Das Ende der Ewigkeit (Roboter und Foundation - Der Zyklus 14)

Erschienen: Oktober 2016

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Eva Bergschneider
Sehr viel mehr, als ein Grundsatzwerk zum Thema Zeitreise

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Mär 2006

Isaac Asimov gehört zu den wegweisenden Science-Fiction Autoren, denn es ist ihm gelungen, eine breite Masse für dieses Genre zu begeistern. Asimov hat nie für sich in Anspruch genommen, ein tiefgründiger Schriftsteller zu sein. Er schrieb in einfachen Sätzen, die jeder lesen und verstehen kann. Dennoch oder gerade deswegen ist es ihm gelungen, für die Science-Fiction Literatur Begriffe und Definitionen festzulegen, die heute aus dem Genre kaum noch wegzudenken sind. So erschuf Asimov nicht nur die Robotik und ihre drei Hauptsätze, er führte auch den Ausdruck "positronisch"ein, ein Begriff, den nicht nur jeder Star Trek-Fan kennt.

Mit seiner "Foundation" Serie, definierte Asimov die "Psychohistorie", eine Pseudowissenschaft, die sich mit dem gesetzmäßigen Verhalten der gesamten Menschheit beschäftigt. In "Das Ende der Ewigkeit" geht es um das Thema Zeitreisen, das Buch gilt bei den Kritikern als einer der besten Sci-Fi Romane überhaupt.

Die Allmacht der Ewigen

Die Zukunft hält die Ewigkeit für die Menschheit bereit. Ab dem 27. Jahrhundert ist es einer elitären Auswahl von Menschen möglich, in jede beliebige Zeit zu reisen. Die so genannten Ewigen reisen in die verschiedenen Jahrhunderte, um Veränderungen vorzunehmen, die die Menschheit vor dauerhaftem Schaden bewahrt.

Das Leben eines Ewigen ist strengen Regeln unterworfen. Er muss sich komplett von seiner Zeit trennen und alle persönlichen Verbindungen lösen. Die Arbeit als Ewiger erlaubt intime Beziehungen nur nach Bewilligung in sehr eingeschränktem Rahmen. Die Arbeit der Ewigen wird ausnahmslos von Männern in unterschiedlichen Positionen geleistet. Der Ewigkeitsrat beschliesst eine durchzuführende Manipulation der Realität. Die Notwendigkeit für so eine Veränderung ist nach dem Bau einer Massenvernichtungswaffe, wie der Atombombe gegeben, aber auch durch  Entwicklungen, die weniger negativ erscheinen, wie z.B. die der Raumfahrt. Alle Faktoren, die möglicherweise die Erhaltung der Menschheit oder der Ewigkeit gefährden, werden von den Ewigen rückgängig gemacht und durch eine veränderte Realität ersetzt. Die ausführenden Personen der Ewigen, sind die Rechner und die Techniker. Der Rechner konstruiert und leitet die Veränderung und der Techniker führt sie aus. Darüber hinaus gibt es Beobachter, die die Zeitepochen analysieren, um Situationen, die eine Veränderung erfordern, aufzuspüren.

Andrew Harlan, der Techniker

Andrew Harlan stammt aus dem 95. Jahrhundert und wurde im Alter von 15 Jahren für die Ewigkeit ausgewählt. Nach 10 Jahren Ausbildung als Anfänger wurde Harlan Beobachter. In dieser wichtigen, aber nicht sehr geachteten Position, glänzte Harlan durch seine besonders präzise abgefassten Berichte und wurde schliesslich von dem hoch angesehenen Seniorrechner Twissell zu seinem persönlichen Techniker ernannt.

Harlan ist stolz auf seine neue Position als Twissells Techniker und erledigt zuverlässig, was von ihm erwartet wird, ohne sein Tun zu hinterfragen. Harlans bedingungslose Loyalität bröckelt erst, als er ein Mädchen aus dem 482. Jahrhundert, Noys Lambent, kennenlernt und sich verliebt. Harlan wird mit Noys in ihre Zeit geschickt, um eine Veränderung im 482. Jahrhundert vorzubereiten. Der einst so vorbildliche Techniker fühlt sich nun nicht mehr an die Regeln der Ewigkeit gebunden. Andrew Harlan tut alles, um Noys vor der unausweichlichen Persönlichkeitsveränderung zu schützen und begeht damit ein ernstes Verbrechen. Darüber hinaus kann Noys den Techniker, der die Macht hat, die Ewigkeit zu vernichten, davon überzeugen, dass diese Kontrollmacht nicht länger bestehen darf.

Determination oder Handlungsfreiheit?

Asimovs Roman über Zeitreisen in die Ewigkeit entstand 1955 und gilt zu Recht als Grundsatzwerk für dieses komplexe Thema. Es geht ausserdem um eine weitere zentrale Frage der SF-Literatur: Wann sind der menschliche Forschungsdrang und seine Konsequenzen nicht mehr tolerierbar?

Unbefangen erzählt der Autor die Geschichte eines Zeitreisenden mit der heiklen Mission, die Realität zu manipulieren. Das schwierige Thema Zeitparadoxon wird dem Leser in "Das Ende der Ewigkeit" sehr spannend und unterhaltsam nahe gebracht. Asimov löst diese Situation nicht vollkommen logisch, aber dennoch schlüssig auf.

Die Handlung der Geschichte ist intelligent und trotz der exotischen Schauplätze glaubwürdig und gut nachvollziehbar konstruiert. Trotz der streng reglementierten Umwelt, sind die Charaktere als individuelle Persönlichkeiten gezeichnet, denn jede Figur pflegt ihre persönliche Marotte. Dadurch wirken die Protagonisten auch in dieser abstrakten und unwirklichen Welt lebendig und echt.

Der politische Hintergrund des beginnenden kalten Krieges hinterlässt auch in diesem SF-Roman deutliche Spuren. Das Schreckgespenst der atomaren Bedrohung hat damals die Frage nach möglichen Konsequenzen der technologischen Entwicklungen in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gestellt. Asimov erteilt in "Das Ende der Ewigkeit" ein erstaunlich klares Votum für die Handlungsfreiheit des Menschen.

Kritisch anzumerken sind die etwas klischeehafte Darstellung der Hauptdarstellerin und die eher unromantische Gestaltung der Liebesbeziehung zwischen Andrew und Noys. Die Beschreibung von intensiven Emotionen scheint nicht zu Asimovs literarischen Stücken zu gehören. Dennoch ist "Das Ende der Ewigkeit" ein faszinierender Zeitreiseroman über Kontrolle, Pflicht und Widerstand und zweifellos ein Klassiker im Science-Fiction Genre.

Das Ende der Ewigkeit (Roboter und Foundation - Der Zyklus 14)

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