Doctor Who: Stachel der Zygonen (MONSTER-Edition 5)

Erschienen: April 2021

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Marcel Scharrenbroich
Klumpige Klopse mit perfiden Plänen

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2021

Falsch abgebogen, Herr Doktor?

Im ersten Moment sah es so aus, als wären der Doktor und seine Begleiterin Martha tatsächlich in uns vertrauten Regionen gelandet. Ihre Reise sollte sie nach Deutschland führen, ins Jahr 1908. Dann dachte ich „Oh je, hoffentlich landen sie nicht in…“, aber lassen wir das. Ist eh wurscht, da es nicht so kommen sollte. Von der anvisierten heutigen Hauptstadt sind sich meilenweit entfernt. Sogar noch etwas weiter, denn sie befinden sich (mal wieder) in England. An der eingeplanten Zeit sind der Time Lord plus Companion ebenfalls vorbeigeschrammt… da war es aber wirklich knapp. 1909. Schwer vorstellbar, dass es so eine Zeit wirklich gab, aber da saß die Queen noch nicht auf ihrem Thron. Lilibet II. war da noch nicht einmal in Planung. Trotzdem geht es hoch her im Königreich und dafür sind zur Abwechslung mal keine Enkel-Eskapaden oder Brexit-Chaos verantwortlich. Die Erde hat mal wieder Besuch aus entlegenen Winkeln des Alls bekommen. Und wie so oft, keinen friedlichen…

Kurz nach ihrer Ankunft, während noch gerätselt wird WO und WANN die TARDIS den Doktor und die Medizin-Studentin Martha Jones ausgespuckt hat, werden die beiden von einem lauten Knall aufgeschreckt. Ganz in der Nähe hat der Jäger Victor Meredith seinen schnittigen OPEL Doppelphaeton 10/18 vor eine Steinmauer gesetzt. Der Doktor ist entzückt vom „klassischen“ Gefährt und schnell hat man ein erstes Gesprächsthema. Victor hatte es etwas zu eilig auf seinem Weg zum nordwestenglischen Lake District, womit den Zeitreisenden dann endlich klar ist, wo sie gestrandet sind. Das Waffenarsenal des Jägers lässt darauf schließen, dass der Jagdausflug größer als zu erwarten ausfallen wird. Tatsächlich sollen keine Waldbewohner vor die Flinte, sondern ein Ungetüm, welches die Umgebung in Angst und Schrecken versetzt: die „Bestie von Westmorland“.

In der malerischen Gegend, mit ihren Seen, Landsitzen, der unberührten Natur und dem grasenden Nutzvieh, treibt nicht nur ein gewaltiges Monstrum sein Unwesen, dessen ist der Doktor sich schnell gewiss. Eines dieser Biester konnte erlegt werden, doch ein weiteres Exemplar geht um. Als der Time Lord den mechanisch-organischen Kadaver inspiziert, wird klar: es handelt sich um einen sogenannten Skarasen. Und wo ein solcher auftaucht, sind auch die Zygonen nicht fern. Gestaltwandlerische und unförmige Außerirdische, für die die Milch der Skarasen lebensnotwendig ist. Der Doktor behält Recht. Schon bald wimmelt es im Lake District von Zygonen, die cleverer und geplanter agieren, als man sich es vorstellen könnte. Und schon stellt sich die Frage, wem man in dieser Gegend noch trauen kann. Wurden vermeintliche Verbündete bereits durch getarnte Zygonen ersetzt? Und was ist deren genauer Plan?

„Die Körperfresser kommen“

Die Prämisse eines meiner persönlichen Film-Highlights im Science-Fiction-Genre – das „Die Dämonischen“-Remake mit Donald Sutherland, Leonard Nimoy und Jeff Goldblum aus dem Jahr 1978 – findet ihren Platz nun in „Stachel der Zygonen“. Traut man seinem Gegenüber oder dreht man ihm besser nicht den Rücken zu? Aufrichtig oder feindlich gesonnen? Daraus zieht der Roman seine enorme Spannung. Wenn selbst Haus- und Nutztiere verdächtig werden und die eigenen reihen jederzeit infiltriert sein könnten, sorgt das für Unbehagen und Misstrauen. Sobald der Doktor, Martha und die neuen Verbündeten mal kurzzeitig getrennt waren und den Leserinnen und Lesern nach einigen Seiten wieder unter die Augen kommen, ist Vorsicht angesagt. Wer agiert noch „normal“? Wer verhält sich auffällig?

Innerhalb eines klar abgesteckten Rahmens verteilt sich die Handlung auf eine überschaubare Anzahl an Schauplätzen. Das macht es einfach, der Story zu folgen. Mehr braucht es auch nicht, um eine spannungsgeladene Geschichte mit reichlich Mystery-Flair zu erzählen. Man klebt höchst konzentriert an den Seiten und legt das nicht wirklich umfangreiche Buch nur ungern nur Seite. Dass „Stachel der Zygonen“ lediglich über 252 Seiten verfügt, werte ich nicht als Nachteil. Vergleichsweise könnte die Handlung in zwei Episoden der TV-Serie untergebracht werden, hätte man diese dafür vorgesehen. Das reicht und schafft genügend Raum.

Der Zehnte im Fünften

Autor Stephen Cole hatte es nicht leicht bei der Umsetzung, was vor allem an Martha, der Begleiterin des Doktors, lag. Die Deadline für die Fertigstellung des Romans lag noch im Jahr 2006, doch die neue Begleiterin für den Doktor wurde erst im März 2007 in der Episode „Einmal Mond und zurück“ (OT: „Smith and Jones“) mit Beginn der insgesamt 29. Staffel des britischen Kulturguts eingeführt. So hoffte Cole, dass er die Darstellung der Schauspielerin Freema Agyeman einigermaßen treffen würde, da er nur die ersten vier Drehbücher mit ihr zur Vorlage hatte. Glücklicherweise deckte sich sein Eindruck von Martha Jones mit dem, was später von Rose Tylers Companion-Nachfolgerin auf dem Bildschirm zu sehen war.

1989 endete „Doctor Who“ mit der 26. Staffel der langlebigen BBC-Serie. Erst 2005 reaktivierte man den Time Lord, der seinen erneuten Einstand mit dem Darsteller Christopher Eccleston („28 Days Later“, „Thor - The Dark Kingdom“) feierte. Direkt in der Nachfolge-Staffel übernahm David Tennant („Fright Night“, „Good Omens“, „MARVEL’s Jessica Jones“) den Part des zehnten Doktors. Dessen spritzige Heiterkeit ist auch jederzeit in „Stachel der Zygonen“ spürbar und wurde von Stephen Cole treffend übernommen. Man hat Tennant zu jedem Zeitpunkt klar vor Augen, was das Lesen gleich noch amüsanter macht.

Fassen wir nach fünf besprochenen Romanen mal kurz zusammen: Momentan ist CROSS CULTs MONSTER-Edition noch ein kleines Auf und Ab, wobei die Zahl der lesenswerten Titel die Nase aber vorn hat. „Stachel der Zygonen“ teilt sich aktuell mit dem Auftaktband „Gefangener der Daleks“ (ebenfalls mit dem zehnten Doktor) das Silber-Treppchen. Eine Stufe höher steht noch „Der fremde Feind“, der zweite MONSTER-Ableger. Dort kam mit Sylvester McCoy der letzte „klassische“ Doktor zum Zug.

Fazit:

YES! Der Doktor ist wieder in der Spur! Fiel vor allem der letzte Roman aus der MONSTER-Edition aus der Reihe, schließt „Stachel der Zygonen“ wieder in die Wertungs-Gefilde der ersten beiden Abenteuer. Die Story ist gradlinig erzählt, macht es uns nicht unnötig kompliziert und bleibt dabei konstant spannend. Der überschaubare Umfang des Romans ist durchaus vorteilhaft, da sich so keine Längen einschleichen.

Doctor Who: Stachel der Zygonen (MONSTER-Edition 5)

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