Doctor Who: Rückkehr der Sontaraner (MONSTER-Edition 3)

Erschienen: Oktober 2020

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Marcel Scharrenbroich
Im Weltall ist die Hölle los

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2021

Kriege, Killer und Companions

Junge, Junge… wo ist der gute Doktor denn da wieder reingeraten? Zusammen mit dem zwielichtigen Herumtreiber Kurt, der ihm bis zum unfreiwilligen Aufeinandertreffen gänzlich unbekannt ist, sitzt der Time Lord in einer Zelle der Sontaraner. Das kriegerische Alien-Volk befindet sich seit Ewigkeiten im Krieg mit den verfeindeten Rutanern, die sie daran hindern, die gesamte Galaxis zu beherrschen. Gerade haben die Sontaraner erst ihre Invasion auf dem einst friedlichen Planeten abgeschlossen, dessen Ureinwohner schon arg durch das Auftauchen von geschäftstüchtigen Siedlern gebeutelt wurden. Ein gängiges Prozedere bei den Sontaranern. Sie schnappen sich einen unbeteiligten Planeten, fechten dort ihre Kriege aus, lassen ihn zerstört zurück. So bleibt ihre Heimatwelt unberührt… egal wie die Schlachten enden. Die größten Verlierer sind in jedem Fall die Einheimischen. Das Volk der Jekkari hat sich zum Selbstschutz in die großflächigen Waldgebiete des eingenommenen Planeten zurückgezogen. Bei ihnen hielt sich auch der Doktor auf, als er von den Sontaranern festgenommen wurde. Wegen Spionage… lächerlich! Mithäftling Kurt hat da neben Waffenschieberei und Schmuggel deutlich mehr auf dem Kerbholz. Jedenfalls landen beide Inhaftierten kurzerhand vor Gericht. Die Nummer geht verhältnismäßig schnell über die Bühne. Schuldig. Beide. Todesstrafe.

An anderer Stelle treffen wir auf die beiden Ermittler Roz Forrester und Chris Cwej. Die beiden waren bereits Partner bei der Gilde der Schiedsrichter und stehen nun im Dienst des Doktors. Dieser hat Roz und Chris beauftragt, einen brutalen Killer aufzuspüren. Sie folgen seiner blutigen Spur bereits über zahlreiche Planeten, was sie aktuell nach Megerra führt. Besser gesagt in dessen Hauptstadt Megacity. Vergleichbar mit einer noch dekadenteren Version des Zockerparadieses Las Vegas, finden sich dort nicht nur Touristen von nah und fern, sondern auch der Abschaum der Galaxis wieder. Alles dreht sich ums Geld. Gier, Gewalt, Korruption, Bestechung… sucht Euch was aus, in Megacity findet Ich es zuhauf. Der gesuchte Killer verfährt dabei immer nach dem gleichen Muster: Er raubt seine Opfer aus, weidet sie anschließend aus und schlüpft dann in ihre Rolle. Puh…, wenn, dann richtig, was? Mehr kann man einem Unschuldigen wohl nicht nehmen. Mit der neuen Identität macht er sich dann aus dem Staub, bis das Spielchen auf einem anderen Planeten von vorne losgeht. Kein Wunder also, dass Roz und Chris den Serienmörder den „Ripper“ nennen…

Währenddessen ist Bernice Summerfield auf dem Wüstenplaneten Sentarion eingetroffen. Auch als Universitätsplanet bekannt, beherbergt Sentarion die wohl größte Ansammlung von Gelehrten und akademischem Wissen in der gesamten Galaxis. Bernie stammt aus dem 26. Jahrhundert und ist ein Mensch… hey, das ist hier keine Selbstverständlichkeit! Die abenteuerlustige Archäologin ist ebenfalls im Auftrag des Doktors unterwegs und soll mit gefälschten Referenzen an der Universität Nachforschungen anstellen. Mehr über die Geschichte des sontaranisch-rutanischen Krieges herausfinden. Bei ihren Ermittlungen scheint Bernice in ein Wespennest zu stechen, denn schon bald trachtet man ihr nach dem Leben. Tatsächlich ereignet sich der erste Mordversuch schon unmittelbar nach ihrer Ankunft… noch bevor sie überhaupt einen Fuß in die Universität gesetzt hat. Na Prost Mahlzeit… das kann ja ein schöner Aufenthalt werden!

Wie diese Handlungsstränge nun ineinandergreifen und was der mysteriöse „Ripper“ mit dem Krieg zwischen den beiden Alien-Völkern zu schaffen hat? Na hört mal! Ich werde doch hier nicht die gut durchdachten Pläne des geschätzten Doktors offenlegen!!!

Rollentausch

Nach dem Prolog wird es erstmal still um den Doktor. Für lange Zeit bleibt er im Hintergrund und überlässt seinen Companions das Feld. Und das hat einen guten Grund:

Mitte der 90er-Jahre entstand der Independent-Film „Shakedown: Return of the Sontarans“ des Regisseurs Kevin Davies. Das Drehbuch schrieb damals bereits der Autor Terrance Dicks. Problem an der Sache: Die Rechte an der Figur des Doktors hielt die BBC, für die Sontaraner hingegen holte man sich die Verwendungsrechte von deren geistigen Schöpfer Robert Holmes. So musste es eine „Doctor Who“-Story ohne Doktor und dessen Erwähnung sein. 1995 erschien „Shakedown“ jedoch beim britischen Verlag VIRGIN BOOKS in Buch-Form. Nach der Absetzung der TV-Serie, Ende 1989, schnappte man sich dort die Rechte und erzählte die Geschichten des von Sylvester McCoy verkörperten siebten Doktors in Romanen weiter. So erschien nun auch „Shakedown“ in der Virgin New Adventures-Reihe. Dazu implementierte Autor Terrance Dicks den Time Lord in die Story und schrieb ein Gerüst um die Handlung des ursprünglichen Films, der ausschließlich auf der Solarjacht Tiger Moth spielt. Dieser Teil ist im vorliegenden Roman, den CROSS CULT in der MONSTER-Edition unter dem Namen „Rückkehr der Sontaraner“ herausgebracht hat, ungefähr im Mittelteil verankert.

Die beiden Erdlinge Roz und Chris hatten ihren ersten Auftritt ebenfalls in der Virgin New Adventures-Reihe. Im Roman „Original Sin“ treffen sie 1995 während ihrer Arbeit bei der Gilde der Schiedsrichter auf den Doktor und seine Begleiterin Bernice Summerfield. Bernie hatte ihre Premiere bereits drei Jahre zuvor. Im Roman „Love and War“ von Paul Cornell ist der siebte Doktor allerdings noch mit Ace als fester Begleiterin unterwegs. Neben den Romanen gibt es noch zahlreiche Hörspiele, Kurzgeschichten und Comics mit den Companions. Speziell Bernice Summerfield hatte noch zahlreiche Abenteuer zu bestehen. Vor allem in ihrer Solo-Roman-Serie, nachdem VIRGIN BOOKS die Rechte an der Verwendung des Doktors verlor. Insgesamt ein derart weites Feld, dass man dort kaum mehr einen geordneten Überblick hat.

Unterm Strich…

…bin ich etwas zwiegespalten, was die „Rückkehr der Sontaraner“ angeht. Einerseits gefällt mir, dass die eigentlichen Beweggründe lange geheim gehalten werden. Dass der Plot sich nur Stück für Stück offenbart und sich mit jedem Sprung zwischen den unterschiedlichen Charakteren Puzzleteile an die richtigen Stellen schieben. So bleibt man als Leser neugierig und möchte Seite um Seite die Zusammenhänge erfahren. Auf der anderen Seite erwarte ich von einem „Doctor Who“-Roman jedoch, dass der Doktor die Fäden in der Hand hält und sich die Geschichte um ihn dreht. Naja, das tut sie im Grunde auch irgendwie, jedoch ist der Weg dorthin recht lang und erfordert schon etwas Geduld.

Da die Entstehung dieses Romans (wie bereits angesprochen) mindestens ebenso abenteuerlich ist, wie dessen Handlung, und er zudem Teil der MONSTER-Edition ist, die ja immerhin die zahlreichen Feinde des Doktors in den Vordergrund stellt, sollen meine Kritikpunkte nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Denn die Story bietet durchaus Spannung, profitiert vom häufigen Wechsel der Örtlichkeiten, was für reichlich Abwechslung sorgt, und punktet außerdem mit gut platziertem Humor und überraschender Härte.

Fazit:

„Doctor Who“-Fans werden auch mit diesem Roman sicher nichts falsch machen. Mich hat das limitierte Setting des direkten Reihen-Vorgängers, „Der fremde Feind“, noch etwas mehr angesprochen, was allerdings eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Der siebte Doktor hätte hier zwar mehr Spielraum verdient, wird durch seine Companions jedoch würdig vertreten. Nur der harte „Who“-Kern dürfte diese bereits kennen, weshalb es für einen großen Teil der Leserschaft neue Bekanntschaften werden dürften.

Doctor Who: Rückkehr der Sontaraner (MONSTER-Edition 3)

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