächsten Jahren u. a. im Schuldienst und als Lektor. 1941 wurde er Herausgeber einer Zeitung in Madison, Wisconsin. Diese Stelle hatte Derleth 19 Jahre inne, bevor er 1960 als Herausgeber ein poetisch ausgerichtetes (und wenig einträgliches) Journal übernahm.

Obwohl August Derleth ein ungemein fleißiger Autor war, basiert sein eigentlicher Nachruhm auf der Gründung von „Arkham House“ (1939), des ersten US-Verlags, der speziell phantastische Literatur in Buchform veröffentlichte. Der junge Derleth war in den 1930er Jahren ein enger Freund des Schriftstellers H. P. Lovecraft (1890-1937). Dass dieser heute als Großmeister des Genres gilt, verdankt er auch bzw. vor allem Derleth, der (zusammen mit Donald Wandrei, 1908-1987) das Werk des zu seinen Lebzeiten fast vergessenen Lovecraft sammelte und druckte. Auch andere Autoren tauchten mit ihren Geschichten in Derleth-Kollektionen auf, die zu den ersten ihrer Art gehörten.

Lovecraft hinterließ eine Reihe unvollständiger Manuskripte und Fragmente. Derleth nahm sich ihrer an, komplettierte sie in „postumer Zusammenarbeit“ und baute den „Cthulhu“-Kosmos der „Alten Götter“ eigenständig aus. Die Literaturkritik steht diesen Kollaborationen heute skeptisch gegenüber, denn Derleth brachte stark seine christliche Weltsicht ein. Das vereinfachte die universelle Auseinandersetzung fremder und vom Menschen nie in ihrer Gänze zu verstehenden Mächten zum konventionellen Kampf zwischen Gut und Böse, was nicht Lovecrafts Intention war. Derleth schrieb außerdem ‚neue‘ Cthulhu-Geschichten ohne Lovecraft-Vorlagen.

Als Autor konnte Derleth seinem Vorbild Lovecraft nie das Wasser reichen. Dessen war er sich bewusst, und er machte keinen Hehl daraus. Derleth schrieb für Geld, und weil der Verdienst niedrig war, erlegte er sich ein gewaltiges Arbeitspensum auf, unter dem die Qualität zwangsläufig litt, zumal er sich auch als reiner Lohnschriftsteller verdingte und beispielsweise als Ghostwriter Biografien verfasste.

Solo war Derleth mit einer langen Serie mehr oder weniger geistvoller Kriminalgeschichten um den Privatdetektiv Solar Pons erfolgreich, der deutlich als Sherlock-Holmes-Parodie angelegt war. Weitere Serien rankten sich um die fiktive US-Kleinstadt Sac Prairie, erzählten Geschichten aus dem historischen Wisconsin des 19. Jahrhunderts oder schilderten Fälle des Kriminologen Judge Peck. Insgesamt veröffentlichte Derleth etwa 100 Romane und Sachbücher sowie unzählige Kurzgeschichten, Essays, Kolumnen u. a. Texte; hinzu kommen über 3000 Gedichte. Dabei bediente er sich auch der Pseudonyme Stephen Grendon, Kenyon Holmes und Tally Mason.

Sein einschlägiges Hintergrundwissen, das sich keineswegs auf die phantastische Literatur beschränkte, stellte Derleth in zahlreichen Artikeln und Vorworten unter Beweis. Legendär war seine Sammlung früher US-amerikanischer Comics, die er testamentarisch der „Wisconsin Historical Society“ vermachte.

In den 1960er Jahren begann Derleth zu kränkeln. Seit jeher litt er unter hohem Blutdruck, der mit den zeitgenössischen Medikamenten nicht zu kontrollieren war. Außerdem weigerte sich Derleth, sein Leben nach der Krankheit auszurichten oder seine Arbeit einzuschränken. Am 4. Juli 1971 erlag er im Alter von 62 Jahren einem Herzanfall. Zum zweiten Mal verheiratet, lebte er inzwischen wieder in Sauk City, wo er auf dem St. Aloysius-Friedhof bestattet wurde.

Die „British Fantasy Society“ verleiht seit 1971 den „British Fantasy Award“. Sie ehrt Derleth, indem der Preis für den besten phantastischen Roman des Jahres seinen Namen („August Derleth Award“) trägt. [Michael Drewniok]

Phantastisches von August Derleth:

Anmerkung: Um den Rahmen dieser Bibliografie nicht zu sprengen, bleiben an dieser Stelle die Kriminal- und Historienromane, Jugendbücher, Gedichtbände u. a. Werke unberücksichtigt.

  • (1945) Das Grauen vor der Tür/Das Tor des Verderbens
    The Lurker at the Threshold (mit H. P. Lovecraft)

Storysammlungen

  • (1945) Something Near
  • (1947) Dark of the Moon: Poems of Fantasy and the Macabre
  • (1948) Not Long for This World
  • (1957) The Survivor and Others (mit H. P. Lovecraft)
  • (1958) Die Masken des Cthulhu
    The Mask of Cthulhu
  • (1962) Lonesome Places
  • (1962) Auf Cthulhus Spur
    The Trail of Cthulhu
  • (1963) Mr. George and Other Odd Persons (als Stephen Grendon)
  • (1965) When Graveyards Yawn (Neuausgabe von „Mr. George and Other Odd Persons“)
  • (1966) Colonel Markesan and Less Pleasant People (mit Mark Schorer)
  • (1974) Die dunkle Brüderschaft
    The Watchers Out of Time and Others (mit H. P. Lovecraft)
  • (1975) Harrigan’s File

Herausgeber

  • (1939) The Outsider and Others* (mit Donald Wandrei)
  • (1941) Someone in the Dark*
  • (1944) Sleep No More: Twenty Masterpieces of Horror for the Connoisseur
  • (1945) Best Supernatural Stories by H. P. Lovecraft*
  • (1945) Marginalia (mit Donald Wandrei)*
  • (1946) Who Knocks? Twenty Masterpieces of the Spectral for the Connoisseur
  • (1947) The Night Side: Masterpieces of the Strange and Terrible
  • (1947) The Sleeping and the Dead
  • (1948) Strange Ports of Call
  • (1949) The Other Side of the Moon
  • (1949) Something About Cats and Other Pieces*
  • (1950) Beyond Time and Space
  • (1951) Far Boundaries: 20 Science-Fiction Stories
  • (1951) The Outer Reaches: Favorite Science Fiction Tales Chosen by Their Authors
  • (1951) The Haunter of the Dark and Other Tales of Horror*
  • (1952) Night’s Yawning Peal
  • (1952) Beachheads in Space
  • (1953) Portals of Tomorrow: The Best of Science Fiction and Other Fantasy
  • (1953) Worlds of Tomorrow: Science Fiction with a Difference
  • (1954) Paradies II
    Time to Come: Science Fiction Stories of Tomorrow
  • (1959) The Shuttered Room and Other Pieces*
  • (1959) Some Notes on a Nonentity*
  • (1961) The Time of Infinity
  • (1961) Fire and Sleet and Candlelight
  • (1962) Rendezvous mit dem Würgeengel
    Dark Mind, Dark Heart
  • (1963) The Dunwich Horror and Others: The Best Supernatural Stories of H. P. Lovecraft*
  • (1963) When Evil Wakes: A New Anthology of the Macabre
  • (1963) From Other Worlds
  • (1963) New Worlds for Old
  • (1964) At the Mountains of Madness and Other Novels*
  • (1964) Over the Edge
  • (1965) Dagon and Other Macabre Stories*
  • (1967) Travelers by Night
  • (1968) The Shadow Out Of Time*
  • (1969) Tales of the Cthulhu Mythos*
  • (1970) Das Grauen im Museum und andere Erzählungen
    The Horror in the Museum and Other Revisions*
  • (1971) Dark Things
  • (1976) Dwellers in Darkness
  • (1998) In Lovecraft’s Shadow*

* Gesammelte H.-P.-Lovecraft-Storys, Essays, Gedichte, Fragmente usw.

Sonstige

  • (1965) H. P. Lovecraft. Selected Letters, Vol. 1 (1911-1925) (mit Donald Wandrei)
  • (1968) H. P. Lovecraft. Selected Letters, Vol. 2 (1925-1929) (mit Donald Wandrei)
  • (1971) H. P. Lovecraft. Selected Letters, Vol. 3 (1929-1931) (mit Donald Wandrei)
  • (1976) H. P. Lovecraft. Selected Letters, Vol. 4 (1931-1934) (mit James Turner)
  • (1976) H. P. Lovecraft. Selected Letters, Vol. 5 (1934-1937) (mit James Turner)

Autobibliografisches

  • (1946) Twenty Years of Writing 1926-1946
  • (1951) Twenty-Five Years of Writing 1926-1951
  • (1956) Thirty Years of Writing 1926-1956
  • (1959) Arkham House: The First Twenty Years 1939-1959
  • (1962) 100 Books
  • (1970) Thirty Years of Arkham House: 1939-1969

Über August Derleth

  • (1983) Alison M. Wilson: August Derleth. A Bibliography
  • (1992) Kathy Price: Who Was August Derleth?
  • (1997) Dorothy M Grobe Litersky: Derleth - Hawk … and Dove
  • (2002) James P. Roberts: August Derleth, in: Ders., Famous Wisconsin Authors, S. 35-49

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