Doctor Who: Gefangener der Daleks (MONSTER-Edition 1)

Erschienen: April 2020

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Marcel Scharrenbroich
ELIMINIERT… DEN… DOK-TOR!

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2020

Sightseeing

Ein ferner, mittlerweile unbewohnter Klumpen Dreck am Arsch der Galaxis. Staubtrocken und verwaist. Irgendwo zwischen Raum und Zeit. Hierher hat es den Doktor verschlagen. Ungewollt. Seine TARDIS (Time And Relative Dimensions In Space) hat halt manchmal ihren eigenen Kopf und da kann es auch schonmal passieren, dass sie im Landeanflug auf eine andere Zeitspur springt. Man steckt halt nicht drin. Aber wenn man gerade mal da ist, kann man sich auch ein wenig umsehen. So erforscht der Doktor, neugierig wie er ist, die verlassene Welt, von der die dort ehemals beheimateten Menschen scheinbar nicht schnell genug wegkommen konnten. Zwischen leeren Fertighäusern und verrosteten Stahlkonstruktionen stößt er auf ein altes Computer-Terminal. Dank seines nützlichen Helferleins, dem Schallschraubenzieher, bringt er die veraltete Mühle doch noch zum Laufen. Soso… er befindet sich also auf einer abgelegenen Tankstation. Der Lodestar-Station 479. Sein Interesse ist geweckt und er macht sich auf die Suche nach einem Eingang. Gesucht, gefunden. Nochmals das handliche Helferlein eingesetzt und die Tür steht offen. Dumm nur, dass das verrostete Schloss hinter ihm in die Angeln fällt und sich nicht mehr öffnen lässt. Jaja… der Fluch der Neugier.

Treffen mit alten (und neuen?) Freunden

Zur gleichen Zeit kurvt das umgebaute Patrouillenschiff Wayfarer durch den erdnahen Kappa-Galanga-Sektor. An Bord, Captain Jon Bowman und seine überschaubare Crew. Kopfgeldjäger. Weit von ihrer Heimat entfernt, droht ihnen der Sprit auszugehen, wenn nicht schnell eine Tankstation gefunden wird. Da stößt Bowman auf einen kleinen Planeten, der auf modernen Karten nicht mal mehr verzeichnet ist. Einen ehemaligen Grenzstützpunkt, getarnt als furztrockener Staubfleck in den Weiten des Alls. Kommt uns bekannt vor, nicht wahr? Also nimmt die Wayfarer Kurs auf Hurala.

Kaum gelandet, empfangen Bowman, Stella, Cutting Edge und Scrum ein ungewöhnliches Signal. Heute so gut wie nirgends mehr benutzt… Morse-Zeichen. Sie folgen dem Hilferuf und betreten die Lodestar-Station 479. Vorsichtig und mit gezückten Waffen öffnen sie die schwere Tür, hinter der der Ursprung zu sein scheint. Und wen entdecken sie dort? Den Doktor, der seit Tagen munter S-O-S funkt. Für eine ausgiebige Frage-und-Antwort-Runde bleibt aber keine Zeit, denn wenn die Crew der Wayfarer den Hilferuf des Doktors empfangen konnte, können es auch andere. Und ehe man den sicheren Rückzug antreten kann, treten auch schon die schlimmsten Befürchtungen ein. Feinde nähern sich. Aber nicht irgendwelche Feinde, sondern… die Daleks.

Es folgt ein heftiges Feuergefecht. Sowohl der Doktor als auch die Kopfgeldjäger wissen, wer ihnen da gegenübersteht. Die wohl gnadenloseste Spezies des gesamten Universums. Stets darauf versessen, die Menschheit zu versklaven… oder gleich ganz auszulöschen. Alles ist ihnen recht, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Dem Doktor und der Wayfarer-Crew bleibt nur die Flucht. Die TARDIS muss der Time Lord notgedrungen zurücklassen. Unter andauerndem Beschuss gelingt es ihnen, das Schiff zu erreichen, während Scrum bereits die Triebwerke startet. Puuuuh… gerade noch mal mit heiler Haut davongekommen.

Völlig unbemerkt hat sich jedoch ein blinder Passagier an Bord geschlichen. Ein Dalek überrascht alle Anwesenden und feuert los… und trifft. Es gibt ein Opfer zu beklagen. Und einen Gefangenen. Tatsächlich konnte der Dalek kampfunfähig gemacht werden. Ein verletztes Subjekt, welches von der nach Rache gierenden Crew verhört werden soll. Sehr zum Unbehagen des Doktors… denn er kennt seine Erzfeinde und weiß, wie die Daleks ticken.

Auftakt nach Maß

Autor Trevor Baxendale, der sich neben dem „Doctor Who“-Ableger „Torchwood“ auch schon anderen Inkarnationen des Time Lords gewidmet hat, wirft für „Gefangener der Daleks“ den zehnten Doktor in den Ring. In der langlebigen BBC-Serie durch den in Schottland geborenen Darsteller David Tennant („Harry Potter und der Feuerkelch“, „Fright Night“, „Good Omens“, „MARVEL‘s Jessica Jones“) verkörpert. Praktisch, denn so hat man bereits ein Gesicht zum Geschriebenen. Und das kann sich echt lesen lassen. Schon im ersten Kapitel kommt das klassische „Doctor Who“-Feeling auf und man beginnt mit Tennants Stimme im Kopf durch die Seiten zu fliegen. Herrlich verpeilt, vorlaut, schlagfertig und neugierig, wie ein Welpe auf Entdeckungstour. Ein großer Spaß!

Doch auch die Bedrohung durch die Daleks ist jederzeit spür- und fast schon greifbar. Seit ihrem TV-Debüt, im Jahr 1963, haben die klobigen Blecheimer sich zwar optisch kaum verändert, was die Fans den Machern aber auch nicht übelnehmen. Ganz im Gegenteil sogar. Mit Sicherheit würde ein Sturm der Entrüstung durchs All fegen, sollte sich jemand an eine grundlegende Veränderung des Designs wagen. Immerhin sind die Daleks ein fester Teil der britischen Pop-Kultur und haben es neben Gastauftritten in Film und TV im ausgehenden Jahrtausend sogar auf eine englische Briefmarke geschafft. In „Gefangener der Daleks“ zeigen sich die rollenden Kübel, die bisher jeder Time Lord-Inkarnation den Tag versauten, dann auch mal wieder von ihrer besten Seite… was vor allem die treuen Fans des Doktors freuen wird.

Die MONSTER-Edition…

…bezieht sich dabei nicht auf den Umfang des Buches, das mit 248 Seiten recht überschaubar geraten ist, sondern eher auf den Inhalt. Mit jedem neuen Band (der im Abstand von ungefähr drei Monaten veröffentlicht werden soll) bekommen die Leser es mit einem anderen Feind aus dem „Doctor Who“-Universum zu tun. Ausgerechnet mit den Favoriten der Whovians, den Daleks, zu beginnen, ist einerseits mutig, auf der anderen Seite aber durchaus nachvollziehbar. Warum sich lange mit den Gegnern aus der zweiten Reihe aufhalten, bevor man die gnadenlosen Mistviecher auf den Doktor loslässt? Eben…

Im einheitlichen Design, welches die jeweils auftauchenden Antagonisten bereits auf dem Cover andeutet, gibt es zum Abschluss der Reihe noch einen Schuber, in den die Bände dann ordentlich einsortiert werden können. Mit „Der fremde Feind“ ist jüngst der zweite Roman erschienen, in dem der siebte Doktor und seine Begleiterin Ace (in der TV-Serie von Sylvester McCoy und Sophie Aldred verkörpert) es mit den Cybermen zu tun bekommen.

Fazit:

Rundum gelungen und ein kurzweiliger Sci-Fi-Spaß mit dem zehnten Doktor. Wie eine überlange Highlight-Folge der TV-Serie, die sowohl den typischen Humor als auch düstere Elemente beinhaltet. Eingefleischte Whovians (und die, die es werden wollen) kommen an der MONSTER-Edition wohl nur schwer vorbei.

Doctor Who: Gefangener der Daleks (MONSTER-Edition 1)

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